25 Von Hermann Müller-Bohn. Als Ernst Moritz Arndt im Jahre 1813 Geschicke und Ereignisse zwischen den mächtigen noch von den Schlachtfeldern Leipzigs aus seine und eroberungssüchtigen Franzosen und der bemhmte Flugschrift: „Der Rhein, Deutsch lands Strom, nicht Deutschlands Grenze" in die Welt hinausfliegen ließ, da hallte dieser flammende Mahnruf von einem Ende Deutsch- lands bis zum an- deren, da ging es wie ein Jauchzen durch Die deutsche Volksseele. Frei- lich, es gab in jener Stunde noch viel zu tun, ehe des alten „getreuen Eckart" Mahnruf zurWahr- heit werden sollte. Zwar der gewaltige Koiffe war geschla- gen, aber wie ein verwundeter Leu, der «och den größten Teil seiner Kraft be- halten, zog er sich zurück zu den Ufern des Rheins, ab und zu innehaltend und den nachfolgenden Gegnern die gewal- tige Pranke zeigend. Mer hinter ihm folg- te, stets drängend und wetternd, der alte „Marschall Vorwärts", das Urbild deutscher Kraft und deutscher Zähigkeit. Es war der Höhepunkt in Blüchers Leben, als er in der Neujahrsnacht 1814 über den Rhein ging. Hell aus jauchzten seine Krieger, als sie den heiligen Strom erblickten. Zu groß war der Jubel, nach langer, langer Knechtschaft jenseits des Rheins den Fuß wieder aus deutsches Land zu setzen. Was hatten die Lande am Rhein nicht alles erlebt im Wechsel der Zeiten. Bei der Schwäche und Ohnmacht des alten Deutschen Reiches waren sie immer ein Spielball der Justus von Grüner, erster Generalgouverneur der Rheinlande 1814. schwankenden Politik der deutschen Reichsfürsten gewesen. Und dennoch war das Herz ihrer Bewohner treudeutsch gesinnt geblieben, hatte immer dem alten deutschen Vaterlande gegol- ten, auch in der schlimmsten Zeit der französischen Herr- schaft. Namentlich in den alten deut- schen Reichsstädten war die Anhäng- lichkeit an die alte deutsche Verfassung, so viele Mängel sie auch zeigte, so stark entwickelt, daß selbst mannigfache Vor- teile, die die fran- zösische Invasion gebracht, sie nicht von ihrer Anhäng- lichkeit abbringen konnte. Der Friede zu Luneville, 1801, der das gesamte Ge- biet links vom Rhein zu Frank- reich brachte, schien die letzten Hoffnungen der Be- wohner zu vernich- ten. Daß es so hatte kommen kön- nen, lag an der Zer- klüftung und Ohn- macht des alten schwachen deutschen Reiches, das noch zur Zeit dieses Friedens über 100 reichsunmittelbare Territorien zählte. Erst der Wiener Kongreß 1814 brachte eine vollständige Wandlung der Dinge. Nicht nur, daß die alten rheinischen Lande Geldern, Mörs und ein Teil von Kleve, welche schon seit 1609 zu diesem Reiche gehört hatten, an Preußen zurückfielen, es erhielt außerdem zu dauernden, Besitz eine Reihe blühender Gebiete zu beiden Ufern des Rheins, die Herzogtümer Jülich und