107 kommen sein dürfte, etwas Näheres über den Diamanten und seine Fundstätten zu erfahren. Der Diamant — chemisch ein Kohlenstoff — ist unter allen Edelsteinen der wichtigste, wenn auch keineswegs der wertvollste. Was ihn aber vor allen anderen Edel- steinen in erster Linie auszeichnet, ist seine große Härte, sein hohes Brechungs- und Lichtzerstreuungsvermögen, dem er sein prächtiges Farbenspiel und seinen Glanz verdankt, und endlich seine Reinheit und verhältnis- mäßige Größe, in der er im Gegensatz zu anderen Edelsteinen wie Smaragd, Rubinen und Saphir ge- funden wird. Wegen seiner großen Härte findet der Diamant nicht nur Verwendung als Schmuckstein, sondern wird auch vielfach in der Technik gebraucht. Der großen Härte verdankt der Diamant auch seinen Namen, der vom griechischen „adamas", der „Unbezwingliche", ab- geleitet wurde. Die Reinheit und Durchsichtigkeit ist für den Wert der Diamanten zunächst bestimmend. Im allgemeinen stellt man fich unter einem Diamanten einen farblosen, klaren und durchsich- tigen Stein vor. Dem ist nun durchaus nicht so, denn nur etwa ein Viertel aller gefun- denen Diamanten hat diese Eigenschaft, wäh- rend ein anderes Viertel schwach und die übrige Hälfte mehr oder we- niger lebhaft gefärbt ist. Abgesehen von einigen ausgezeichneten grünen, dunkelblauen und blutroten Exem- plaren, die aber nur selten in den Handcl kommen und meist in den Händen der Minen- besitzer bleiben, sind die „blauweißen", wie sie in Brasilien und In- dien vorkommen, die wertvollsten. Die Kap- diamanten haben häufig einen Stich ins Gelbe. Abgesehen von der Reinheit und der Farbe ist auch die Größe der Diamanten für ihren Wert von Be- deutung. Das Einheitsgewicht, nach dem die Edel- steine gehandelt werden, ist das Karat — 0,205 Gramm. Kostet nun 1 Karat eines Diamanten z. B. 500 Mark, so soften 2 Karat von derselben Qualität nicht etwa 1000 Mark, wie man annehmen sollte, sondern etwa 2000 Mark. Bei größeren Gewichten ist dann der Unterschied noch beträchtlicher. Begründet ist diese sprunghafte Preissteigerung dadurch, daß für einen Edelstein ein Gewicht von über 1 Karat immerhin noch die Norm ist. Der größte bislang überhaupt gefundene Diamant ist in englischem Besitz. Er wurde am 26. Januar 1905 20 Meilen nordwestlich von Pretoria entdeckt. Sein Rohgewicht betrug 3024^4 Karat — 620 Gramm, seine Länge 112 mm, die Höhe 65 mm und die Breite 51 mm. Seinen Wert schätzte man auf 10000000 Mark, er wurde aber für 3000000 Mark von der südafrikanischen Regierung angekauft und als Beweis ihrer „Loyalität" König Eduard von England als Geburtstagsgeschenk am 9. November 1907 überreicht. Was die Kunst des Schleifens anbelangt, so ist diese schon recht alt. Zuerst dürfte sie in Indien aus- geübt worden sein. Erst verhältnismäßig spät kam sie nach Europa. Die Diamantschleiferei wird haupt- sächlich in Amsterdam und Antwerpen ausgeführt; in Deutschland in Idar und Hanau. Idar schleift aus eigene Rechnung, und die von dort kommenden Edel- steine erfreuen sich wegen ihres vorzüglichen Schliffes eines guten Rufes. Wegen seiner außerordentlichen tärte kann der Diamant nur mit seinem eigenen ulver geschliffen werden. Daß die Kunst des Diamantschleifens gerade in Indien ihren Anfang nahm, kann nicht überraschen; stammen doch auch die ältesten Diamantfunde, die gleichzeitig die schönsten und berühmtesten Steine liefer- ten, aus diesem Wunderlande. Bis zum 18. Jahr- hundert versorgte Indien die ganze Welt mit Dia- manten, heute ist die Produktion kaum noch nennens- wert. Der Diamantüberfluß in Indien war so groß, daß die Edelsteine vielfach zur Ausschmückung der alten Götzenbilder benutzt wurden. Ebenso wie Indien hat auch Borneo in früheren Zeiten be- trächtliche Mengen des Edelsteins hergegeben. In den letzten Jahr- zehnten jedoch ist die Produktion sehr zurück- gegangen. Nächst den indischen Fundstätten sind die brasilianischen Dia- mantvorkommen die ältesten. Sie wurden im Jahre 1728 von Goldsuchern entdeckt. Am ergibigsten ist heute die Provinz Bahia. Ebenso wie die in- dischen gehören auch jetzt noch die brasiliani- schen Steine zu den besten. Vom Beginn der Produktion bis zum Jahre 1850 sind etwa 10000000 Karat, das sind 44 Zentner im Werte von über 300 Millionen Mark erbeutet worden. Für die letzten 50 Jahre wird der Ertrag auf weitere 200 Millionen Mark geschätzt. Die Diamantfunde in Australien, China und Nord- amerika sind für den Welthandel belanglos. An der Spitze marschiert jetzt Südafrika, das °/io des ganzen Welthandels an Diamanten deckt. Der erste südafrikanische Diamantfund fällt in das Jahr 1867. Ein Händler erhielt ihn von einem Bur, der von seinem Werte keine Ahnung hatte. Der Stein wog 241/4 Karat und brachte später 100000 Mark. Zwei Jahre später erhielt derselbe Bur von einem Hottentotten für 80000 Mark einen Diamanten von 831/2 Karat. Dieser Juwel wird auf eine halbe Million Mark geschätzt und befindet sich im Besitze einer eng- lischen Gräfin. Schnell verbreitete sich damals die Kunde von dem neuen verheißungsvollen Diamantenfunde, und zahl- reiche Abenteurer stürmten aus aller Herren Länder herbei. Die Erwartungen wurden nicht getäuscht; hunderte von Gruben, eine neben der anderen, führten in die Erde hinab und in rapidem Tempo entwickelte Diamantenwäscherei bei Kolmanskop.