35 Die Kultur der Ackerfelder hat infolge dieser Maß- regeln während Wilhelm Heinrichs Regierung um die tälfte, die der Wiesen um ein Viertel zugenommen, a ein Teil der Felder noch Gemeinbesitz war und infolgedessen , _____________________________ schlecht bebaut wurde, *) weil jeder zeitweilige Inhaber sich vor kostspieligen oder zeitraubenden Verbesserungen scheute, so gebot der Fürstdie Verteilung solcher gemeinen Felder unter die Gemeindemit- glieder. Sodann gestattete er 1764 die Teilung der bis dahin unteilbaren Vogteien oder Stammgüter mit der Bestimmung, daßderjenigeUmer- tan, welcher ein Haus besitze und 2 Gulden Steuer jährlich entrichte, in den Genuß des Gemeinderechts eintreten, alle andern aber fron- bare Hintersassen bleiben sollten. So- mit war fleißigen und strebsamen Leuten Gelegenheit geboten, vorwärts zu kommen. Strenge hielt der Fürst da- rauf, daß das vor- handene Ackerland auch ausgenützt und nicht brach liegen gelassen wurde; un- besätes Ackerland sollte von den Meiern (Bürger- meistern) gegen einen an den Eigen- tümer zu entrich- tenden Fruchtzins versteigert werden. In dieser Zeit fing man auch an, die Kartoffel in aus- gedehntem Maße anzupflanzen. Nach einer alten Nach- richt soll ein Bauer von Bischmisheim im Jahre 1696 die ersten „Grumbeeren" (Grundbirnen) in einer Schachtel von Frankfurt mitgebracht und dem Pfarrer Beltzer davon mitgeteilt haben, der sie nach und nach vermehrte; nach einer anderen brachten die ersten Arbeiter des *) In Rußland ist es heute noch so. 1685 gegründeten Dillinger Werkes, die aus der Gegend von Lüttich stammten, diese Frucht mit in unsere Gegend. Jedenfalls gelangte dieses Nahrungsmittel zur Zeit Wilhelm Heinrichs zur allgemeinen Wertschätzung; schon im Jahre 1747 wird der Kartoffel- zehnte erwähnt, und zehn Jahre später war der Anbau dieser Frucht bereits allgemein. Auch den O b st- b a u suchte Wil- helm Heinrich zu fördern. Niemand sollte einen Obst- baum umhauen, ohne zuvor einen anderen an passen- der Stelle gepflanzt zu haben. 1765 ge- bot er, an den Landstraßen Obst- bäume, an feuchten Stellen aber Stock- weiden und Pappeln 8' 4» setzen; auch auf 2; Feldern, Allmenden s (Gemeindewiesen) * und Weiden sollten ö Fruchlbäume in :g mäßiger Zahl ge- H pflanzt werden. ^ Jeder Bürger oder » Gemeindemann sollte sofort und I künftig jeder neu I in die Gemeinde „a Eintretende auf £ dem Gemeindegut 2 Obstbäume und jedes folgende Jahr 2 wettere im Bei- sein und nach An- weisung der Forst- jäger anpflanzen. Zur Erleichterung dieser nützlichen Einrichtung sollten aus dcn fürstlichen Waldungen junge wilde Obstbäume umsonst verabfolgt werden; die fürst- lichen wie die üb- rigen Gärtner wur- den angewiesen, Baumschulen anzu- legen und veredelte Bäumchen um bil- ligen Preis an die Untertanen abzu- geben. Ein jeder Bürger sollte für den Anwuchs der von ihm gesetzten Bäumchen sechs Jahre lang haften und jeder Baumfrevler empfindlich gestraft werden. Den Maulwürfen und Spatzen wurde der Krieg erklärt und auf ihre Vertilgung eine Belohnung gesetzt, das Ablesen der Raupennester bei Strafe geboten.