— 92 — Ziele seiner Wünsche, — der Beförderung zum Steiger und der Vereinigung mit dem lieben, herzigen Reserl! — Und welches Glück strahlt aus ihren Augen während sie dankbar aufblickt zum Himmel, der so bald schon den sehnlichsten Wunsch ihres Herzens erfüllen sollte! — Der Hochzeitmorgen ist angebrochen, eine erquickende Frühlingsluft dringt durch das geöffnete Fenster der Stube, in welcker die Braut, den Myrtenkranz am blondgelockten Haupte, den Bräutigam erwartet. Da schallt zur ungewöhnlichen Zeit das Schacht» glöcklein zum Zechenhause herunter, grell ist der Klang und klagend. Zugleich laufen Bergleute dem Zechen» hause zu. „Was ist geschehen?" fragte Referl besorgt einen Hundejungen. „Man vermißt den jungen Steiger. Euren Bräu- tigam !" erwidert der Junge. „Er fuhr noch spät Nachts, um im zweiten Sinkwerke nachzusehen, im Schachte ein, kam aber nicht mehr zurück. Heute mit dem ersten Frührot eilten Mehrere in die Grube, das Sinkwerk ist in gutem Zustande, aber vom Martin sah man und hörte man nichts. Er muß verunglückt sein, deshalb ruft das Schachtglöcklein die feiernden Knappen zu Hilfe." Vergebens blieben olle Bemühungen, den Ver- unglückten aufzufinden. Untröstlich drang Reserl immer wieder in ihren Vater, doch Alles aufzubieten, um den Geliebten, womöglich noch zu retten! — Um- sonst! — Tief trauernd brachte Reserl einige Jahre hin; Bewerber erschienen und verließen hoffnungslos das Zechenhaus. Dann ward das Mädchen ruhiger, das