— 104 — Krämern, Kaufleuten und Fabrikanten: Klagen, fast nichts als Klagen! Ja, vor zehn, zwölf Jahren, da war noch eine andere Zeit, da ließ sich noch 'waS verdienen — aber heutzutage! Man weiß nicht, wie man sich drehen und wenden soll. um ehrlich durch- zukommen. Das Geschäft liegt darnieder. ES geht schlecht und schlechter. Nur die Steuern wachsen, be- sonders die Gemeindesteuern — wir haben auch frei- lich die rechten Kerle im Stadtrat sitzen, die Hoch- wohlweisen, die den Verstand mit dem Schaumlöffel gegessen haben! Es ist kein Geld unter den Leuten, sie lasten nicht bauen und arbeiten, und wenn's je geschieht, so bezahlen sie nicht, sondern borgen. Wo daS noch hinaus will, daß weiß kein Mensch. So schallt es fast von allen Seiten, und ein ängst- liches Gemüt könnte recht bange werden, wenn nicht die Gewohnheit uns auch gegen diese jedenfalls über- triebene Klagen allmählich abstumpfte. Denn besinne Dich, lieber Leser: sind sie erst von gestern her, oder schon früher gehört? Ich hab's. In meinem ganzen langen Leben hab ich nur ein einzig mal aus dank- barem Herzen daS unumwundene Geständnis vernom- men: „Ich bin glücklich!" und die es gethan, ist schon seit Jahren tot und wird nun hoffentlich erst recht glücklich sein. Ich habe seit mehr als dreißig Jahren einen teuren Freund, der jetzt schon etwa ein Viertel- jahrhundert lang an der Spitze eines großen Geschäftes steht, und in all der Zeit hab' ich ihn nur einmal rühmen hören: „Jetzt stimmt'S! Es geht gut!- Da- war nach dem glorreichen Kriege im Herbst 1871. Seit Jahren schweigt er, oder schüttelt den Kopf und klagt. Allein er lebt und webt noch immer, Gott