56 Schiefertonen unzählige Muscheln zu finden, unter denen auch die Jugendformen in klei ­ nen und kleinsten Exemplaren vertreten sind. In unmittelbarer Nachbarschaft von der Muschelschicht finden sich plattige, glimmer- Abb. 20: Garnelenartiges Krebstier der Jetztzeit; Anaspides tasmaniae (n. Claus-Grobben) führende Sandsteine mit vielen inkohlten Pflanzenresten, meist als Häcksel. Darunter sind aber auch Reste, an denen man die Artzugehörigkeit noch gut erkennen kann. Daß auch echte Landtiere in diesem Lebens ­ raum vorhanden waren, geht aus dem Fund eines großen, 40 mm langen Schabenflügels, den ich als Phyloblatta gigantea beschrie ­ ben habe, hervor. Außerdem wurden im Laufe Abb. 21: Doppelbeiniger Tausendfüßer; Arehiulus brassi (Aufn. d. Verf.) der Zeit viele Lebensspuren von teils auf dem Lande, teils im Wasser lebenden Tieren entdeckt. Unter diesen fallen sehr schöne und deutlich erhaltene Laufspuren von Scha ­ ben besonders auf (Abb. 28). Mit dem Auf ­ sammeln der verschiedenartigen Lebens ­ spuren hat sich Frau Lotte Lellbach aus Odernheim am Glan sehr verdient gemacht. Um die Bergung der schönen Stegocephalen- und Fischreste haben sich die Herren Georg Großarth aus Odernheim und Dipl.-Ing. J. Herold aus Monzingen sehr bemüht und recht ansehnliche Sammlungen zustande gebracht. Nach all den Beobachtungen und Funden zu urteilen, herrschte im Winterburg-Odern- heimer Lebensraum ein für die Weiterent ­ wicklung der Pflanzen- und Tierwelt recht günstiges Klima. Der Strand war von baum ­ förmigen Gewächsen, unter denen die Nadel ­ hölzer und Schachtelhalme den Vorrang hat ­ ten, bewachsen; Sporen- und Samenfarne ver ­ vollständigen das Bild. Feiner Sand und kalkig-toniger Schlamm bildeten einen fruchtbaren Boden, besonders dann, wenn nach einer zeitweiligen Überflutung der Wasserspiegel wieder einen niedrigen Stand annahm. Bald hatten die Sonnenstrahlen auch wieder das Trocknen und Aufblättern der Schlammdecke bewirkt, dabei aber auch die Laufspuren von Insekten, Panzerlurchen und sonstigen Tieren so gefestigt, daß sie nach abermaliger Überflutung als besondere Gebilde, die man Lebensspuren nennt, erhal ­ tungsfähig wurden (Abb. 46). Sicherlich schwirrten außer den auf das Landleben an ­ gewiesenen Schaben oder Kakerlaken noch Insekten, seien es heuschrecken- oder libel ­ lenähnliche gewesen, in der Luft. Denn auch Abb. 22: Doppelbeiniger Tausendfüßer der Jetztzeit; Julus terrestris (n. Handliisch) für diese war der Lebensraum ein günstiger. Die starken Gerölleschichten über der Stego- cephalenbank sind ein Beweis dafür, daß die Natur auch jetzt wieder durch sehr starke Niederschläge und Überschwemmungen mit Sand und Geröll versucht hat, allem Leben ein gewaltsames Ende zu bereiten. Aber auch aus diesem Zeit- und Lebensraum hat sich sowohl die Pflanzen- als auch die Abb. 23: Urgeradflügler; Metoedischia (wiederhergest. v. Martynov)