75 gebirgen herabgetragenen Gesteinen türmten sich zu Bergen, alles roh, kahl und unbewohn ­ bar. Es sind in Mitteleuropa vier Haupt ­ perioden der Vereisung festgestellt worden: 1. die Günz-Eiszeit, 2. die Mindel-Elster-Eiszeit, 3. die Riß-Saale-Eiszeit und 4. die Würm-Weichsel-Eiszeit. Benannt sind sie nach süd- und norddeutschen Flüssen, an welchen man ihre Spuren zuerst gefunden hat. Das waren also vier lang- dauernde Kältewellen (Glaziale). Zwischen ihnen liegen die wärmeren Zwischeneiszeiten oder Interglaziale. Auch diese Zwischeneis ­ zeiten dauern jedesmal Jahrzehntau^ende. Sie gehen uns bei der Betrachtung des Lud- weiler Faustkeils hauptsächlich an, denn der Mensch bewohnt nur in den klimatisch gün ­ stigeren Zwischeneiszeiten unsere dem Haupt ­ eise doch sehr nahe gelegene Landschaft. Mit dem abschmelzenden Eise weicht während dieser Interglaziale auch die Tundra zurück. Tundra ist heute in arktischen Gebieten, wie Nordnorwegen und Nordsibirien zu fin ­ den. Der Boden ist während eines großen Tei ­ les des Jahreslaufs gefroren. Bäume gibt es in der Tundra nicht. Nur dürftiger Pflanzen ­ wuchs bedeckt sehr dünn das unwirtliche Land. Die Rentierflechte (Cladonia rangiferina), Silberwurz (Dryas octopetala), die Alpenbären ­ traube (Arctostaphylos alpina), die Rausch ­ beere (Empetrum nigrum), verschiedene Moose (Sphagnum, Polytricbum) und die Zwergbirke (Betula nana) sind Tundrenpflanzen, die irn Sommer die Steinhalden begrünen und der Tierwelt Futter bieten, die aber auch noch im Winter vom hungernden Ren wild unter dem Schnee hervorgescharrt werden. An Tieren lebten in der eiszeitlichen Tundra und der an sie anschließenden Steppe das Mammut (Abb. 14), das sibirische Nashorn (Abb. 15), der Bi ­ son, das Urrind, das Ren, die Saigaantilope, der Eisfuchs, verschiedene Lemmingarten und $las Ziesel. So wie die Tundra in den Zwischen ­ eiszeiten zurückwich, drang die Grassteppe vor und in weiter südlich gelegenen Land ­ strichen verbreitete sich dann auch der Ur ­ wald. Die Periode des Acheuleen, der unser Faust ­ keil angehört, liegt in dem Interglazial zwi ­ schen der Riß- und Würmeeiszeit. Das Klima war gemäßigt kühl. Der Urmensch durch ­ streifte die Hügel und Täler unserer Saar ­ landschaft in kleineren Trupps sammelnd und jagend, um die Nahrung für den täglichen Bedarf, wie auch für den langen Winter zu beschaffen. Seine Jagdtiere waren vorwiegend das Mammut (elephas primigenius) und das sibirische Nashorn (rhinoceros tichorhinus), beides mächtige, wollhaarige Wildtiere, die heute ausgestorben sind. Ihre Gebeine wer ­ den noch in den diluvialen Sanden und Kie ­ sen der Saar wie an anderen Plätzen gefun ­ den, so daß wir über ihre Größe und ihr Aus ­ sehen gut unterrichtet sind. Haben doch rus ­ sische Forschungsexpeditionen in Nordsibirien ganz erhaltene Kadaver des Mammuts mit Abb. 14: Mammutherde (Photo zur Verfügung gestellt durch Dr. Guthörl)