— 46 — oft gerade, wenn sie eben anfingen, ihr selbst von einigem Nutzen zu sein. Witwen und Waisen wurden ganz besonders berücksichtigt, aber auch andere Leute, Jünglinge und Männer, wußten, wohin fie sich in ihrer Bedrängnis zu wenden hatten, und klopften selten vergebens an. Wenn Herr Johann Wilhelm auch nicht alle Wünsche und Hoffnungen erfüllen konnte, ungetröstet ließ er so leicht keinen Bittsteller gehen. Mit weiser Umsicht verwandte er seine Mittel und erreichte dadurch bei der damals noch herrschenden Genügsamkeit viel. Auch daS schlimme Jahr 1817 ging seinen Arbeitern glimpflicher vorüber als manchen andern. Fortwährend war er zur Hebung ihrer geistigen und leiblichen Wohlfahrt aus neue Einrich. tungen bedacht, die freilich nicht alle gelangen. Doch das beirrte ihn ebensowenig wie gelegentliche — üb- rigens ganz ehrerbietige — Einwendungen seiner schärfer rechnenden Herren Söhne. DaS wußten oder ahnten seine Leute, wenn sie auch nicht alles erfuhren, und nannten ihn schon längst mit Stolz und Liebe den guten alten Herrn. Aber mehr noch als seine Wohlthaten selbst wirkte die zartfühlende Art, womit er fie regelmäßig erwies. Er war vielleicht zu weich für diese rauhe Welt, in der eS doch auch viele Dickhäuter giebt, die fest an- gefaßt werden wollen, von den Böfewichtern ganz zu schweigen. Doch er konnte nun einmal nicht grob und grimmig sein, eS war ihm nicht gegeben. Er tadelte und strafte ungern. Wenn er eS doch einmal thun mußte, was ihm natürlich nicht erspart blieb, so merkte man ihm an, wie schwer ihm die Erfüllung dieser Pflicht fiel. Selbst empfindlich und ehrliebend,