der erstere berechtigt war, für Kohlenlieferungen nach der Pfalz ein sogenanntes „Geleydtgeld" von den Gruben zu erheben. Diese Abgaben scheinen den Kohlenabsatz doch schwer geschädigt zu haben, weshalb sich die Kohlengräber ver- anlaßt sahen, zur Selbsthilfe zu greifen. Auf eine pfalzgräfliche Beschwerde vom 8. Februar 1619, daß die Kohlengrubenbesitzer sich weigerten, fernerhin die Zweibrücker Hofschmiede mit Kohlen zu beliefern, sah sich die Nassau-Saarbrückische Regierung veranlaßt, die Kohlengräber zu ver- nehmen. Diese sagten weitere Kohlenlieferungen zu, wenn man sie von dem „Geleydtgeld" wieder befreite. Dieses betrug pro Wagen 3 Albus (= 24 Pfg.) und war an die Zollstelle Limbach- Pfalz abzuführen. Die Grubenbesitzer führten außerdem Gegenbeschwerde und gaben an, daß die Zweibrücker Fuhrleute ihre Wagen zum Nach- teile der Grubenbesitzer mit dem doppelten bis dreifachen Kohlenquantum belüden, obwohl sie pro Wagen nur einen halben Gulden (—13 Albus — 1,04 Mk.) bezahlten. Der Kohlenstreit fand, einmal durch die gegenseitige Konkurrenz und zum anderen durch die Uneinigkeit der Kohlen- gräber untereinander bald ein Ende. Am 12. März 1619 wandten sich sämtliche Wellesweiler und Wiebelskircher Kohlengräber in gesonderten Bittschriften an den Grafen Ludwig von Saar- brücken um Erlaß einer Kohlenordnung. Es fei hier angeführt, daß die Kohlengräber der Grube Sulzbach-Dudweiler bereits am 12. November 1586 auf ihre Bitte hin von der Grafschaft Nassau-Saarbrücken eine Kohlenordnung erhalten hatten. DieseKohlenordnung umfaßt lOAbschnitte oder Paragraphen und enthält Bestimmungen und Verhaltungsmaßregeln über die Kohlen- verladung, Kohlengewinnung, Abgaben und Strafen. Der Passus 7 soll seiner Originalität wegen hier wörtlich wiedergegeben werden: „Dieweil auch zu zeiten ein kahler dem anderen seine kohlen freventlicher weiß ent- wendet, so ist zum Siebendten versehen, daß wo einer darüber ergriffen, derselbe Unserem gnädigsten Herrn kn 4 gülden büß und fürters der zunfft zu 4 maaßen wein verfallen seyn soll." t Ob nun für die Wellesweiler und Wiebels- kircher Kohlengrubenbesitzer eine Kohlenordnung wirklich erlassen wurde, ist unbekannt. Die beginnenden Wirren des 30jährigen Krieges legten für viele Jahrzehnte die Kohlengewinnung in sämtlichen Territorialgebieten lahm, die Ort- schaften entvölkerten sich, wurden nahezu menschen- leer und lagen jahrzehntelang fast völlig verödet. Nach dem 30jährigen Kriege beschränkte sich die Kohlengewinnung im Ottweiler Herrschafts- gebiete hauptsächlich auf die Wellesweiler Gruben und die Grube Kohlwald bei Wiebelskirchen. Erft Jahrzehnte später hören wir von Kohlen- gräbereien im Weilerbachtale bei Neunkirchen und im sogen. Hochwalde zwischen Neunkirchen und Bildstock. Im Jahre 1730 hören wir auch von Kohlengräbereien in der Grafschaft Blies- - kaftel, insbesondere aus der Gegend von St. Ingbert, wo Bauern im nördlichen Wald- distrikte Stollen anlegten. Die landesherrlichen Einnahmen aus dem ge- samten Gebiete der Herrschaft Ottweiler wurden in einer Aufstellung des Oberamtes Ottweiler des Jahres 1688 mit nur 6 Gulden, im Jahre 1726 mit 41 und im Jahre 1749 mit 120 Gulden nachgewiesen. In der Grafschaft Saarbrücken wurden ums Jahr 1730 bei den Dörfern Sulzbach und Dud- weiler 16 Eräbereien betrieben, die zusammen 76 Leute beschäftigten. Weiter waren um diese ««, Zeit Eräbereien im Köllertale (bei Engel- fangen, Rittenhofen, Lummerschied) ferner bei Geislautern, auf der Fenne, zu Gers- weiter und im Fischbachtale im Gange. Die Anzahl Kohlengräber belief sich auf etwa 18. Die Einnahmen aus sämtlichen Gruben der Herrschaft Saarbrücken im Jahre 1730 erreichte den Betrag von 85 Gulden. Von einer ordnungsgemäßen Kohlengewinnung war zu dieser Zeit ebensowenig wie vor dem 30jährigen Kriege die Rede. Die eigentliche Gewinnung der Steinkohle bestand auf sämt- lichen Gruben der beiden Herrschaftsbezirke Saar- brücken und Ottweiler noch immer in einer durch- aus regellosen Gräberei am Flözausgehenden. Die Saarbrücker Kammerdirektion macht in ihrem Schreiben vom 3. 4. 1479 an den Oberamtmann zu Ottweiler diesen auf vorhandene Uebelstände auf den Ottweiler Gruben aufmerksam und ver- merkt, „daß bei Serenissimi nostri Hochfürstliche Durchlaucht der gewesene Hofbestünder Koch die mündliche Vorstellung getan, was maßen die Steinkohlen im Ottweiler'schen nicht ' bergmännisch gebaut, sondern nur der obere Kohlengang gleichsam als auf einen raub aufgearbeitet, die unteren und besten Gänge aber in der Erde belassen würden; demnach Höchftdiefelbe gnädigst befehlen, dieses gründlich zu untersuchen und Vorschläge zu thuen, ob und wie diese Steinkohlen in Zu- kunft zu gnädigster Herrschaft besserem Nutzen auf bergmännische Art und Weise zu beneficieren fein möchten." Tatsächlich ergab die Untersuchung, daß auf den Gruben des Ottweiler Herrfchaftsbezirkes Uebelftände vorherrschten, daß z. B. der Kohlen- beständer Neurohr zu Wellesweiler auf feiner Grube nur Raublöcher grub. Neurohr begrün- dete seine nicht bergmännische und unsachgemäße Kohlengewinnung mit dem Fehlen jeglichen 47