76 lich aber siegte doch der besonders auf Malstatt- Burbacher Seite vorhandene Wille zum Fort- schritt. — Die Brücke selbst ist ganz in Eisen konstruiert, und ruht auf drei mächtigen gemauerten Pfeilern, von denen im Gegensatz zu den bisher vorhandenen Brücken jedoch keiner mehr im Flußbett steht. Die Baukosten betrugen rd. 400.000 Mark. — Auf der Saarbrücker Seite erheben sich zu beiden Seiten des Brückenkopfs zwei vollkommen gleichartige aus roten Ziegeln erbaute und mit einem Türmchen versehene Häuser. In einem derselben wohnte früher der Vrückenwärter, der in den ersten Jahren nach Erbauung noch Brückengeld erhob. — Später wurde über diese Brücke die elektrische Straßen- bahn von Saarbrücken nach Malstatt-Burbach ge- führt. Der gesteigerte Verkehr, namentlich seit der Vorherrschaft des Automobils, ließen dann vor einigen Jahren die drei gemauerten Pfeiler den an sie gestellten Anforderungen nicht mehr ge- wachsen erscheinen, so daß man sie mit Eisenbeton- pylonen unterstützen mußte. Zehn weitere Jahre waren seit Errichtung der Kaiser-Wilhelm-Vrücke ins Land gegangen^ als Malstatt-Vurbach, das schon um die Jahrhundert- wende die beiden alten Städte (trotzdem Saar- brücken 1897 St. Arnual eingemeindet hatte) an Einwohnerzahl bedeutend übertraf, sich flußabwärts so ausgedehnt hatte, daß eine weitere Verbindung zur linken Saarseite nötig wurde. So entstand dann in den Jahren 1904 bis 06 unterhalb der alten Cisenbahnbrücke, deren Gehsteige dem Verkehr ja nicht gewachsen sein konnten, die Burbacher Brücke, die von dem damaligen Ausgang Bur- bachs hinüberführt nach Gersweiler. Auch diese eiserne Brücke ruht auf gemauerten Pfeilern, je einer auf beiden Ufern. Auch hier finden wir auf der linken Saarseite das Haus des früheren Brllckengelderhebers. Die sechste der Saarbrücken wurde zum Sinnbild der endlich 1909 nach vierjährigen harten Kämpfen zu Stande gekommenen Städtevereinigung. Die Kaiser-Friedrich-Vrücke hat mit fast 82 m die größte Spannung aller Saarbrücken. Die eigentlichen Tragwerke, die großen Sichelbogen, mußten bei ihr mit Rücksicht auf etwaige Hoch- wasserstörungen, die auch auf der Saarbrücker Seite die Höhenlage des Brückenkopfs bedingte, über die Fahrdecke gelegt werden: sie stützen sich mit ihren Spitzen auf die großen Widerlager aus Beton: an diesen Vogen hängen dann die Geh- und Fahr- bahnen.. Die für Fuhrwerke nutzbare Breite ist rd. 9 m': die etwas über 3 m breiten Laufstege für Fußgänger sind außerhalb des Tragwerks an- geordnet. Die höchste Höhe über dem Saarstau be- trägt 6,50 m, die größte Trägerhöhe 13,85 m. Die Brücke ist ein Werk der heimischen Firma B. Seibert. Die Baukosten betrugen 375 000 Mark, wozu für Offenlegung und Anlage der Zufuhr- straßen noch weitere 400 000 Mark kamen. Nunmehr, da die drei Saarstädte vereinigt und die widerstrebenden Einzelinteressen ausgeschaltet waren, machte die Entwicklung der neuen Groß- stadt rasche Fortschritte. Namentlich geschah dies saaraufwärts, wo einerseits das Stadenviertel neu entstand, andererseits die Abhänge des Winter- bergs und die Fluren St. Arnuals der Bebauung erschlossen wurden. Somit erwies sich bald der Bau einer weiteren Verbindung über die Saar gerade hier als unumgänglich, so daß man schon drei Jahre später zum Bau der siebenten, in ihren Formen und vor allem im Material modernsten Saarbrücke schritt: der „Bismarckbrücke". Dieselbe wurde 1915 vollendet. Sie ist ausgeführt in Eisenbeton mit Hausteinverblendung in rotem Sandstein, und hat fünf ungleichgrotze Bogen, von denen der zweite, von St. Johann aus gezählt, allein die Saar überspannt, so daß auch hier wieder das Prinzip, den Wasserspiegel frei zu halten, wie schon bei den letzten vorhergehenden Brückenbauten erfüllt ist. — Dabei ist die Fahr- bahn der neuen Brücke nach dem Beispiel der Kaiser-Friedrich-Vrücke so breit gehalten, daß außer den zwei Straßenbahngleisen noch Platz für sich kreuzende Fuhrwerke verbleibt. Die Baukosten be- trugen 480 000 Mark. Allerdings hat sich diese Voraussicht auch als notwendig erwiesen, da der Verkehr über die neue Brücke von Tag zu Tag stärker wurde, so daß — vielleicht spricht dabei die Zeit ihrer Fertigstellung im Kriege mit — schon Risse und sonstige Schäden an dem stolzen Bauwerk festgestellt werden mußten. Hoffen wir, daß die im vorletzten Jahre vor- genommenen Reparaturen diese völlig beseitigt haben und der Vismarckbrücke ein eoensolanges Leben beschieden sei wie ihren Schwestern. Hatte nun schon die Bismarckbrücke den Weg zu den Gegenden gezeigt, wo Saarbrückens Zukunft lag, so hat die Entwicklung der Nachkriegszeit diese Weisung für die jetzt zur Hauptstadt des Saar- gebiets gewordene Großstadt wohl befolgt. Rechts wie links sind flußaufwärts ganze Stadtviertel neu entstanden, und so erscheint, namentlich seitdem der Flughafen dem altehrwürdigen Boden St. Ar- nuals modernen Glanz verleiht, die Errichtung einer weiteren achten Brücke wohl nur noch eine Frage kurzer Zeit. Bereits hat man Projekte gemacht, und so werden wir auch bald an der Stelle etwa, wo dereinst die alte Römer- brücke, der die Saarhauptstadt ihren Namen ver- dankt. in den Fluten der Saar versunken, wiederum auf stolzem Brückenbogen den Fluß überschreiten können. Spruch. Cal} JVeid und dlihgunst sieb verzehren, Das Gute werden sie nickt wehren. Denn, Gott fei Dank! es ist ein alter Krauck: Soweit die Sonne sckeint, Soweit erwärmt sie auck. Goetke.