Die Reichsbahn im Saarland Von größter Wichtigkeit für das Funktionieren der Wirr,cyaft ift der Verkehr. Er hat dafür zu sorgen, dag die einzelnen Lene des grogen Eefuges wircsam ineinander greifen, dag Erzeugung und Verbrauch in das richtige Verhältnis zueinander treten. Lie „Rückgliederung oes Saargebietes" und Wiederemglieoerung der saariän- difchen Wirtschaft in Len großen deut- schen Wirtschastslörper mugte deshalb auch für die Deutsche Reichs- bahn, die nach wie vor das Rück- grat des deutschen Verkehrs darstellt, ein Programm bedeuten. Verbesserung der Verkehrsbeziehungen und der Verkehrsbedienung im Per- sonen- und Güterverkehr, wirksame Hilfeleistung durch Tarifmaßnahmen und schließlich auch Unterstützung der saarländischen Wirtschaft durch ver- mehrte Arbeitsbeschaffung, das waren einige der Aufgaben, die der Lösung harrten. Mit der ihr eigenen Gründ- lichkeit hat sich die Reichsbahn an die Verwirklichung ihres Programms ge- geben, und der Erfolg blieb nicht aus. Vergleicht man den heutigen Per- sonenzugfahrplan der Strecke Trier—Saarbrücken und der beiden großen pfälzischen Linien Saarbrücken —Neustadt und Saarbrücken—Landau mit dem Fahrplan des Jahres 1934, so wird einem erst recht bewußt, wie weit das Saarland während der 15- jährigen Völkerbundsherrschaft infolge der Zollgrenze und der damit zusam- menhängenden Verlängerung der Reise- zeiten vom Mutterland entfernt wor- den war. Uebermäßig große Aufent- halte durch Zoll- und Paßprüfung, schlechte Anschlüsse, mangelhafte Fern- verbindungen! Und heute? Eine ganze von Zügen mit besten Anschlüssen und wagen nach allen Richtungen des Reiches. Es seien nur genannt das Zugpaar Trier—Karls- ruhe über Saarbrücken mit durchgehenden Wagen Trier—München und Trier—Konstanz, die gün- stige Nachtverbindung Saarbrücken—Berlin, das Eilzugpaar auf der Nahebahn, die Nachmittags- verbindung Saarbrücken—Karlsruhe mit Rück- fahrtverbindung am späten Abend, und nicht zuletzt die am 19. August 1935 eingerichtete Eil- triebwagen-Verbindung Saarbrücken—Köln, die die Reisenden trotz gepolsterter 3. Klasse zum Eilzugspreise anstatt in Stunden der Fahr- zeit der D- und Eilzüge in nur etwas mehr als 3% Stunden von Saarbrücken nach Köln befördert. Neben der verbesserten Verkehrsbedienung haben die Saarländer im Vergleich zu früher heute Tarifermäßigungen, die ihnen das Reisen mit der Eisenbahn wesentlich erleich- Ver fährt mit? mit unbekanntem Ziel! Eine der beliebten Reichsbahn fahrten Foto: Reichsbahn Saarbrücken Reihe Kurs- tern: Urlaubskarten, Zehnerkarten, Rundreise- karten, Gesellschaftsfahrten, „Kraft durch Freude"-Fahrten, Ermäßigungen für kinderreiche Familien usw. Besonderen Anklang haben die „Fahrten ins Blaue", die Kaffeefahrten und die zahlreichen anderen billigen Sonderzüge der Reichsbahn gefunden. Im Güterverkehr wurde die Geschwin- digkeit der Eüterzüge erhöht. Mit Erfolg ist auch im Saarland der Kraftwagen in den Schienenverkehr eingegliedert worden, sei es nur als Schienenersatzverkehr, sei es als Ueber- land-, Zubringer- oder Verteilerverkehr. Eine besondere Aufgabe hat die Reichsbahn darin erblickt, dem Saarland die Rückgliederung in den deutschen Wirtschaftskörper durch Ta- rifmaßnahmen zu erleichtern. Nachdem sie durch Uebergangsregelungen die saarländische Wirtschaft vor Erschütterungen bewahrt hat, hat sie zur Erleichterung der Umstellung des Absatzes der Saarwirtschaft nach dem Reich für eine 109