108 sich eine enorme Produktion. In dem kurzen Zeit- raum von 472 Jahrzehnten hat seitdem Südafrika die gewaltige Menge von 400 Zentnern Diamanten im Werte von 2000 Millionen Mark gefördert. Der Abbau der Diamanten in Südafrika erfolgt durch einen regelrechten bergmännischen Betrieb mit Hilfe von Schrchtanlagen. Der dmmantführende Blau- grund wird mit Fördermaschinen zutage gebracht und auf tausenden von Hektaren umfassenden Flächen aus- gebreitet, damit er in kurzer Zeit zerfällt, oder er wird direkt auf mechanischem Wege zerkleinert. Der so ver- breitete Blaugrund wird dann in geeigneten Wasch- maschinen weiter verarbeitet, wobei durch reichliche Wasserspülung eine vollkommene Trennung der Dia- manten von dem tauben Gestein erzielt wird. Da es für die Arbeiter in den Minen leicht ist, Diamanten zu beseitigen, bestehen in Südafrika sehr strenge gesetzliche Vorschriften. Wer im Besitz von ungeschliffenen Diamanten betroffen wird, ohne sich durch eine behördliche Bescheinigung über die Herkunft ausweisen zu können, wird mit Zuchthaus bestraft. Ein beliebter Negerkniff ist es, kurz vor ihrer Ent- j lassung beiseite ge- schaffte Diamanten zu verschlucken. Sie werden deshalb alle einer Rizinusölkur unterworfen, ehe sie die Gruben verlassen dürfen, und dabei werden oft beträcht- liche Vermögen zu- tage gefördert. Die Untersuchung und Ausbeutung der Diamantfelder in Deutsch-Südwest-^ i asrika hat bisher ein weit erfreulicheres Resultat ergeben, als man nach den ersten Nachrichten anneh- men zu dürfen glaubte. Die Geburtsstätte der Diamantengewinnung in Südwestafrika ist Kolmanskop, 17 Kilometer von Lüderitzbucht entfernt, auf der Strecke nach Keetmans- hoop. Inzwischen sind aber diese wertvollen Edelsteine außer in der Gegend von Luderitzbucht auch an ent- fernteren Küstenplätzen, an der Spencer Bai, bei Sandwichhafen usw. gefunden worden, und man kann nicht wissen, ob nicht noch mehr und reichere Funde gemacht werden. Hoffen wir das Beste. Wo die deutschen Diamanten herkommen, hat man noch nicht feststellen können. Die Werkstatt, in der die Natur den König der Edelsteine herstellt, hat man noch nicht aufgefunden. Die meisten Kenner vertreten die Ansicht, die Dia- manten voll Lüderitzbucht entstammten ebenso wie die südafrikanischen dem Blaugrund, und die gewaltigen Sandstürme, die in der Namib aus Süden toben, hätten die Steine im Laufe der Jahrhunderte auf den jetzt aufgefundenen Lagerstätten mit den anderen kleinen Steinchen zusammengeweht. Manche meinen, daß die Ursprungsstelle der Steine im Meere in der Gegend der Elisabethbai südlich von Lüderitzbucht liegt, daß sie durch die Wellen ans Land gespült und durch den Wind landeinwärts getrieben worden sind. Andere wiederum glauben, daß sich in früherer Zeit über den jetzigen Fundstellen Gesteinsrücken oder Hügel, worin die Diamanten eingeschlossen waren, erhoben hätten. Die Verwitterung habe das Gestein dann zerstört und die Diamanten seien liegen geblieben. Gegen diese und all die verschiedenen anderen Erklärungsversuche, die mau angestellt hat, lassen sich nach den Äußerungen der Sachvergändigen Einwendungen erheben. Dre wichtigste Frage, die sich über den Diamant- funden in unserem südwestafrikanischen Schutzgebiet erhebt, ist die: Welcher Art ist dieses Vorkommen und wie groß ist der vorhandene Vorrat? Nach den Mitteilungen der Sachverständigen und Forscher kann leider weder nach der einen noch nach der anderen Seite eine positive Antwort gegeben wer- den. Diamanten sind bekanntlich, wie bereits erwähnt, mineralogisch gesprochen, kristallisierter Kohlenstoff. Soviel man bis jetzt weiß, finden sich b;efe Kohlen- stoffkristalle in ihrer ursprünglichen Lagerung fast stets im Zusammenhange mit gewissen vulkanischen Gesteins- arten, meist mit dem sogenannten Blaugrund, der an verschiedenen Stellen Südafrikas kraterartige oder gang- und röhrenförmige Hohlräume in dem um- gebenden Gestein ausfüllt. Aus sol- chem Blaugrund werden durch berg- männischen Abbau auch die Steine von Kimberley und Pretoria gewonnen. Blaugrund findet sich nicht nur auf englischem, sondern auch auf deutschem Gebiet, doch haben die Untersuchungen bisher kein positives Ergebnis gehabt. Die eigentlichen Ursprungsstellen unserer südwestafri- kanisch nt Diaman- ten sind daher noch immer vollständig rätselhaft; trotz eifrigen Suchens ist es bisher nicht gelungen, weder anstehendes Gestein, aus der die Steine stammen könnten, noch auch die sonstigen so charakteristischen Begleitmineralien zu fin- den. die mit den Diamanten zusammen im Blaugrund vorkommen. Blaugrund ist im Hinterlandtz von Lüderitz- bucht allerdings gefunden worden, was es aber damit für eine Bewandtnis hat, bleibt abzuwarten. Die tägliche Produktion an Diamanten in unserem südwestafrikanischen Schutzgebiete betrug anfangs des Jahres 1609 bereits 600 Karat, obgleich erst ein Teil der bereits verliehenen Diamantfelder produ- zierte. Bei 300 Arbeitstagen bedeutet das immerhin schon eine Jahresbeute von rund 200000 Karat. Die Sachverständigen glauben, daß dieselbe mit Sicherheit auf 300000, wenn nicht auf 500000 steigen wird. Gegenwärtig dürfte die tägliche Ausbeute schon 1000 bis 1500 Karat überschritten daben. Als die ersten Nachrichten über den Fund von Diamanten bei Lüderitzbucht nach Deutschland gelang- ten, hielt man sich darüber auf, daß die Steine so klein seien. Die meisten bisher gefundenen Tramanten haben ein Gewicht von V5 bis V3 Karat, also etwa die Größe von Hirsekörnern bis ganz kleinen Pfeffer- körnern. Im Juweliergewerbe kommen aber noch Arbeiter am Schüttelsieb.