)hrem Toren "frische Rosen, Herr!" Etwas wie Un- geduld fliegt über die scharfgeschnittenen fj/ Eesichtszüge des Mannes, dem die Blu- menoerkäuferin bittend einige Rosen entgegen- hält. Sein ernster Blick streift gleichgültig die überschlanke Gestalt der Frau, ihr weiches, schnee- weißes Haar. Etwas in ihren Augen fesselt ihn; er greift mechanisch in die Tasche und reicht ihr ein größeres Geldstück. „Ich kann nicht herausgeben, Herr!" „Behalten Sie's!" „Vergelts Gott!" Arthur Bogner stellt die Rosen zuhause in eine Vase. Wem sollte er sie auch schenken? Er ist ein- sam und lebt nur seinem Berufe. Angehörige besitzt er nicht mehr, seine Eltern sind tot, seine beiden Brüder im Kriege gefallen. Auch er würde mit den Kameraden in fremder Erde schlafen, hätte ihn nicht sein Bursche, als der Franzmann Leim Rückzug Bomben warf, mit dem eigenen Körper gedeckt. So hatten sie den kraftstrotzenden Sohn der Berge statt seiner in die kühle Erde gebettet. Nichts hatte er in der Brusttasche des Toten gefunden, als das Bild eines Mädels mit kohlschwarzem Haar und eigen- tümlichem, schwermütigem Blick. Vergeblich hat er nach der Frau gesucht. Nun trägt er ihr Bild immer bei sich als Andenken an den Toten und feine treue Kameradschaft. Die Rosen vor ihm duften! Was ist nur heute mit ihm, warum muß er immer wieder an die alte Blumenfrau denken? Oder war sie gar nicht so alt? Können alte Frauen ein so junges Ge- sicht haben; was hat ihn nur so gefesselt, daß er immer wieder an diese Frau denkt? Er hört ihr leises „Vergelts Gott" und sieht in dunkle, schwermütige Augen. . Arthur greift plötzlich in die Vrusttasche nach dem Bilde, das er nun schon so lange Jahre über dem Herzen trägt. Sind das nicht die gleichen Augen, wie die, die ihn heute so dank- bar angesehen haben, oder ist es nur eine Ähnlichkeit. Arthur vergräbt das Gesicht in die Hände. Wie sie schmerzt, die Erinnerung an die Kame- raden. Oft stand er vor den harten Steinen des Kriegerdenkmals, in denen die Namen sei- ner toten Kameraden eingemeißelt waren. Das schwere Leid des Krieges, das Sehnen der Hinterbliebenen, verkörperte dieses Denkmal. Dort bei dem schlafenden Soldaten finden die Vereinsamten den Gatten, den Sohn, den Ge- liebten oder den Bruder wieder und der er- habene Friede, der auf dem Marmorgesichte des Kriegers liegt, schenkt auch den Lebenden eine tiefe Ruhe. Arthur streicht plötzlich liebevoll Von Fritz, (Lrtler über die duftenden Rosen. Morgen in aller Frühe wird er diese Blumen seinen Toten bringen. In die kalten Marmorhände des ruhen- den Kriegers wird er sie legen, denn sie sollen! einen besonderen Zweck haben; über das Warum gibt er sich keine Rechenschaft. * * * Der nächste Morgen ist kalt und nebelig. Bogner bleibt seinem Vorsatz treu. Als er die | wenigen Stufen zur Marmorstatue hinuntei- steigt, stockt sein Fuß. Löste sich nicht auf der entgegengesetzten Seite eine Gestalt aus dem ( Nebel? Dann sieht er vor dem toten Soldaten und greift mechanisch nach den Rosen, die dieser zwischen den Händen hält. Die Blumen sind frisch, und es sind die gleichen Blumen, die auch er am Abend vorher gekauft hat. Es war also schon vor ihm einer hier gewesen! Aus dem dunklen Rot der Blumen leuchtet es weiß: es ist ein zusammengefaltetes Stück Papier, auf dem einige Verse stehen, die Bogner er- schüttert liest: Lautlos die Nacht, nur der Vergwind lebt, ! Um kantigen Fels, der zum Himmel strebt. Liebster! ich fühl es, daß nahe du bist, Geöffnet die Pforte zum Jenseits ist. Aus Urtiefen braust ein Ahnen heraus Seele! wie eng ist dein irdisches Haus! Einmal in Sonnen der Liebe ich sah, Nun ist mir nur noch Erinnerung nah. So zwischen Himmel und Erde ich steh', Fühle der Trennung schneidendes Weh, Menschliches Herz, winzig und klein. Welten der Liebe schließest du ein! Meine Hände sich falten zu stillem Gebet, Deine Stimme durch nächtliches Dunkel geht! Kosend flüstert sie über mir; „Du bist nicht allein, ich bin ja bei dir! ..Und schließt du die Augen zum ewigen Schla! So schläft nur dein Leib, deine Seele ist wach, Sie eilet zu mir nach des Schöpfers Gebot, Befreit und erlöset aus irdischer Not. „Noch gehst du des Lebens steinigen Grat, Blickst angstvoll zu Tiefen des Todes hinab, Doch Sonne der Hoffnung strahlt über dich hi«, Du findest mich wieder, weil unsterblich ich bin!" „Das Gedicht gehört meinem Toten!" Bogne: sieht in dunkle Augen und nimmt die Hände del verhärmten Frau, die vor ihm steht.