21 — HO. Male erscheint der „Saarbrücker Bergmanns- kalender", um nach altgewohnter Weise seinen Lesern vieles darzubieten und die bisherigen Jahrgänge mit neuen interessanten Mitteilungen und Aufsätzen zu ergänzen. Sein erstes Glückauf! gilt den braven Berg- leuten, den wackeren Männern vom Schlägel und Eisen, die ihrem Beruf, der sie tag und täglich mit taufenden von Gefahren umgibt, in Treue anhängen und in ihm aufgehen. Reine herrliche Zeit ist das verflossene Jahr für den Saarbergmann gewesen, da er gar zu sehr durch die Einlegung von Feierschichten, die bedingt waren durch den allgemeinen geschäftlichen Niedergang und den damit im Zusammenhange stehenden Mangel an Absatz der Steinkohlen, zu leiden hatte. In unserem Wirtschaftsleben gibt es nun einmal überall und zu allen Zeiten eine aufwärtssteigende und eine nieder- gehende Konjunktur; kein Gewerbe dürfte darunter so schwer zu leiden haben als der Bergbau, der die folgen unmittelbar und sofort zu tragen hat. Diese bedauer- lichen Erscheinungen finden wir aber nicht nur im Saarrevier, sondern auch in allen übrigen Bergbau- revieren des deutschen Reiches und des Auslandes. Auch aus diesen Gegenden waren das ganze Jahr syss hindurch Meldungen über die Einlegung von Feier- schichten in den Zeitungen zu lesen. So ist das Wort von dein „Bergmannsglück" wohl in keinem Jahre von solcher Bedeutung gewesen, wie in dem verflossenen. Wenn trotz solch mißlicher Verhältnisse der Saarberg- mcmit dennoch frohen Mutes und tu alter Pflichttreue feine Schichten verfahren hat, so ist dies ein Beweis dafür, daß er bei ruhiger Ueberlegung die Ursache solch schwerer Zeit erkennt und sich, wenn auch schweren perzens, ihr fügt. Er tut dies ganz gewiß in der Hoffnung, daß bald wieder bessere Ketten kom- men, die es ihm ermöglichen, das versäumte nachzuholen. Diese Hoffnung möchten wir ge- rade bei dieser Gelegenheit im pinblick auf die durch die Dürre des Sommers syst eingetretene Verteuerung der Lebensmittel ganz besonders zum Ausdruck bringen. Ls ist keine rosige Zeit, der wir in dem neuen Jahre entgegengehen; feiten haben wir einen Sommer mit einer der- artigen pitze gehabt, wie den des Jahres dessen folgen sowohl für unsere Bergleute, wie für alle übrigen Stände sehr fühlbar sein werden, verzagen dürfen wir Deutsche darum nicht, aber auch nicht unwillig und mürrisch werden Die Nörgelsucht ist ja allerdings eine der wenig schönen Eigenschaften des Deutschen, und es darf ruhig gesagt werden, daß der Mester- reicher, der Russe, der Franzose und selbst der Engländer sich glücklich preisen würden, wenn die Zustände ihrer Länder in Bezug auf staat- liche Einrichtungen und die Fürsorge für die arbeitenden Klassen auch nur annähernd den unserigen glichen. Bei uns aber gibt es nur ein beständiges Räsonieren, eine weitreichende und tiefgehende Unzufriedenheit, als ob in der Tat alles schlecht und faul bei uns wäre und nicht besser, sondern immer schlimmer würde. Dabei ist es geradezu erstaunlich, welche Fortschritte unser Volk in wenigen Jahrzehnten auf allen Gebieten gemacht hat. fremde, die Deutschland vor 50 Jahren gekannt haben, sind des Erstaunensund Bewunderns voll; wir selbst aber lassen uns von berufsmäßigen Unzu- friedenheitsaposteln nur allzuleicht einreden, daß wir nur Grund zu Klagen und zu Beschwerden hätten, zu Beschwerden über alles, was (Ubrigkeit, vorgesetzte oder ähnlich heißt. Man niüßte ein Buch schreiben, wollte man alles wiederlegen, was die Nörgler in Zeitungen und Schriften, sowie verhetzungsreden und bei sonstigen Gelegenheiten zusammentragen, um uns den Stolz auf die Errungenschaften zu rauben und uns unser deutsches Vaterland zu verekeln! „Line mächtige Entwickelung des wirtschaftlichen Lebens im Lande, welche Wege sucht und Wege findet zur Weitung des Blickes über die Grenzen des eigenen Vaterlandes hinaus und zum erfolgreichen Eintreten in den Wetteifer der Nationen um ihre weltwirtschaftliche Bedeutung, sie ist es, in der eine Weltmacht ihre besten Stützpunkte findet zur Erfüllung ihrer großen, vielseitigen Aufgaben nach innen und nach außen. Und im Rahmen dieser wirtschaftlichen Riesenarbeit, in welcher unzählige Kräfte aller entwickelungsfähigen Gebiete: Land- und Forstwirtschaft, Industrie, Pandel und Gewerbe sich betätigen, nimmt gerade der Bergbau seiner Natur nach eine gesonderte Stellung ein. Denn nicht für alle Länder ist, so schreibt perr Professor und BergassesforJüngst in einer Abhandlung über Deutsch- lands Bergbau, von vornherein die Möglichkeit gegeben, einen blühenden Bergbau erstehen zu lassen und ihn als mächtigen Bundesgenossen aufzurufen zur Messung der wirtschaftlichen Kräfte. Diese Möglichkeit ist, wie auf keinem anderen Gebiete, vollkommen ab- hängig von dem Maße, in dem die Natur ein Land ntit natürlichen Schätzen ausgestattet hat. Wo aber solche im Grunde der Berge schlum- mern, da kann Ulan mit Fug und Recht von einem