Die Knappschaftsberufsgenossenschaft Die Knappschafts-Berufsgenossenschaft, über deren Aufbau und Wirksamkeit in weiten Kreisen vielfach Unkenntnis besteht, ist die Trägerin der reichsgesetzlichen Unfallversicherung für den Bergbau und die ihm angeschlossenen Betriebe. Ihre Aufgaben sind folgende: I. Wiedergutmachung von Unfallschäden, II. Verhüten von Unfällen, III. Fürsorge für Unfallverletzte. Die Reichsknappschaft, mit der sie oft ver- wechselt wird, besagt sich mit der Krankheits-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Dag sich Liese Arbeitsgebiete gelegentlich berühren, zu- weilen sogar überschneiden, ergibt sich aus der Natur der Sache. Die Regelung dieser Be- ziehungen ist jedoch durchaus überwiegend eine Sorge und Angelegenheit der Juristen. Der Wesenskern der Knappschafts-Berufsgenossen- schaft ist bergmännisch. Die Knappschafts-Berufsgenossenschaft unter- liegt der Aufsicht des Reichsversicherungsamts in Berlin. In dieser Stadt befindet sich ihre Haupt- verwaltung. Sie untersteht einem ehrenamt- lichen Leiter. Die ganze Knappschafts-Berufs- genossenschaft gliedert sich in 8 Sektionen, welche die einzelnen Bergbaubezirke Deutschlands, räumlich getrennt, umfassen. Die Sektionsver- waltungen unterstehen je einem verantwort- lichen Geschäftsträger; außerdem hat der Ge- nosienfchaftsleiter für jeden Sektionsbereich einen der Führer der Betriebe ehrenamtlich als seinen Stellvertreter bestellt. Die für den Saarbergbau zuständige Sektion I in Bonn bearbeitet die bergbauliche Unfallver- sicherung für den Steinkohlenbergbau um Aachen, am linken Niederrhein und im Saarland, für die rheinische und westerwälder Braunkohle, so- wie die hessische Braunkohle und endlich für den gesamten westdeutschen Erzbergbau und den größten Teil der besonderen bergbaulichen Ge- winnungen im Westen unseres Vaterlandes (Dachschiefer, Basalt, Schwerspat, Bauxit, Braun- stein u. a. m.). Die Zahl der versicherten Per- sonen im Bezirk der Sektion I beläuft sich auf rund 130 000. Es gilt nun zunächst darzustellen, was die Sektion I für das Wiedergutmachen von Unfall- schäden tut. Vorauszuschicken ist dabei, daß es sich hierbei nur um Betriebsunfälle handelt, d. h. um körperliche Schäden, die ein An- gehöriger der Gefolgschaft während seiner Tätig- keit im Betriebe erleidet, und um bestimmte Be- rufskrankheiten. Die erste Sorge bei Betriebsunfällen ist, daß der Betroffene möglichst rasch und sachgemäß ärztliche Hilfe erhält. Zu diesem Zweck hat die Sektion seit langen Jahren ihr Augenmerk auf die Schaffung einer einwandfrei arbeitendem „Ersten Hilfe" gerichtet. Der Verletzte erhält einen Notverband oder wird sonst versorgt durch! Laienhelfer, d. h. durch besonders ausgebildete Nothelfer, deren in jeder Steigerabteilung uni auf jeder Schicht mehrere vorhanden sind. Sie! sorgen zusammen mit dem Heildiener des Werks dafür, daß der Mann so schnell wie möglich einem Unfallarzt zugeführt wird, welcher die fernere Behandlung übernimmt oder die Ueber- führung in ein Krankenhaus veranlaßt. Es ist heute jedem Bergamnn bekannt, daß frühzeitiges Eintreten ärztlicher Behandlung eine der Grundbedingungen guter Heilerfolge ist. Für die Verwaltung der Sektion ist es jedoch keineswegs damit abgetan, daß sie ihre Unfall- verletzten in den Händen erfahrener Aerzte weist Sie verfolgt vielmehr den weiteren Verlauf de: Behandlung und Heilung mit größter Aufmerk- samkeit, da sie das Recht hat, einzugreifen, wem ihrer Ansicht nach auf anderem Wege der Heil- erfolg besser oder schneller eintreten würde. Während der Verletzte sich in der Heilbehand- lung befindet, läuft das Verfahren zur Fest- stellung der Familien- und Arbeitsverhältnisse, welches schließlich in das Verfahren zur Fest-? stellung der Rente mündet, soweit der Verletzte nicht wieder arbeitsfähig aus der Kur entlassest wird. Die Höhe einer Unfallrente wird nach dem Maße festgesetzt, in dem die Erwerbsfähigkeil des Versicherten durch Unfallsolgen herabgesetzt ist. Hierzu sind recht häufig schwierige und zeit- raubende Ermittelungen erforderlich, die nur der zu beurteilen vermag, der sich mit diesen Dingen gründlich befaßte; so erklärt es sich, dast zuweilen ein langer Zeitraum zwischen Unfall und Rentenfestsetzung liegt. Er könnte oft nicht unwesentlich verkürzt werden, wenn der Ver- letzte selbst sich recht lebhaft um Klärung der Zusammenhänge bemühte. Die llnfallrente wird nicht von derSektionsverwaltung festgesetzt, sondern von besonderen Ausschüs- se n , d i e in jeder Hinsicht von der Verwaltung unabhängig sind. Man könnte nun vielleicht annehmen, daß die- Tätigkeit der Sektion mit Festsetzung der Rentes ihr Ende erreicht. Das trifft jedoch keineswegs zu. Auch die Rentenempfänger werden weiter überwacht in der Absicht, jeglicher Verschlimme- rung ihres Zustandes nach Kräften vorzubeugen Eine sorgfältigst geschaffene, weitverzweigte Or- 80