97 Burg Lichtenberg (früherer (Zustand). ihres früheren Beginnens und Treibens, sich von selbst her- stellen, und überall auf gehörige Meise erhalten werde. Sehr leid aber würde es Uns darum thun, bei sich wider Unser Verhoffen und Erwarten er- neuernden Unordnungen und Ge- setzwidrigkeiten die Widerspen- stigen durch gesetzliche Straf- mittel zur Erhaltung des An- sehens der Gesetze hinführen und auf diese Weise eine Pflicht er- füllen zu müssen, der Wir Uns dann auf keine Weife würden überheben können) wozu Wir aber auch für den angedeuteten Fall Uns zu entschließen keinen weitern Anstand finden werden". Am 12. Januar erfolgte dann die Entscheidung des koburgischen Zuchtpolizeigerichts, welches der comm. Landgerichtsdirektor, Kgl. Preuß. Appellationsgerichtsrat Madihn präsidierte. Es wurden 1) die Herren Schue, Pfarrer Juch und Sauer, sämmtlich Lehrer am hiesigen Lyceum, und der Wirth Peter Keller, der Theilnahme an verbotenen Vereinen beschuldigt, freigesprochen. 2) Die Bürger Collissi, Näher, Schaad, Bolz, Joseph Heyl, Kiefer Greif und Lithard, sämmtlich der Rebellion bei Niederlegung des Freiheitsbaumes beschuldigt, wegen Complotirung von mehr als 20 Personen, aufs neue vor den Untersuchungs- richter verwiesen) Lehrer Bergmüller und Geometer Schmoll freigesprochen. 3) Wegen Beleidigung der Regierung, in Bezug auf ihre Amtsverrichtungen, wurden verurtheilt: Advokat Hallauer zu zwei Jahren Ge- fängniß, Klein zu einem Monat, Notar Hen zu einem Monat, Lehrer Sauer, Conrector Juch und Notar Ludwig Bonnet (seit 16. Juni 1830 Stadtrath) freigesprochen. 4) Wegen Verbreitung verbotener Druckschriften belegte man den Advokat Hallauer, Sauer und Fischer (von Erumbach) mit einer Gefängnißstrase von 3 Monaten, einer Geldstrafe von 50 fl. und dem Verluste der staatsbürgerlichen Rechte während 5 Jahren. Juch, Linxweiler und Eraeckmann (von Erumbach) wurden freigesprochen. 5) Freigesprochen wurden Adv. Hallauer, Juch, Sauer, Bonnet, Flek, Rupp, Colissi, Schaadt, Kiefer, Handel, sämmtlich des Tragens von dreifarbigen Eocarden und Abzeichen beschuldigt. 6) Zu 3 Monat Gefängniß verurtheilt wurde rc. Juch, wegen Versuch von Aufreizung in seinen Predigten. 7) Wegen Beleidigung eines Wachtmeisters wurden Bolz und Greif zu 8 Tagen Gefängniß ver- urtheilt. 8) Carl C e t t o / Hen, Advocat Hallauer, Nie. Hallauer, Saure Schus, Michel Tholey, wegen Ein- reichung einer Beschwerdeschrift um Abstellung an- geblicher Mißbräuche rc. (derselben welche wir kennen gelernt haben), sowie wegen Theilnahme an verbotenen Vereinen, vor Gericht gestellt, wurden freigesprochen. Der Lehrer Merz, welcher im Sommer 1832 die Jugend von Oberkirchen aufgewiegelt hatte rc., wurde vor die Assisen verwiesen, welche am 15. Januar 1833 eröffnet wurden, und von diesen verurtheilt. Advocat Hallauer, gegen welchen außerdem noch eine Untersuchung wegen seiner in Hambach ge- haltenen Rede eingeleitet war, wurde, auf Grund des Gesetzes vom 10. Dezember 1810, Art. 25 u. 40. wegen Disciplinar- und anderer Vergehen, durch Rescript vom 26. Juli 1833 von der Advocatenliste gestrichen, und floh, vor Abbüßung seiner Gefängniß- strafe, im August 1833 nach Frankreich, wo er sich in Metz bleibend niederließ. Der Herzog, durch die Vorgänge in St. Wendel sehr unangenehm berührt, nahm Veranlassung, sich des von seinen Erbstaaten weit entfernten,' jetzt ohnehin unruhigen und unzufriedenen Fürstenthums zu entledigen, was er auch um so eher thun konnte, als ihm in der Wiener Eongreß Acte ein event. Austausch dieses Landes vorbehalten war. Nach längeren Verhandlungen trat Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha, mittels Staatsoertrag vom 31. Mai 1834, das Fürstenthum Lichtenberg gegen eine Jahresrente von 80,000 Thaler an den König von Preußen ab, mit allen Eigenthums- und Hoheitsrechten. Durch Patent vom 15. August 1834 nahm der König von Preußen Besitz von den unter dem Namen eines Fürstenthums Lichtenberg bisher ver- einigt gewesenen Landen, und einverleibte dieselben seinen Staaten mit allen Rechten der Landeshoheit und Oberherrlichkeit.