ließ man ihn wieder laufen. Doch wehe, wenn er sich weigerte, mitzutun! In diesem Falle bezog er eine Tracht Prügel und durfte froh sein, wenn er nicht halbtot geschlagen wurde. Oft entwickelten die Marokkaner einen recht eigentümlichen Geschmack. Besonoers gern tran- ken sie Ziegenmilch. Wo sie diese herbekamen, das war ihnen völlig gleichgültig. Eine Frau in Lauterbach wunderte sich des öfteren, daß ihre beiden Ziegen an manchen Abenden so wenig Milch gaben. Durch einen Zufall kam sie aus die Lösung dieses Rätsels. Ein findiger Gelber pflegte den Ziegenstall aufzusuchen und sich seine Milch mit dem Munde frisch vom Euter zu zapfen! Honig und Marmelade durfte niemand unver- schlossen stehen lasien, sonst waren sie plötzlich verschwunden. Einen großen Streich spielten die Marokkaner in ihrer Gefräßigkeit einer Bäuerin in Lauterbach. Sie hatte zwei Mann Einquar- tierung in ihrer Scheune liegen. Die Leute be- nahmen sich nicht besser und schlechter als sonst- wo. Abgesehen davon, daß sie des öfteren das Stroh und Heu, das zur Streu und Fütterung des Viehes diente, mit den „Produkten ihn: Trunkenheit" versauten und unbrauchbar niG ten, benahmen sie sich zeitweise merkwürdic ruhig. Von der Scheune, in der die beider Leute nächtigten, führte eine Leiter zur Körnt kammer unmittelbar unter das Dach. Hier bq wahrte die Bäuerin zwei große Töpfe Einlegt eier auf. Wiederholt hörten nun die Bauen leute dort Geräusche, maßen diesem Umstand je» doch keine besondere Bedeutung bei; denn i| einem Bauernhaus sind meistens Mäuse ujcj Als aber im Herbst die Marokkaner fortgezogr! waren, und die Bäuerin zu Beginn des Winten die Einlegeeier verbrauchen wollte, mußte sie? ihrem nicht geringen Schreck feststellen, daß vk den gut 300 eingelegten Eiern keine 30 mef vorhanden waren. So hatten die nächtlich Geräusche aus der Kornkammer eine späte m wenig erfreuliche Aufklärung gefunden, und n« heute wundern sich die Leute darüber, wie iii Marokkaner diese zum Rohtrinken nicht geeigM ten Eier mochten. Aber über Geschmack läßt ft bekanntlich nicht streiten — am allerwenigst^ mit Vertretern einer solchen Raste. Der Bergmannskalender in der Franzosen; eil Bon Dr. H. Baldanf, Piittlim Bei der großen Rolle, die der französischen Grubenverwaltung von Anfang an im Saar- kampf zugeteilt wurde, war es selbstverständlich, daß sie alle Werbemittel ausnutzte, die ihr zur Verfügung standen. Sie übernahm deshalb von der alten preußischen Behörde nicht nur die gesamten technischen Erubeneinrichtungen, sondern nutzte auch alte Sitten und Bräuche für ihre Machen- schaften aus. Mit Konzerten, Grubenfeiern, Be- scherungen und ähnlichen Dingen wollte man Einfluß auf die Bergleute gewinnen. Besonders geeignet schien für diese Werbetätigkeit der alte „Saarbrücker Vergmannskalender", den die neuen Machthaber, ungeachtet seiner Aufgabe und Ver- gangenheit, im Jahre 1920 in ihren Dienst nahmen. Um irgend eine Aussicht zu erhalten, das ge- steckte Ziel zu erreichen, mußten die französischen Herausgeber allerdings Wege gehen, die für den Leser des neuen Bergmannkalenders nur schwer zu erkennen waren. Umso mehr entsprach die ge- wählte Methode den Forderungen der „Penetra- tion pacifique", der friedlichen Durchdringung, wie die Losung der französischen Propaganda nach den anfänglichen Fehlschlägen lautete. Der Kalender warb nicht unmittelbar für Frankreich, enthielt keine politische Forderung und stellte sich auch nicht offen auf die Seite irgendeiner franko- philen Partei oder Gewerkschaft, etwa des Saar- bundes. Man stellte Abhandlungen über Sf französische Geschichte, Kultur, Wirtschaft, Tech und Geographie in den Vordergrund und zvr so stark, daß der Kalender für die Zeit mit em Schrift verglichen werden kann, die irgendein Kolonie für das sie beherrschende Reich giitli: und friedlich begeistern und gewinnen soll. D neuen Herausgeber schlugen bewußt zwei M ein: einerseits mieden sie geflissentlich Da! bietungen deutschen, nationalen oder patriotisch! Inhaltes sowie Aufsätze über deutsche Wirtschch deutsche Technik und Geschichte. Andererseits d- vorzugten sie solche Beiträge, die die franzöW Technik, besonders die Entwicklung des Sac bergbaues unter ihrer Verwaltung, behände! oder große Loblieder auf die Geschichte und Kr lur Frankreichs singen. Reiseschilderungen, 8j schreibungen von Land und Leuten führen (<¡1 immer in den Westen, zeigen die romantisch! Schlösser, Städte und Burgen der Normand oder der Champagne oder behandeln Kolonie gebiete, die unter der Trikolore angeblich gn und reich wurden. v Mit zahlreichen Bildern woll! man dem Leser die dargebotene Speise schm' Hafter und mundgerechter machen. Ganz auf dir ser Linie bewegte sich auch der sehr beträchtlii Anzeigenteil, der zu einem großen Teil vr französischen Firmen bestritten wurde. Fragt man nach der Absicht, die die HeM 116