C. Maßregeln zur Verhütung der Tuberkulose. I. Schutz gegen Ansteckung. Die beiden wichtigsten Forderungen betreffen das Verhalten des Kranken, nämlich Vorsicht beim Husten und gefahrlose Beseitigung des Auswurfs. a) Vorsicht beim Husten. Der Kranke hat gewisienhaft darauf zu achten, nie jemanden aus nächster Nähe anzuhusten, er hat beim Husten stets den Rucken der linken Hand vor den Mund zu hallen, da man sich bei Begrüßungen usw. meist der rechten Hand bedient. b) Die Beseitigung des Auswurfs. Der Lungentuberkulose muß stets eine Taschenspuck- flasche bei sich haben und seinen Auswurf in diese oder in einen Spucknapf entleeren. Er darf, wenn er seine Mitmenschen nicht schwer gefährden will, Nicht auf den Fußboden oder auf die Straße spucken. Die Benutzung eines Taschentuches zum Auffangen des Auswurfes ist möglichst zu vermeiden, da hierdurch allzu leichr Gesunde gefährdet werden können. Weniger gefährlich ist die Be- nutzung von Papiertaschentüchern, die baldigst in einen Abort geworfen oder verbrannt werden mästen. Auf der Straße hat der Tuberkulöse die Spuckflasche zu be- nutzen oder in den Rinnstein zu spucken. Jede Ver- unreinigung von Kleidung, Leib- und Bettwäsche, Decken usw. mit Auswurf ist unbedingt zu vermeiden. (Unbemittelte erhalten Taschenspuck, laschen unentgeltlich von der Fürsorgestelle.) Ferner sind folgende Vorschriften streng zu beachten: 1. Gesunde sollen jedes unnötig enge Zusammensein mit hustenden Tuberkulösen meiden, sie sollen sich min- destens auf Acmlänge von den Kranken entferne halten. Säuglinge und Kleinkinder sollten von hustenden Lungen- tuberkulösen völlig ferngehalten werden. 2. Der Kranke muß in seinem Bett allein schlafen. Er soll, wenn irgend mögl.ch, sein eigenes Schlafzimmer haben. Dort, wo sich dies nicht einrichten läßt, sollte ec den Schlafraum wenigstens nicht mit kleinen Kindern oder jugendlichen Erwachsenen teilen. Das Bett des Kranken soll möglichst frei im Zimmer stehen, sich niemals in einem Alkoven oder Bettschcank befinden. Muß der Kranke sein Schlafzimmer mit anderen Erwachsenen teilen, so mästen die Betten der Gesunden von dem Krankenbett m.ndestens 2 m Abstand haben. 3. Der Kranke soll sein eigenes, von keinem anderen benutztes Taschentuch, eigenes Trink-, Eß- und Wasch- geschirr haben. 4. Der Kranke soll es vermeiden, gesunde Personen zu kästen, vor allem muß er sich jeder Zärtlichkeit, (Um- armen, auf den Schoß nehmen) gegenüber kleinen Kin- dern enthalten. 5. Der Kranke hat, sofern er körperlich dazu in der Lage ist, die Reinigung seiner Kleidung, möglichst im Freien oder bei offenem Fenster, selbst vorzunehmen. Er soll auch, solange es ihm möglich ist, sein Bett selbst machen. Unter keinen Umständen dürfen die vom Kranken getragenen Sachen in einem Raum ausgebürstet werden, in dem sich andere Personen (kleine Kinder!) befinden. Alle überflüssigen Hantierungen mit der Leib- und Bett- wäsche des Kranken oder seinen Decken sind zu Unter- lasten. 6. Jede Staubentwicklung in der Wohnung und in der Arbeitsstätte ist auf das geringste Maß zu beschränken. Aus dem Raum, in dem sich der Kranke hauptsächlich aufhält, sind daher möglichst alle unnützen Staubfänger, wie Polstermöbel, Portieren usw. zu entfernen. Alle Räume, in denen sich der Tuberkulöse aufhält, sind täglich feucht aufzuwischen. 7. Die Spe,gefäße sind vorsichtig in den Abort, nicht in Ausgußbecken zu entleeren, hiernach auszukochen oder in eine desinfizierende Lösung einzulegen (siehe Anhang) und dann zu reinigen; jedes Verspritzen von Auswurf, z. B. durch Ausbürsten der Gefäße vor dem Kochen, muß sorgfältig vermieden werden. Nach der Reinigung des Speigefäßes gründlich die Hände waschen! 8. Der Kranke soll sich häufig am Tage die Hände gründlich mit Seife waschen. Er soll seine Fingernägel und den Bart stets sauber hallen. Seine Kleidung und Betten sind so oft wie möglich zu sonnen, da das Sonnenlicht die Tuberkelbazillen in kurzer Zeit vernichtet. Die schmutzige Wäsche des Tuberkulösen, insbesondere seine Taschentücher, ist ohne vorherige Durchzählung in einem Wäschesack aufzubewahren und auszukochen; statt- desten kann sie auch nach Gebrauch in einen Eimer mit desinfizierender Lösung (siehe E.) eingelegt werden. 9. Genaue Auskunft über die Desinfektion von Aus- wurf, Wäsche, Kleidern usw. und alles, was sonst für den Tuberkulösen und seine Familie wichtig ist, erteilen die Gesundheitsämter (Fürsorgestellen für Lungenkranke). 10. Tuberkulöse, welche die genannten Vorsichtsmaß- regeln sorgfältig und gewisienhaft befolgen, gefährden die gesunden Menschen nicht. Man braucht also keine Angst vor ihnen zu haben und soll sich nicht von ihnen zurückziehen und ihnen ihr ohnehin schon schweres Leben dadurch noch schwerer machen. Diejenigen Tuberkulösen aber, welche die Vorsichts- maßregeln nicht befolgen, insbesondere beim Husten, und mit ihrem Auswurf unvorsichtig umgehen, sind schuld, daß immer wieder gesunde Menschen tuberkulös werden. An- steckende Kranke, die in schuldhafter Weise ihre Mit- menschen gefährden, können auf Grund der polizeilichen Bestimmungen zwangsweise in eine geschlostene Anstalt überführt und dort isoliert werden. 11. Wegen der Gefahr der Ansteckung mit Rinder- tuberkelbazillen darf Milch in rohem Zustande nur ge- nosten werden, wenn sie aus sicher tuberkulosefreien R.nderbeständen stammt. Ist diese Voraussetzung nicht erfüllt, sollte grundsätzlich nur einwandfrei pasteurisierte Milch zum Trinken verwandt werden Wo pasteurisierte Milch nicht zu beschaffen ist, muß die rohe Milch in den Haushaltungen vor dem Genuß kurz abgekocht werden. Durch Pasteurisieren und Abkochen werden in der M.lch enthaltene Tuberkelbazillen und andere Krankheits- erreger vernichtet. Mütter, die ihren kleinen Kindern rohe Kuhmilch zu trinken geben, ohne zu misten, ob die Milch vpn sicher tuberkulosefreien Kühen stammt, handeln fahrlässig, weil s sie Gesundheit und Leben ihrer Kinder aufs Spiel seyen. II. Maßregeln zur Kräftigung des Körpers. Neben einer strengen Beachtung der im vorhergehenden Abschnitt angeführten Maßnahmen der Ansteckungsver- hütung ist es für den, der sich vor der Tuberkulose schützen will, unerläßlich, den Körper so zu kräftigen und abzuhärten, daß der Tuberkelbazillus ihm möglichst wenig Schaden zufügen kann. 1. Die Nahrung sei einfach und kräftig. Zu vermeiden ist jeder Tabakgenuß und der Mißbrauch von Alkohol. Ausschweifungen jeder Art haben zu unterbleiben. 188