136 Rom: Villa Medici. mittags schon sein Wächterhorn mit und den zierlichen Steinhägerkrug, den er als sein liebstes und teuerstes Besitztum einmal Hans Peter vermachen wollte, und blieb gleich da bis zum ersten Rundgang abends um zehn. Der Regen warf ganze Arme voll klatschender, nei- discher Regentropfen gegen das Fenster, und drinnen beim knisternden Feuer erzählten sie sich Geschichten. Ter Hans spielte mit diesem und jenem und blieb endlich bei einer Reihe funkelnagelneuer, glänzender Stiefelknöpfe. Er steckte sie abwechselnd in den Mund, die Tasche und in die Nasenlöcher und schließlich blieb er bei den Nasenlöchern. Die beiden Alten merkten nichts, denn sie redeten über Politik. Nachtwächter Möller war zwar im Grunde harmlos wie ein Zaun- könig, aber er konnte über gewisse Dinge krakeelen wie eine ausge- wachsene Krähe. Da blieb Hans Peter sich selbst überlassen. Nachdem er länger die Sache mit beiden Nasenlöchern versucht hatte, begnügte er sich schließlich mit dem rechten allein, und ver- suchte den glänzenden Knopf mög- lichst hoch hinaufzuziehen. Blies man dann heftig dagegen, so kol- lerte das Ding heraus bis mitten in die Stube. Eine feine Sache! Aber wie* jedes seine Mucken hat, so ging es auch mit einem Knopf: er blieb stecken. Hans Peter schnaufte und schnaufte, und Nachtwächter Möl- ler hieb auf den Schustertisch, denn sie waren bei den viel zu hohen Schweinefleischpreisen angelangt. Doch dem Hans wurde die Sache zu grün. Der Knopf ging immer nur höher hinauf. Diesmal schrie er nicht, sondern sagte nur das eine Wort: „Knopf!" Kaspar Peter sprang wie von einer Tarantel ge- stochen in die Höhe. Aber dem Knopf war nicht mehr beizukommen. Nachtwächter Möller zitterte förmlich an Armen und Händen vor lauter Sorge, und selbst Frau Lene war ratlos. Dem Hans aber kamen die Tränen nun doch, denn das Ding tat scheußlich weh. „Dunnerkiel", brummte Nachtwächter Möller, und er suchte zerstreut seinen Steinhäger „da muß ich zum Doktor 'nüber!" In der Aufregung aber griff er daneben und langte den kleinen Krug mit der Momentschwärze her, sah traurig zum Hans hin- iiber und setzte zur eiligen Stär- kung an. Eine Sekunde, dann prustete Nachtwächter Möller wie ein Bär, der Seifenlauge gekriegt hat, und stand da, über und über voll von der beißenden Blitz- schwärze, die Schuster Kaspar für seine farbigen Stiefel sonst brauchte. Hans Peter aber mußte sich unter Tränen und Schmerzen vor Lachen schütteln, daß mit einem furchtbaren Genieße der dumme Knopf weit in die Stube flog. Da versuchte Hannes Möller eine geschlagene Stunde lang mit grüner Seife fein Gesicht wieder rein zu kriegen. Und Schuster Kaspar behütete fürderhin seine Knöpfe, wie die Groschen im Geldsack. Rom: Palazzo Farnese.