Vcn Hermann Hild Maungewmnung in alter Zeit Die Sulzbachec kklaundrennerei — Lin untergegangener Industriezweig im Saarland Es ist fast gar nicht bekannt, daß sich in der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken am brennen- den Berg bei Dudweiter eine eigenartige Indu- strie entwickelt hatte, die Alaungewin- n u n g. „Mau entdeckte", so sagte der Nassau- Asingische Hofkammerrat Christian Friedrich Habel in seinen „Beyträgen zur Naturge- schichte und Ökonomie der Nassauischen Länder", die 1784 in Dessau verlegt wurden, „in dem Feuer gerösteten Schiefer Stücke von calcinier- tcm Alaun, der sich vermutlich durch Regengüsse aus dem gerosteten Schiefer ausgelaugt, zusam- mengesetzt, und durch eure geschwinde Ausdün- stung erzeuget hatte. Dieses machte, daß man nun aus dem vom brennenden Berg selbst cal- cinierten Schiefer Alaun zu sieden trachtete, wel- ches auch in der Folge ganz zustande gekommen, und bisher glücklich fortgesetzt wird." Man wußte damals noch nicht, daß Ton- schiefer für gewöhnlich auch Alaun enthält, und war aufs freudigste überrascht, als sich so plötz- lich die Gelegenheit zur Entwicklung eines ganz neuen Erwerbszweiges bot. „Dieses hätten sich die alten Dutweiler Unterthanen gewiß nicht vermuthet", sagt Habel, „als sie den jetzigen bren- nenden Berg zu löschen so besorgt waren!" Der Alaunschiefer brannte, wenn nur genügend Luft- zufuhr vorhanden war, selbständig weiter und laugte von sich aus den Alaun aus, ohne daß, wie bei den kostspieligen Alaunsiedereien, beson- dere technische Vorrichtungen nötig waren. „Bey dem natürlichen und durchs Feuer calcinierten Alaun zeigt die Natur, daß sie durch kürzere Wege, als die Kunst, zu arbeiten weiß. Sie hat hier keine Auslaugkasten, Böttig, Kessel,Schlamm- sänge, Anschießkasten usw. nöthig. Man über- läßt aber dennoch der Natur nicht alles, son- dern kommt ihr, da man einmal ihre Wege ken- nen gelernt, zu Hilfe, und hat eine reguläre Arbeit aus diesem brennenden Flötz vorgerichtet. Alles Gebirge, was durch das Feuer geröstet wird, ist gut zu Alaun; besonders aber das- jenige, auf dem schon angeführten 6 bis 8 fchuhigten Flötz, der eigentlichen Alaunschiefer, wovon der Centner 2 Pfund Alaun und 8 Pfund Schwefel und Eisentheile mit dem Salz innigst verbunden, enthalten. soll." Aus der Eigentümlichkeit dieser Alaunerzeug- ung, bei der man das Rosten des Schiefers der Natur überließ, ergab sich ein bestimmtes, nach Jahreszeiten gegliedertes Arbeitssystem. „Die Arbeit bey dem Alaunschiefer wird in Cam- pagne getheilt. Man fängt damit an, wenn es nicht mehr friert, und fährt damit fort, bis man wieder Frost zu befürchten hat, ungefähr vom März bis Martini. Sobald es nicht mehr friert, werden die eingestürzten und über den Winter mit Grund bedeckten Schiefer die den Winter hinlänglich geröstet sind, in die Kutten so warm und heiß, als es nur möglich, mit Schubkarrn gelaufen, und ausgelaugt. Man bricht gewöhn- lich von dem nächsten vom Feuer angegriffenen Felsen etwas dazu, wenn man es zum Aus- laugen tauglich findet. Was nicht genug geröstet ist, läßt man auf die künftige Campagne zurück, damit sie noch besser brennen. Den ganzen Som- iner über holt man von dem brennenden Berg diejenigen Schiefer, die man für tauglich zum Auslaugen' hält. Gegen den Herbst sucht man nach der Teufe in den Alaunschiefer zu brechen, und zu verschrämen, so viel, als man kann, im- mer dem Feuer nach, da man indesten das Ver- schrämte zurückwirft, verwahrt es mit Bolzen oder Stützen, und dieses so weit, daß, wenn die Bolzen herausgeschlagen, das Gebirge von selb- sten sich loszieht, und einstürzt. Man schüttet hierauf vom reinsten Schiefer, den man haben kann, darüber und wirft mit Schaufel noch Decke darauf." Man gab dem Schiefer ungefähr fünf Monate Zeit zum Durchbrennen. Die Decke, die man im Herbst über die Schieserlagen legte, durste weder zu stark noch zu schwach sein; der Schie- fer durfte einerseits nicht verschlacken, anderer- seits aber mußte auch eine genügende Menge durchrösten. Im Sommer begann dann die eigentliche Alaungewinnung. „Die guten Schiefer werden dreymal ausge- lauget. Die erste Lauge wird durch hölzerne Canäle gleich in die Alaunhütte geleitet; die beyden letztern aber, sowohl die Nachlauge, als das Master, welches zur Nachlauge genommen wird, auf die frische Schiefer gebracht und Gaar- faitgc daraus gemacht. Die Gaar-Lauge kommt 2 17