= 60 . Lächelnd entgegnete sie: „Jch dank’ Euch, Herr, ſür Euren guten Rat. Uber er ſchreckt mich nicht ab. Ulle Angst iſt mir längſt benommen; mir ift ſo leicht zu Mut, als ob ich zum Tanze gehen sollte. Denn keine Not ist ſo groß, die an einem Tage, was? in einer Stunde an meinem Leibe sich endet, daß ich sie nicht mit Freuden ertrüge um der himmliſchen Selig- keit willen, die nie vergeht. Darum ſeid getroſt und unverzagt: ich zucke nicht.“ „Solch ſeſten Mut hab’ ich nuch bei keinem Manne gesunden!‘’ ſprach der Meister voll Bewunderung. „Wenn's denn ſein ſoll, in Gottes Namen! ſo mag es gleich geſchehen.' Er ging zum harrenden Ritter im Vorzimmer zurück und sagte: „Habt ſröhliche Huversſicht; ich mach' Euch bald geſund. Wartet hier." Dann begab er ſich wieder in sein inneres Gemach. ſchioß die Thür hinter sich und ſchob noch einen Riegel vor, denn Heinrich ſollte das Schreckliche nicht ſehen. Die Jung- frau, endlich dem Hiele ſo nah, über alles Irdiſche, über Furcht und Scham erhaben, wartete kaum das Geheiß des Arztes ab, sie begann eilig sich zu ent- kleiden und zerrte ungeduldig an der Naht. Inzwiſchen lauſchte der arme Heinrich draußen in höchſter Aufregung. Es war ſo unheimlich stil drinnen, er hörte ſsaſt nichts. Vergeblich ſuchte er nach einer Rite in der alten Thür, er konnte nicht hindurch ſpähen. Um so wilder jagten einander dis Gedanken in ſeinem fieberheißen Hirn, bis eine leiſe Stimme, lang überläubt doch nie ganz erstickt, fich immer ver- nehmlicher und mächtiger erhob: Darſſt du, als Mann, als Ritter, als Christ, dich retten laſſen um solchen