Streit um das Bergregal Vor mehr als 200 Jahren begannen die Mönche des Klosters Wadgaffen mit dem Abbau der Steinkohlen. Reibereien zwischen dem Abt und dem Grafen von Saarbrücken waren dauernd an der Tagesordnung. Annähernd 75 Jahre kämpften beide Parteien um ihr Recht. Durch die französische Revolution wurde diese Streit- frage um die Konzessionsberechtigung entschieden. Die wichtigsten Begebenheiten aus diesem Streit sollen hier erhalten bleiben: Wann zum ersten Male im Hostenbach-Wad- gasser Distrikt Kohlen gefördert wurden, ist nicht bekannt. Bekannt ist nur, daß der Abbau durch das überaus reiche und mächtige Kloster zu Wad- gaffen betrieben wurde. Sicher waren die ge- schäftstüchtigen Mönche schon früh bestrebt, nach dem Vorbilde der Gruben auf dem rechten Saar- ufer auch die in Hostenbach zu Tage ausgehen- den Flöze auszubeuten. Doch die erste authen- tische Nachricht über Kohlengewinnung der Abtei Wadgaffen finden wir erst 1725. Damals erhob der Graf von Saarbrücken-Naffau einen Ein- und Durchfuhrzoll von den Bauern, die in Hosten- bach Kohlen geladen hatten. Sehr wahrschein- lich ist es dem Abte möglich gewesen, die Kohlen infolge der günstigeren Verhältniffe billiger auf den Markt zu bringen und so den Saarbrückern eine unangenehme Konkurrenz zu werden. Doch der Abt von Wadgaffen erhob 1726 gegen den Grafen einen Protest wegen des Zolles beim Reichskammergericht. Dieser Protest trug außer den Unterschriften des Abtes und des Priors noch 12 andere Unterschriften. Die Gerichts- verfahren waren damals ein recht langwieriges und kostspieliges Unternehmen. Denn erst nach bald 30 Jahren, am 28. April 1755, ergingen vier Kammergerichtsurteile zu Gunsten der Abtei Wadgaffen. Das erste, das die Zölle zum Gegen- stand hatte, lautete: „Der Graf wird ermahnt, die Landesherrlichkeit nicht weiter auszudehnen und das Kloster in dem hergebrachten Besitz der Steinkohlen- und Eisenerzgruben auf seinem Grund und Boden nicht zu stören." Doch der Zank um den Besitz von Gerechtsamen sowohl zum Bergbau, sowie zum Befahren der Saar mit Ponten geht weiter. Der Graf, der „Reme- dium revisionis“ beantragt hatte, hatte keinen Erfolg. Er sah sich genötigt, an den Kaiser zu appellieren. Dabei wurden folgende den Berg- bau betreffende Punkte erörtert: „Das Berg- werksregeln ist weder durch Vergleich noch durch Urteln dem Kloster jemals zuerkannt worden, nach dem Lehnrecht steht nur der Landesherrschaft zu, allerlei Bergwerke-Erz und Metalle zu suchen Das Kloster zu Wadgassen und der Bergbau und zu bauen. Das Kloster ist vermessen gewesen, sich sonderlich Steinkohlengruben eigenmächtig anzumaßen. Da nun das Abmahnungsverbot fruchtlos abgegangen, habe er befohlen, die Gru- ben zuwerfen zu lasten; dem Kloster sei mehr zu- erkannt worden als dasselbe gebeten." Das Kloster stellt andererseits eine Aufstellung der Verluste, die der Graf ihm zugefügt hat, dem Kammergericht zu: „Die Steinkohlen und andere Foffilien und Mineralien betr. ad 14, Wegen verschiedener Einwurf- und Zuhauungen der Kol- gruben, und Abführung etlicher 30 Fuhren Kolen auf Saarbrücken hat das Kloster Verlust gehabt 147 fl. Mehr jedes Jahr (ratione Luceri ces- santes) 360 fl.; machen in 4 Jahren 1440 fl." Am 10. Januar 1759 führten endlich die Ver- handlungen zu einem gütlichen, umfaffenden Ver- gleich, der 23 verschiedene Positionen enthält. Die den Bergbau betreffende besagt: „Es wird dem Kloster, die Steinkohlen nach Willkür zu graben und außer Land, jedoch nicht die Saar hinauf zu vertreiben, gestattet." Der Bergleichs- vertrag trug 50 Unterschriften. Der Vertrag scheint aber doch wenig Beachtung durch den Fürsten gefunden zu haben, denn in einem Be- richt über die Gesamtlage zwischen Saarbrücken und dem Kloster nach dem Tode des Abtes Michel Stein heißt es: „Das Kloster erhielt in den letz- ten 50 Jahren vom Kammergericht sehr günstige Urteln gegen Saarbrücken, aber wie werden die- selben vom Fürsten beachtet? Die Gruben bei Wadgaffen bleiben zugeschmiffen, viele Kohlen werden nach Saarbrücken gefahren, Nachen und Pontons bei Bous sind weggenommen und wer- den nicht wieder hergebracht, durch 4 Jahre ist der Verkehr zwischen Bous und Wadgaffen völ- lig unterbunden." Im Jahre 1768 wurde die Abtei Wadgaffen vom Fürsten von Saarbrücken-Naffau durch Ver- trag an Frankreich abgetreten. Bereits im Jahre 1769 suchte ein französischer Kavallerieoffizier, Leroy de la Rone, bei der Regierung in Paris um Verleihung des Abbaurechts für die Hosten- bacher Kohlenfundstätten nach. Wir ersehen dies aus einem Schriftstück vom 25. Mai 1769, wel- ches der oberste Verwaltungsbeamte (Intendant) der Provinz Lothringen, de la Glaiziere, der frühere Minister unter König Stanislaus, an den Subdelegierten in Bolchen, Thomas, richtete. Es lautet in freier Übersetzung ungefähr folgen- dermaßen: „Der Staatssekretär übermittelt uns die Befehle Seiner Majestät wegen des Gesuches des Herrn Leroy de la Rone, welcher um Ver- leihung der in der Herrschaft Hostenbach gelege- 80