92 Molsheim — Marktplatz. (C’ <31 lustrat ion, Poris.) Jahrzehnte, auf dem Hohwald mit seiner Tochter Suzanne. In der „Uevue politigue et littéraire“ (Politische und literarische Rundschau) jenes Jahres veröffentlichte der Dichter eine entzückende Be- schreibung seines Aufenthaltes und seiner Ausflüge in die Berge. Liest man des Dichters Worte, so findet man, daß sich eigentlich nichts geändert hat. Was Anatole France damals im Jahre 1882 über den Hohwald schrieb, könnte heute ein zeitge- nössischer Dichter geschrieben haben: „Wir setzen uns auf den von Thymian (Quendel) durchwürzten Rasen. Da, vor uns, sehen wir Wolkenfetzen wie Wattebäuschchen an den Bäumen und an den Gipfeln hängen, und die Wolken, die über den Himmel hasten, werfen große, seltsam geformte Schatten über die Wiesen. Leise klingen irgend- woher die Glöckchen weidender Kühe. Unendlicher Friede umfängt das blühende Land. Alles schläft, lacht oder singt. Am strahlenden Himmel zieht ein Geier einsame Kreise, fast ohne die Flügel zu bewegen . . . Für Suzanne war eigentlich der Name des Hohwaldes anders. Für sie war der Hohwald: Die Offenbarung der Blume. So mystisch dieser Name auch klingen mag, so ist es doch vollständig zutreffend. Suzanne, die seit den 18 Monaten ihres Erdenwandelns nur in das Bois de Boulogne (größter Pariser Park) kam, wußte kaum etwas von der Blume. Hier auf dem Hohwald lernte Suzanne die Blumen lieben und zu Sträußchen binden . . ." Der Weltkrieg trug den Lärm der Schlacht auch in dieses idyllische Stückchen Erde und das Krachen der Schüsse fand an den Bergen tausendfaches Echo. Heute ist der Hohwald wieder ein lachendes und friedliches Bogesennestchen geworden. Und heute noch kom- men alljährlich von nah und fern die Gäste, die diesen gottbegnadeten Hohwald kennen und lieben gelernt haben. So kam seit 1923 der Marschall Joffre jedes Jahr zur Erholung hierher. In der Billa Caftelnau schrieb Frankreichs berühmter Stratege einen großen Teil seiner „Erinnerungen". Ganz besonders aber liebte er es, einfach und schlicht durch die domhohen, schweigenden Wälder zu strei- fen. Er, der große Schweiger, wie man ihn nannte, liebte diese abgründige, wohltuende Stille. Vom Hohwald steigt die Straße in bedächtigen Serpentinen hinauf zum Odilienberg mit dem be- rühmten Bergkloster und der geheimnisvollen Hei-