23 Glückauf! zum neuen Jahre 1905. f^edesmal, wenn in bei Kylvesternacht auf den Kirchtürmen der Weiser der Uhr vorrückt, um die letzte Ktunde des. Wahres anzuzeigen, und aus dem dunklen Kchoße der Zeiten bei weihevollem Glockengeläute ein neues Jahr emporsteigt, wird bei allem Jubel und fröhlichem Becherklange, mit dem die Menschen gemeinhin sich über den Ernst dieses wichtigen Zeitabschnittes hinwegzutäuschen pflegen, in unserem Znneren eine leise inahnende Klimme vernehmbar, die uns zuruft: Balt Einkehr in dich selbst! £afj an deinem Geiste vorüberziehen, was die Vergangenheit dir bot, sei dankbar gegen dieselbe, auch wenn P>rü- sungen dir beschieden waren, und blicke ge¬ trost und voller Zuversicht tu die Zukunst I Gott wird alles wohl machen! Za, nicht anders darf es beim Zahres- wechsel im Kerzen des Bergmanns bestellt sein, als just immer zu der Zeit, da er früh morgens einfährt in den tiefen Kchacht! Nimmer wird der gottesfürchtige Knappe es tun ohne ein stilles Gebet für sich und die Keinen. Denn wenn auch alle Vorkehrungen für ihn ge¬ troffen worden sind, um nach menschlicher Voraussicht ihn während der Kchicht vor Un¬ heil zu bewahren, — irgettd ein nicht er¬ wartetes unglückliches Ereignis kann ihtt doch um Gesundheit und Leben bringen, und mit Kicherheit vermag er nie zu behaupten, ob er das Licht des Tages jemals wiedersehen wird. Darum Glück aus!, ihr lieben Berg¬ leute, auch für das Neujahr Z9O5. Möge euch und uns alle Gott auch fürderhin in seinen Kchutz nehmen. Za fürwahr, ebenso wie ein finsterer K tollen, noch dazu ein frisch angehauener, ist der Be¬ ginn des neuen Zahres, in das wir alle mit tausend neuen Hoffnungen und Platten ein¬ treten. Dunkel wie der tiefe Kchacht liegt es vor uns, und wir wissen nicht, was die gött¬ liche Vorsehung uns in Zukunft beschieden hat. Wohl utts, wetttt wir dann dem Mahnen der geheimen Klimme Gehör schenken uttd am Neujahrs tage voller Dattk für all das Gute, was utts auch das vergangene Zahr gebracht, mit frischem Mute uttd mit festem Vorsatze, in jedem Halle, wie es auch kommen möge, unsere Pflicht zu tun, in das tteue hittein¬ wandeln! Kchwer uttd gewichtig sind allerdings die Pflichten, die utts obliegen, aber könnten sie ehrenvoller fein? Und dürfen insbesondere wir Bergleute int Kaarrevier nicht glücklich sein und stolz aus unseren Berus? Baben gerade wir nicht allen Grund zur Zufriedenheit mit unserem Ktande, mit unsern Lebensbe¬ dingungen ? Kind diese mit der Ausdehnung des Bergbaues nicht von Zahr zu Zahr bessere geworden, bessere, trotz der Unkettruse gewisser Dunkelmänner und vaterlandsloser Gesellen, die uns immer wieder glauben machen wollen, daß wir Bergleute des Kaargebietes ein Kklavenleben führen, daß wir Hungerlöhne beziehen uttd geknechtet sind? Zenen Kchreiertt und Hetzern ist das Handwerk gründlich gelegt