— 93 — Gebet hatte ihr Kraft gegeben, das Unvermeidliche zu ertragen. — Ihren Vater, ihre Mutter hatte man zur ewigen Ruhe gebettet. Referl brachte sich durch Näharbeiten und Unterstützungen fort und war allmählig ein alte- Weiblein geworden und der Schnee des Alters halte das einss so volle, blonde Lockenhaar gelichtet und gebleicht. — An ihrem siebzigsten Geburtstage. — eS war Dienstag nach dem Palmsonntag — hatte sie sich als Braut geputzt, den vergilbten „Palmkatzl-Buschen" in der Hand, in die Kircke nach Hallen» begeben, um die heilige Messe zu hören. Auf dem Rückwege rief ihr ein vom Schockte kommender Knappe zu: „Reserl! G'rad haben's einen Salzbergknappen tot aus dem Salzsee im alten Sinkwerke gezogen, weil sie die Soole ablassen. Niemand kennt den Armen, obwohl die Leiche gut erhalten ist." Reserl schleppte fick an allen Gliedern zitternd heim und da sie bei der Schachtkaue mehrere Berg- lcute versammelt sah, bat sie einen Knappen, sie hinaufzuführen. Die Leute, welche eine Tragbahre mit dem Toten umstanden, machten dem alten, zittern- den Weibchen Platz, dasselbe trat näher, legte den „Buschen" auf den Toten und brach mit dem Rufe: „Heut', Marlin, hab'n wir Hochzeit!" leblos zusammen. Drei Tage später bettete man die „Brautleute" in ein gemeinsames Grab. — Reserl und Martin waren nach langer, langer Trennung vereinigt! Schenk.