86 Bild 11 Der Trierer DOM. Westteil. Rechts davon Liebfrauenkirche. zwei Tempel, von denen wir leider nur die Fundamente kennen, noch erhalten wären. Am sogenannten „Herrenbrün- chen“, gegenüber dem Amphi ­ theater, stand der eine; unter ­ halb des „Balduinshäuschens“ außerhalb der Stadt, links der Mosel, der andere. Der erstere entstand, wie aus den Funda ­ menten zu schließen, im 2. Jahrhundert n. Chr. und wird dem Schutzgott der Treverer, dem Mars, gewidmet gewesen sein. Wie aus den Fundamen ­ ten der ihn umgebenden An ­ lagen ersichtlich, war der zweite Tempel prachtvoller und größer als der erstere. Hier muß ein alter gallischer Tempelbezirk gelegen haben, wie aus der Auffindung von Inschriften, Statuen und Al ­ tären hervorgeht. Auch ist festgestellt, daß im 3. Jahr ­ hundert ein neuer Tempel aus weißem Marmor an Stelle des zuerst gebauten entstand, zur Zeit, in welcher die einhei ­ mischen Treverer, von der glänzenderen Architektur der Römer über ­ wältigt, ihren Göttern gleiche prunkvolle Tempel bauten. So wird es auch bei diesem Tempel gewesen sein. Es ist sogar als sicher Bild 12 Tempel am Herrenbrännchen. Im Hinter ­ grund die römische Stadtmauer. anzunehmen, daß sich hier im heiligen Hain am Ausgang des Tales das National ­ heiligtum der Treverer befand, und dies umso mehr, als die aufgefundenen In ­ schriften die Namen von verschiedenen Tre ­ verer Gauen enthalten. Dem Kriegs- und Schutzgott der Treverer und seiner Gefährtin, der gallischen Göttin Ancamna, wurde hier geopfert bis zu der Zeit, in der sich die kel ­ tischen Völker im Moseltale der neuen christ ­ lichen Religion zuwandten. Wie wir aus dem römischen Stadtplan Triers ersehen, lagen außerhalb der Stadt den Heer- und Handelsstraßen entlang und an den Berg ­ hängen ausgedehnte römische Gräberfelder, die mit herrlichen Denkmälern für die Toten geschmückt waren. Zahlreiche Funde solcher Denkmäler mit reichen bildlichen Darstellun ­ gen sind im Laufe der Zeit gemacht worden. Wir kennen sie, die römischen Grabbauten rechts und links der Via Appia und jene be ­ rühmte Gräberstraße von Pompeji, ferner jene Formen von Monumenten, Bildwerken auf Sockeln oder schlanken Säulen oder ganze Grabtempel, wie sie in den übrigen Teilen des römischen Weltreiches heute noch zu finden sind. Warum sollte es in der römischen Kai ­ serstadt Trier anders gewesen sein? — Einsam liegt heute noch auf der Höhe des Petersberges ein großer rätselhafter Hügel, im Volksmund „Franzenknüppchen“ ge ­ nannt. In demselben sind Reste einer Ring ­ mauer und in der Mitte derselben ein starkes Fundament festgestelit. Es wird Sich um ein Rundgrab eines großen Römers handeln, der Bild 13 Mutmaßlicher Bau des Marstempels am Balduinshäuschen.