22 — H at t ort aI(cf? at) e sprechen, der, unmittelbar von der Natur gespendet, reichen Segen über ein Land auszuschütten vermag, wenn er der Erde ab- gerungen wird. Denn in schier unendlicher Viel- seitigkeit durchdringt und befruchtet er fast alle Gebiete des modernen Kultur- und Wirtschaftslebens. Er weist neue Wege und läßt neue Ziele entstehen für die Er- forschung der Naturgesetze, für die geistigen Kräfte des Volkes, die nach Betätigung dränge::, und für den stolzen Aufbau eines im besten Sinne modernen, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ethisch durchgebildeten und festgefügten Staatsgebildes. freilich geben die Berge ihre Schätze nicht kampflos heraus. Längst sind die Zeiten vorüber, da im stillen Tale der Bergmann seinen eigenen Stollen befuhr und beim Klange von Schlägel und Eisen in friedlichster Arbeit seine eigenen Erze brach. Aus den Lebens- rdyllen, die in den alten Bergmannsliedern gepriesen werden, haben sich gewaltige Tu mm e I p I ätz e s p rü h en- den Lebens entwickelt. Kühner Unternehmergeist und Wagemut, gepaart mit einem klaren Blick für wirtschaftliche und soziale Möglichkeiten und Notwendigkeiten, seltene Ausdauer, ein gegen Enttäuschungen gewappneter Sinn und eine durchgebildete Kriegskunst gegen die Gefahren der Teufe sind die Grnbenbedingungen für die moderne Erschließung der Naturschätze. Eine freie und weise Berggesetzgebung, welche der freudigen Entwickelung dieser Grundbedingungen Tür und Tor öffnet und nur da bremsend eingreift, wo die Ueberspannung der Kräfte zum Taumeln führt, muß den weg begrenzen, auf welchem die Entwickelung vorwärtsschreitet, weitblickende Männer, die über die Aufgaben des Tages hinausgewachsen sind und die Funktionen des Linzelgliedes in: Gesamtorganismus zu deuten verstehen, müssen bannertragend voranschreiten und Kräfte sammeln zu gleichem Wegeschritt und zum Streben nach demselben Ziele, der Stärkung aller nationalen Arbeit zum wohle des gesamten Vater- landes. Nur dann wird der Bergbau seiner Aufgabe voll gerecht." Das sind inhaltsreiche Worte in wenigen Sätzen, die zum Nachdenken jedem Bergmann empfohlen werden können. Und in der Tat, soll der Bergbau seine Auf- gabe auch ganz erfülle::, so ist, das darf in weiterer Ausführung obiger markanter Worte gesagt werden, dazu in erster Linie erforderlich, daß ein gutes Ver- hältnis zwischen Arbeitern und Arbeit- gebern, zwischen Verwaltung und Beleg- schaft besteht, ein inniges Verhältnis, das alle, ob Beamte oder Bergleute, einander menschlich näher bringen soll und muß. Schon lange nicht mehr kann man leider ein solch gutes Verhältnis,, das auf gegen- seitigem vertrauen beruht, wie es früher der Fall war, dem Saarrevier nachrühmen aus Gründen, auf die wir hier nicht näher eingehen können und wollen, wir leben ja heute in einer Zeit, in welcher gerade dieses Verhältnis, überall, wohin wir auch blicken mögen, nicht das beste ist, in einer Zeit, in welcher man von gar vielen Seiten bemüht ist, die Arbeiter für gewisse Zwecke dadurch zu gewinnen, daß man in ihnen wünsche weckt und ihnen alles mögliche, was niemals zu verwirklichen ist, verspricht und auf diese weise manchen mit seinem Beruf bisher zufriedenen Menschen mit seinem Schicksal in Bader bringt, wir leben in einer Zeit, in welcher nicht nur die Arbeiter, sondern auch alle anderen Stände auf ihre Rechte pochen, sich immer lieber auf diese verweisen lassen, als daß sie sich der pflichten bewußt werden oder von anderen, die es gewiß gut mit ihnen meinen, an die Er- füllung ihrer Pflichten sich ermahnen lassen. Besonders auf einen großen Teil unserer Saarbergleute ist auf diese weise eingewirkt worden, leider bei vielen mit dem Erfolge, daß das Verhältnis, wie es über ein Jahrhundert zwischen Bergbeamten und Bergleuten hier an der Saar bestanden hat, beeinträchtigt worden ist. Der vernünftige Bergmann aber hat sich von solchem Einstuß frei gehalten, er weiß gerade so gut, wie der Beamte, ob hoch oder niedrig, wie der Kaufmann oder Gewerbetreibende, wie der Lsandwerker oder Tagelöhner, daß die Zeit niemals da war und auch nie kommen wird, welche die Wünsche jedes einzelnen erfüllen kann. Dem einen geht es nun ein- mal in dieser Welt besser wie dem anderen, der eine hat mehr als der andere, der eine spart mehr, als es dem anderen zu sparen gelingt usw. t?o begreiflich der Wunsch nach »Verbesserung der persönlichen Linnahmeverhältnisse eines jeden Menschen ist, so selbstverständlich aber muß es jedem ruhig denkenden Menschen erscheinen, daß in einen: großen Betriebe sich alles nur in einem ordnungsinäßigen Gange vollziehen kann, insbesondere, daß alle wünsche in allg en:ein zufrieden st eilender weise niemals erfüllt werden können. Gute und schlechte Zeiten wechseln miteinander ab. Es sei deshalb daran erinnert, wie häufig auch in früheren Jahren infolge Absatzmangels und sonstiger ungünstiger Verhältnisse Feierschichten eingelegt, die Löhne reduziert und Arbeiter entlassen werden mußten. Solche Zeiten kehren, wie gesagt, immer einmal wieder und wenn sie auch hart empfunden werden, so sind sie vielen mitunter doch eine gute Lehre und eine eindringliche Mahnung. Unser Wunsch geht dahin, daß diese schlechten Zerten nun überstanden sein möchten, und daß die gerbst- und Winterszeit eine flotte Förderung und einen flotten Absatz bringen mögen, damit unsere Bergknappen froh und wohlgemut in das neue Jahr \^\2 hineingehen können. Seitens der Bergverwaltung sind ja die weit- gehendsten Maßnahmen getroffen, um allen Ansprüchen genügen zu können, sobald reichlich Kohlenbestellungen einlaufen; an unseren Knappen liegt es dann, durch tüchtige Leistungen eine möglichst hohe Förderung und dadurch eine recht gute Entlohnung herbeizuführen. Sind die Zeiten dann wieder besser geworden, so wird jeder sich seines Daseins und seines Berufes freuen, damit es jeden: wieder zum Bewußtsein kommt, daß er wahrhaft Gott danken kann, ein Deutscher zu sein, vollkommen ist nichts in der Welt; was aber in des Menschen Macht liegt, seine Lage zu verbeffern, wird bei uns im Deutschen Reiche gewissenhafter und eifriger getan als anderwärts; wer es nicht glauben will, der gehe einmal in ein anderes Land und er wird gründ- lich bekehrt zurückkommen. Deshalb Kopf hoch und frohen Mutes hinein in das Jahr \9\2, welches unseren braven Männern vom Schlägel und Eisen nur Glück und Zufriedenheit bringen möge, welches vor allen Dingen sie verschonen möge vor jeglicher Gefahr und jeglichem Unglück. In diesem Sinne unseren Knappen ein herzliches Prosit Neujahr und Glückauf \ 9\2\