Maus verteidigt Franzens Moos Von Cöremer *r Harter Franz war ein giuter Meltlsch und noch dazu jung verhei- ratet. Wie er s e lbst sagte, schien in seinem Heim stets die Sonne. Aber es war doch so, als ob da ein klei- ner Schatten sei. Wenn es Geld gab, pflegte Franz gewöhnlich „das Moos" in die rechte Rocktasche zu stecken, das muhte sein Lies- chen genau. Ihre Strategie, sich in den Besitz des Mam- mons zu setzen, war verblüf- send einfach und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb -immer erfolgreich Wenn ihr Franz am Lohntalg nach Hause kam, erhielt er einen' Kuß und wurde seines Geldes beraubt. Mit der Geschwindigkeit eines gutgeölten Blitzes enteilte seine bessere Hälfte stets gleich darauf, ihrem Franzel noch flüchtig zuwinkend und ebenso lächelnd. Meistens kam sie erst gegen Abend wie- der. Natürlich mit allerlei nützlichen Sachen, aber die Geldtasche war dann stets sehr leicht geworden und das gefiel unserem Franz garnicht. Er sann lange darüber nach, wie er Lieschen das abgewöhnen könnte. Es fiel ihm auch tat- sächlich etwas ein. Als nun der Restlohn zur Auszahlung gelangte, nahm Franz aus seinem Flöz eine Maus mit nach oben, die er in einen alten Lappen wickelte, so daß sie ihm während des Waschens nichts durchbrennen konnte. Nach dem Baden holte er sein Geld, steckte aber die Maus in seine rechte Rocktasche und das Geld in die linke, wobei er ein erwartungsvolles Grinsen nicht unterdrücken konnte, wenn er an Lieschens „Überraschung" dachte. Als Franz dann nach Hause kam, entwickelte sich alles wie immer bei solchen Gelegenheiten. Lieschen gab ihm einen Kuß auf die Backe und griff im gleichen Augenblick in seine Tasche, um das Geld an sich zu nehmen. Doch laut gellte ihr Schrei durch das Haus, wie sie anstatt des Geldes eine zappelnde Maus hervorbrachte. Lieschen schien in Ohnmacht zu fallen und Franz mußte die Kreidebleiche auffangen. Er erschrak gewaltig und verwünschte seinen Einfall. Der aber hatte doch seinen Zweck erfüllt. Von nun an wartete Lieschen immer geduldig, bis Franz in aller Ruhe gegeffen hatte und ihr dann von selbst das Geld aushändigte. Jetzt schien tatsächlich immer dib ungetrübte Sonne in Fran- zens Heim. 258