31 O/huei'e Qubilare Für die im Wirtschaftsleben tätigen Men ­ schen gelten Jubiläen, wie sie in der Familie gefeiert werden, in der Regel nicht. Wenn es keine Regel ohne Ausnahme gäbe, dann müßte die für die Bergleute geschaffen werden, denn diese pflegen in ihrem Arbeits ­ leben eine Kameradschaft, die sich zum min ­ desten mit dem gegenseitigen Ertragen und Vertragen in der Familie vergleichen läßt. Diese Erkenntnis veranlaßt uns, auch in diesem Jahre der Jubilare zu gedenken, die 40 Jahre ununterbrochen im Saarbergbau beschäftigt sind. Im Arbeitsleben dieser Jubilare wurde im Bergbau die Maschine in einem Umfange eingesetzt, wie man dies früher nicht für möglich gehalten hätte. Wer den Untertage- Betrieb vor 40 Jahren kannte und denselben mit dem heutigen Betrieb vergleicht, findet einen Unterschied, der, im Verhältnis ge ­ sehen, dem zwischen Tag und Nacht gleicht. Geblieben ist der Bergmann, der unbe ­ kümmert um die Neuerungen, unter Aus ­ schluß der Öffentlichkeit, seine Arbeit treu und gewissenhaft erfüllt; ohne sich dem Vor ­ wurf der Überheblichkeit auszusetzen, können die Jubilare dies von sich sagen. Ein Ereignis, das uns Kunde gibt aus ver ­ gangener Zeit, soll das bis jetzt Gesagte noch deutlicher herausstellen. Beim Wiederaufbau einer alten Stadt wurde der Schlußstein — die sogenannte Kreuzblume — eines himmelragenden Domes unversehrt auf gefunden; Fachmänner haben den Stein behutsam geborgen und stellten fest, daß der Welt ein herrliches Kunstwerk von diesem Dom erhalten geblieben ist. Die ­ ser Schlußstein ist ein Meisterwerk der Bildhauerkunst. Und doch ist die Frage be ­ rechtigt: was ist die wertvollste Feststellung bei diesem Fund, das Bild im Stein oder der Bildner, der Mensch, der dieses herrliche Kunstwerk geschaffen hat? Uns dünkt, der Bildner — der Mensch — ist in diesem Falle das Wertvollste, was uns die Bombe oder das Artilleriegeschoß vor die Füße legte. Vergegenwärtigen wir uns kurz den Ar ­ beitsvorgang beim Schaffen dieses Kunst ­ werkes. Der Stein wurde, nur roh vorbear ­ beitet auf die Spitze des Turmes gebracht; dort hat der Bildner — unkontrollierbar vom Baumeister und seinen Gehilfen sowie der Öffentlichkeit — dem Stein das „Gesicht“ gegeben. Er hat seine Arbeit gut gemacht, obwohl er annehmen mußte, daß diese seine Arbeit der Kritik der Öffentlichkeit auf immer entzogen bleibt. Fürwahr, ein selbst- ’oser, großer Mensch, dieser Bildner, dieser Arbeiter. Wir hören die Frage, warum wird bei der Ehrung von Jubilaren im Bergbau dieser Vorgang herausgestellt? Wir sind der Auf ­ fassung, daß in diesem Vorgang der Sinn der Arbeit und der Adel dessen, der sie leistet, vor aller Welt kundgetan wird und daß wir als Bergmänner diesem Bildner im Bewußt ­ sein, daß wir seiner würdig sind, zur Seite treten dürfen. Auch wir leisten unsere Ar ­ beit — wie dieser Bildner — ohne Kontrolle der Öffentlichkeit. Die Pflichterfüllung ist dem Bergmann wie diesem Bildner Herzens ­ sache. Hieraus erklärt sich auch, daß es nicht nur Tradition ist, was den Berg ­ mannssohn immer und immer wieder veran ­ laßt, in die Grube zu gehen, um Bergmann zu werden. Es ist vielmehr die Liebe zum Bergbau, die unser Tun und das unserer Kinder kennzeichnet. Wir sind uns bewußt, und es ist von unseren Vorfahren überkommenes Gut, daß Berg ­ mannsarbeit Schwerstarbeit ist und bleiben wird, und doch sind wir Bergmann geworden. Unser Beruf verlangt nicht nur von uns stärksten Einsatz unserer körperlichen Kräfte, sondern nicht zuletzt die geistige Fähigkeit, die heute dem Bergmann in die Hand gege ­ benen technischen Hilfsmittel in der rechten Weise einzusetzen und zu meistern. Nur so können wir erreichen, daß die Maschine ihren Anteil an der Schwerstarbeit bringt. Seht, liebe Jubilare, wie — rückwärts ­ schauend — das Arbeitsleben viel interessan ­ ter ist, als es sich allgemein und ohne in die Tiefe zu gehen ansieht. Der Wert des Men ­ schen Arbeiter wird nicht gewogen in Zahlen, sondern in dem inneren Wert zum Ausdruck gebracht, der in jedem Einzelnen, gegeben durch Pflichterfüllung, steckt. So wollen wir heute, Eure jüngeren Mit ­ arbeiter, vor Euch hintreten und Dank sagen für all das, was Ihr uns in unserem bishe ­ rigen Bergmannsleben gegeben habt. Wir wollen, so wie Ihr, die Liebe zum Beruf weitergeben und bergmännische Art und Sitten pflegen, wie Ihr dies getan. Für die fernere Fahrt auf Eurem Lebensweg rufen wir Euch ein fröhliches „G1 ü c k auf“ zu. Am 30. Juni 1947 standen noch 297 Beleg ­ schaftsmitglieder in Arbeit, die in der Zeit vom 1. Juli 1906 bis 30. Juni 1907 angefahren sind. Von diesen Jubilaren waren am 30. Juni 1947 beschäftigt: 241 als Arbeiter und Handwerker unter und über Tage, 3 als Meister, 4 als Steiger, 49 als Angestellte. Wir bringen nachstehend, wie dies auch