gräbereien, wie sie während der „glorreichen" Dölkerbundsherrschaft in der Umgebung von Wellesweiler und vielen anderen Orten des Saarlandes betrieben wurden. Im Ottweiler Herrschaftsgebiete bestanden vor dem 30jährigen Kriege folgende Kohlen- gräbereien: 1. in der Umgegend von Wellesweiler am Mai- kesselskopf und Kohlengruberwald, 2. in der Umgebung von Bexbach am Lichten- kopf, 3. in der Umgegend von Wiebelskirchen im Kohl- wald, 4. in der Umgegend von Neunkirchen im Zieh- wald, ferner im sogen. „Sindertale" (Sinner- tal), Waldbächertale bzw. Weilerbachtale. Die ältesten Kohlengräbereien in der Graf- schaft Saarbrücken waren in jener Zeit: 1. die Gräbereien in der Gegend von Sulzbach- Dudweiler, 2. die Gräbereien in der Gegend von Geislautern. Auch in der Gegend von Quierschied sol- len in jener Zeit Kohlen bekannt gewesen und gegraben worden sein. Welche der genannten Gruben nun eigentlich als die früheste im Saarbrücker Kohlengebiete anzusehen ist, ist schwer zu sagen. Wie bereits ausgeführt, wird die Steinkohle im Neumünsterer Schöffenweistum vom Jahre 1429 erwähnt. Dies läßt darauf schließen, daß Kohlenfunde zu jener Zeit bekannt waren und weiter kann man daraus folgern, daß man sich damals schon über die Ver- wertbarkeit der Steinkohle im Klaren war. Es darf weiter angenommen werden, daß zwischen dem ersten Auffinden bzw. der ersten nutz- bringenden Verwendung im Sarlande bis zur ersten urkundlichen Festlegung vom Bestehen von Kohlengruben, ein Zeitraum von vielen Jahr- zehnten, vielleicht sogar einem Jahrhundert liegt. Das Interesse für den neuen Brennstoff war zu jener Zeit, infolge des enormen Holz- reichtums, noch ein sehr geringes und wurde erst bei dessen Verknappung und dem Auftauchen der Eisen- bzw. Schmelzhütten und Schmieden, die die ersten Abnehmer der Kohlen waren, lang- sam geweckt. Ein Vertrag zwischen der Gräfin Witwe Elisabeth zu Nassau-Saarbrücken und ihrem Lehnsmanne, dem Ritter Friedrich Ereif- fenclau von Vollradt vom Jahre 1430 erwähnt Eisenschmieden und Kohlengruben im „Sinder- tale" bei Neunkirchen. Ein Vertrag vom Jahre 1536 zwischen dem Schultheiß Mathias Degen von Gersheim und dem Grafen Johann Ludwig zu Nassau-Saarbrücken erwähnt Kohlengruben zu Sulzbach. Die bedeutendste der Kohlen- gräbereien in jener Zeit war wohl die zu Sulzbach. Sie war die erste Lieferantin des Pfalzgräflichen Hofes zu Zweibrücken, jeden- falls schon vor dem Jahre 1551; denn in diesem Jahre beschwert sich der Pfalzgraf Wolfgang von Zweibrllcken bei dem Grafen Philipp von Nas- sau-Saarbrücken, daß die Kohlengrube zu Sulz- bach eingefallen sei und bittet, seinen Kohlen- bedarf auf einer anderen Grube decken zu dürfen, ..bis vorgemelte Sultzbacher kolengrub widerumb geräumt und ingericht wirde." Graf Philipp versprach Abhilfe und gab die Versicherung ab, „daß zweifelsohne Ew. Gnaden mit kolen zu Sultzbach noch woll zu helffen sey". Im Jahre 1558 beschwert sich der pfalzgräfliche Hof erneut, diesmal über eine durch die Kohlengräberei Sulz- bach vorgenommene Preiserhöhung für Kohlen. Nach Beilegung des Zwistes bezog die Zwei- brücker Hofhaltung ohne weitere Störungen bis zum Jahre 1595 ihre Kohlen von Sulzbach, von welchem Jahre ab die Grube Wellesweiler an deren Stelle trat, die den pfalzgräflichen, später herzoglichen Hof in Zweibrücken bis zum Beginn der französischen Revolution mit ihren Kohlen belieferte. Erstmalig wird die Kohlengrube Wellesweiler anläßlich eines Tauschvertrages vom 14. April 1575 erwähnt. Nach diesem Vertrage übergab Samuel von St. Jngbrecht (St. Ingbert) seinen Anteil an dem Dorfe Wellesweiler nebst dem zugehörigen „Köllgruberfeld" dem Grafen Albrecht von Nassau-Saarbrücken gegen Ueber- lassung des Hofes Kirchheim an der Vlies. Haßlacher erwähnt, daß gegen Ende des 16. Jahrhunderts auf den Gemarkungen der Gemein- den Wellesweiler und Wiebelskirchen von Eemeindeeingesessenen umfangreiche Kohlengrü- bereien betrieben wurden. Der Betrieb in den Gemarkungen der beiden Gemeinden geschah gemeinschaftlich, die Kohlengräber teilten sich in Arbeit und Einnahmen, wie auch in die Abga- ben an die Landesherrschaft Nassau-Saarbrücken. Von jedem Wagen waren seitens der Kohlen- gröber ein Zoll in der Höhe von 1 Batzen ' (= 4 Kreuzer — 16 Pfennig) an die Herrschaft abzuführen. Die Kohlenlieferungen der Grube Wellesweiler erstreckten sich zu dieser Zeit schon weit in die Rheinpsalz hinein. Nach einem Vertrage vom 9. November 1600 und einem späteren Vertrage vom Jahre 1603 wurde zwischen dem Pfalzgrafen Johann von Zweibrücken und den Erben des verstorbenen Grafen Albrecht von Nassau-Saar- brücken für den Wagen Kohlen ein Preis von 10 Albus (— 80 Pfg.) vereinbart. Die Zwei- brücker Hofhaltung, wie auch die Untertanen bezahlten für den Wagen 13 Albus (— 1,04 Mk.), hatten dafür aber „keinen Wein und Brod" wie vordem in Sulzbach zu zahlen. Am 18. März 1616 wurde zwischen dem Pfalzgrafen von Zwei- brücken und dem Grafen Ludwig von Nassau- Saarbrücken ein Abkommen getroffen, wonach 45