79 form" war auch damals nur ein Festschmuck Aber wir wollen nicht vergessen, datz der Mann, der damals die Erzählungen des Bergmannskalenders schrieb, im Gegensatz zu den mehr gut gemeinten als gelungenen Bildern doch recht häufig seine Motive wirklich aus dem Bergmannsstande holte, und datz er das auch wohl sehr gut konnte und dem Veramannsleben durchaus Verständnis entgegen- brachte. Denn es war ein Mann, der in unserem Lande lebte und wirkte, eine als Lehrer wie als Mensch gleich ausgezeichnete, bei seinen Mitbürgern mit Recht angesehene und überaus volkstümliche Persönlichkeit: Wilhelm Fischer. Der war damals Rektor der höheren Bürgerschule in Ottweiler. Herr Mittelschullehrer Friedrich Maraardt in Saarbrücken hat im letzten Jahre eine Studie über ihn veröffentlicht*), der wir folgendes entnehmen: „Wilhelm Fischer wurde am 28. Februar 1833 in Wermelskirchen im Bergischen geboren. Weil seine Eltern arm waren, mutzte er die höhere Schule schon mit dem fünfzehnten Lebensjahr verlassen und sich sein Brot selbst verdienen. Fischer war mit zwölf Jahren zum ersten Mal gedruckt worden. Lewin Schücking (damals bekannter Romanschrift- steller und einflußreicher Feuilleton-Redakteur der „Kölnischen Zeitung") wurde auf den begabten jungen Menschen aufmerksam. Seine und einiger Freunde Hilfe machte es ihm möglich, im Jahre 1851 als 18jähriger wieder das Gymnasium (in Köln) zu besuchen. 1856 kam er auf die Universität Bonn, um klassische Philologie zu studieren. Die Mittel zum Studium erwarb Fischer sich durch fortgesetzte Tätigkeit als Hauslehrer in begüterten Familien in Bonn, Köln, Lennep und Amsterdam. Weil er immer wieder gezwungen war, wegen Geldmangels sein Studium zu unterbrechen, konnte er erst 1863 den Doktorgrad erwerben. 1865 be- stand et sein Staatsexamen und wurde Rektor in Ottweiler, die letzten fünf Jahre seiner dortigen Tätigkeit auch Lokalschulinspektor. Wegen eines schlimmen Augenleidens mutzte er als 49jähriger seine öffentliche Tätigkeit bereits aufgeben. Er zog sich zuerst nach Bückeburg, dann nach Ober- kassel zurück. Im Jahre 1916, am 5. Avril, ist er gestorben. Er war zuletzt fast ganz erblindet. Von Wilhelm Fischer sind im Laufe der Jahre etwa 25 Bändchen Erzählungen erschienen, die eine Auflage bis zu 20 000 und mehr erreichten. Dazu kam seine dauernde Mitarbeit an vielen Zeitungen (namentlich auch der „Kölnischen") und am Bergmannsfreund. Den literarischen Teil des Bergmannskalenders bestritt er bis in die Mitte der neunziger Jahre vollständig. Dann erst tauchen neben ihm auch andere Autoren auf." In seinen Erzählungen war Fischer ein Kind seiner Zeit: es waren einfache Geschichten be- lehrender Art: alle hatten ihre tiefe Moral. Sein Stil und seine ganze Art und Weise war volks- tümlich: mit Recht hatte er sich den großen deutschen Kalendermann, Peter Hebel, zum Vorbild genommen. Wir bringen an einigen Stellen unseres dies- jährigen Kalenders einige Aussprüche und Verse von ihm, die von seiner Lebenserfahrung und Lebensweisheit Probe geben. — In Ottweiler war er allgemein verehrt, und bei den Kindern, die auf der Straße immer um ihn waren, außer- ordentlich beliebt. Auch seine ehemaligen Schüler blieben ihm sein ganzes Leben treu. Gar viele kamen aus allen Teilen Deutschlands zu seinem 75. und 80. Geburtstag zusammen, ihn zu feiern. Und diese Liebe und Verehrung hat er durchaus verdient, denn er war ohne Zweifel nicht nur als Mensch, sondern auch als Schriftsteller wertvoller wie viele seiner späteren Konkurrenten in unserem Kalender. Und deshalb möchte auch der Kalender- mann das Andenken dieses seines Vorgängers heute besonders hier ehren! — Sonst war, wie gesagt, nicht viel in den Kalen- dern enthalten. Was heute mit seinen Wert aus- macht. die statistischen Tabellen, die Personalnach- weisungen, fehlen in den ersten Jahren noch voll- ständig. Von den sonstigen belehrenden Aufsätzen aus den Gebieten der Technik und des allgemeinen Wisiens oder der schönen Künste überhaupt nicht zu reden. Lediglich das ist zu erwähnen, datz die Jahrgänge 1874 und 1875 eine kurze Darstellung der „Geschichtlichen Entwicklung des Saarbrücker Steinkohlenbergbaues" enthalten. Ihr Autor ist im Kalender zwar nicht genannt, es handelt sich aber um den späteren Geh. Vergrat Hatzlacher, der hernach das Thema ausführlich in seinem bekannten Werke behandelt hat. Im Jahre 1897 ging der „Bergmannsfreund", der 2ch hob' dir schönsten Blumen zu einem Slrauhe gesucht. *) <3n der Zeitschrift „Unsere Saar", Verlag Hausen, Saarlouis. Probeabbildung zu einer Erzählung in einem alteu Bergmannslralender.