8. Jahrgang Saarbrücken / Dezember 1954 Nummer 12 ORGAN DER EINHEITGGEUIERRSIHRFT DER RRDEITER. RNGEGTELLTEN tlND OERDITEN . . . und Friede auf Erden! Immer, wenn ein Jahr seinem Ende zu- .geht, wenn das Weihnachtsfest vor der Türe steht, neigt der Mensch zu einer gewissen Besinnlichkeit, die ihn Rück ­ blick und Ausblick halten läßt. Beson ­ ders überall da, wo die deutsch© Sprache erklingt, gibt man sich gern© dieser Weihnaehtsstimmung hin. Wohl in keiner Zeit kommt die tiefe Frie ­ denssehnsucht gerade der Arbeitnehmer ­ schaft so zum Ausdruck als in den Ta ­ gen, in denen vor fast zweitausend Jahren zum ersten Male die frohe Bot ­ schaft verkündet wurde. Wieder rundet sich ein Jahr voller Hoffnungen, aber auch ein Jahr, wer wollte das verhehlen, voller enttäuschter Erwartungen. Nach vierjährigen Be ­ mühungen wurde der Arbeitnehmer ­ schaft das Betriebsverfassungsgesetz gegeben, das bei weitem nicht ihren berechtigten Forderungen entspricht. Es schafft keinesfalls die Ebene, auf der sich Kapital und Arbeit gleichbe ­ rechtigt begegnen können. Der öffent ­ liche Dienst, das brachten die General ­ versammlung des Industrieverbandes Öffentliche Betriebe und Verwaltungen und die gemeinsame Tagung der In ­ dustrieverbände Eisenbahn und Verkehr und Transport klär zum Ausdrude, ist selbst von dieser sdrwachen Mitbestim ­ mung ausgesdilossen und soll vertröstet werden auf ein Personalvertretungsge ­ setz, von dem niemand weiß, was es überhaupt bringen wird. Audi auf dem Lohnsektor ist die Bi ­ lanz alles andere als befriedigend, dar ­ über können auch die hier und da durdi zähen Kampf der Gewerkschaften errungenen kleinen Fortschritte nicht hinwegtäuschen. Hier dürfen sich die Arbeitnehmer audi in ihrer etwas zur Sentimentalität neigenden Weihnachts- stimmung nicht der Illusion hingeben, daß der Sozialpartner angesidits des Weihnachtsfestes zu grundsätzlichen Zugeständnissen bereit wäre. In diesem Raum, wo sich die Dinge hart stoßen, bedarf es der ganzen Entsdrlossenheit der Arbeitnehmer, wenn sie im Ringen .Prophoto" Literarisches Büfo — Aufnahme Hans Zsrbit um den gerediten Anteil am Sozial ­ produkt weiterkommen will. Die Me ­ tallarbeiter stehen vor schweren Ent ­ scheidungen, denen wohl auch die üb ­ rigen Wirtschaftszweige nicht entgehen werden; denn leider ist es doch so, daß die Friedensbotschaft zwaT die geneig ­ ten Herzen der Arbeitnehmer findet, aber nicht der Gegenseite, deren Be ­ reitschaft sich mehr in Äußerungen kommerzieller Tüchtigkeit erschöpft. Wir wollen nicht in allen Einzelheiten auf die Geschehnisse des vergangenen Jahres eingehen, das sei der ersten Nummer im Jahre 1955 Vorbehalten, doch sei uns ein kurzer Ausblick auf die Zukunft gestattet. Noch immer nicht, auch nicht nach den Lehren zweier verheerender Weltkriege, führt die Menschheit ein Leben in Frei ­ heit ohne Angst, wie es die Charta der Nationen verkündet, noch ist di© Welt voller Mißtrauen, das neue Ge ­ fahren in sich birgt Wenn die Arbeitnehmerschaft in der ganzen Welt in diesen Tagen wünscht, daß die frohe Botschaft „und Frieden auf Erden, den Menschen, die guten Willens sind“ auch in die Herzen der Staatsmänner dringen möge, dann weiß sie, daß ihre Existenz am engsten mit dem Frieden verknüpft ist. Auch heute wieder, trotz aller Ent ­ täuschungen ln der Vergangenheit, gibt sie der Hoffnung Ausdruck, daß guter Wille die Zukunft bestimmen möge und nicht Haß und Mißtrauen, Un ­ freiheit und Angst