Jiitgliedex spcecAetu Arbeitnehmer! Es geht um Deine Zukunft! Unter der Rubrik „Mitglieder sprechen“ haben wir in der letzten Nummer der Arbeit einen Beitrag aus dem Kreise unserer Mitglie ­ der gebradit „Arbeitnehmer es geht um Deine Zukunft“. Wir freuen uns, daß unser Appell an unsere Mitglieder, zu dieser Diskussion beizutragen nidit vergeblidi geblieben ist und Irringen zwei Stellungnahmen von Mitglie ­ dern, zu der angesdinittenen Frage. Die Kol ­ legen weisen mit Recht darauf hin, daß sidi der Arbeiter in viel stärkerem Maße als bis ­ her seines Wertes bewußt werden muß und daß er durdiaus keine V eranlassung hat, sich mit Minderwertigkeitskomplexen zu plagen. Sie stellen fest, daß nur die Zusammenarbeit Aller die Werte sdiafft, sie zeigen aber auch Tn der letzten Nummer der „Arbeit“ er- sdiien unter dieser Übersdirift ein Beitrag eines Kollegen aus der Metallindustrie. Ich habe mich gefreut, daß dieser Kollege einmal seinem Herzen Luft gemadrt und damit, hoffentlidi, eine rege Diskussion ausgelöst hat. Audi ich mödite zu den aufgeworfenen Fra ­ gen Stellung nehmen. Die aufgestellten 5 Punkte kann ich nur voll und ganz billigen. Idi allerdings mödite nicht von materiellen Forderungen sprechen, sondern einen anderen, vielleicht ebenso widitigen Punkt behandeln. Neben den Forderungen der Arbeiterschaft nach anständigen Lebensverhältnissen, sei es in Lohn, Wohnung usw., kommt nodi die For ­ derung nadi anständiger, mensdienwürdiger Behandlung in den Betrieben. Das Verhältnis zu den Vorgesetzten soll nicht sein wie Herr zum Knedit, sondern wie es unter freien Menschen, die auf gegenseitige Mitarbeit und Unterstützung angewiesen sind, üblidi ist Dazu ist es unerläßlich, das Selbstbewußtsein der Arbeitersdraft zu heben und die vorhan ­ denen Minderwertigkeitskomplexe den „Stu ­ dierten“ gegenüber zu beseitigen. Den schaffenden Menschen muß klar gemacht werden, daß gerade sie es sind, die im Verein mit der technischen Intelligenz die Werte schaffen, daß sie es sind, die aus dem Erz ­ klumpen in opferbereitem Schaffen und Wir ­ ken unseren wertvollen, vielbegehrten Edel ­ stahl gewinnen. Es ist doch der Arbeiter, der aus dem Klumpen Ton, nach vielen Arbeits ­ gängen, unsere Qualitäts-Bodenplatten, Wand ­ platten, Spülsteine, Rohre u. a. m. herstellt Es ist wiederum der Arbeiter, der, wie kein anderer, seine Manneskraft, Gesundheit, ja sein Leben einsetzt in dem großen Ringen um Existenz, um einen festen Platz auf dem Weltwirtschaftsmarkt. Auf Grund seiner heu ­ tigen Leistungen hat es kein Arbeiter mehr notwendig, vor der sog. „Gesellschaft" zu ­ rückzutreten. Nein, er gehört in die vorderste Reihe. Wir, die Masse des Volkes, sind ein starker Faktor, mit dem gerechnet -werden muß, ja auch gerechnet wird, aber leider mit falschen Werten, nur mit den Werten, die wir uns selbst beigemessen haben. Seien wir einmal ehrlich, kennen wir Arbeiter unseren Wert? Sind wir unserer Kraft bewußt? Ich sage nein. Denn wäre dies der Fall, so stün ­ den wir heute anders da, dann wäre auch ein solches Betriebsverfassungsgesetz, das 4 auf, und so glauben wir sie verstehen zu dürfen, daß aus dem Bewußtsein des notwen ­ digen Zusammenwirkens Aller auch ein Soli ­ daritätsgefühl Aller erwachsen muß, das es von vorneherein ausschließt, daß Einzelne aus eigensüchtigen Erwägungen versuchen, aus den Verpflichtungen, die ihnen die allgemei ­ nen Interessen auferlegen auszuscheren. Wir hoffen, daß die Zuschriften unserer Kollegen nicht die letzten Beiträge unserer Mitglieder darstellen, und wir würden uns freuen, wenn sie sich laufend mit ihren Sorgen und Nöten und mit positiven Betrachtungen zu Wort melden würden. Red. man gewagt hat, uns aufzudiktieren, unmög ­ lich. Die Vertreter des Kapitals jedoch kennen diesen Wert, sie wissen, was eine wohlorgani ­ sierte Arbeitermasse vermag, und ist deshalb eifrigst bemüht, alle Einigkeitsbestrebungen unserer Seite zu zerschlagen. Dies geschieht teils mit roher Gewalt, diplomatischer Finesse oder materiellen Zuwendungen an einzelne, die dann das Ihrige tun. Leider ist der Ar ­ beiter, bedingt durch seine schlechte wirt ­ schaftliche Lage, zu leicht geneigt, auf diese schmutzigste Art unsere Einigkeit zu unter ­ graben, einzugehen. Hand aufs Herz, wer hat nicht schon bei innerbetrieblichen Lohn ­ forderungen erlebt, daß einzelnen eine ganz minimale Erhöhung gewährt wurde und diese verrieten ihre übrigen Kollegen, indem sie sich außerhalb des Lohnkampfes stellten. Die in diesem Artikel aufgeworfenen Fragen sprechen den Arbeitnehmer so unmittelbar an, daß sie jeder nur bejahen kann, d. h. aber auch zugleich, sich damit beschäftigen und die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen. Aber so wie die Dinge heute liegen, wird auch dieser Appell gerade dort ungehört ver ­ hallen, wo er dringend vernommen und darum auch aufrütteln sollte. Nicht nur der liebe Arbeitskollege aus der Metallindustrie bedauert die grenzenlose Des ­ interessiertheit der Masse der Schaffenden, Kann ich nun einfach sagen: „Die Gewerk ­ schaft trägt die Schuld an all diesen Zustän ­ den?“ Nein! Wer ist denn die Gewerkschaft? Doch wir, Du, ich und all die anderen Kol ­ legen. Wir wählen doch die Vorstände und Betriebsräte. Sollte dieser oder jener Kollege seinen Pflichten als Gewerkschafter nicht nadi- kommen. so haben wir die Möglichkeit, ihm nach „demokratischen Spielregeln“ den Lauf ­ paß zu geben. Da ist es ganz falsch, resig ­ niert abzuwinken und zu sagen: „Es ist doch alles Schwindel und wir können nichts daran ändern.“ Nein, kommt in die Versammlungen, bringt eure Beschwerden vor, macht eure Vorschläge und ihr werdet sehen, daß Abänderung ge ­ schaffen wird. Vor allem Kollegen bedenkt, daß ihr bald eure neuen Betriebsräte wählen müßt. Über ­ legt es euch gut, wem ihr euer Vertrauen schenkt, wer euch für 3 Jahre vertreten soll. Glaubt nidit, daß ihr verpflichtet seid, die alten Betriebsräte wieder zu wählen, weil sie „eingearbeitet“ sind oder wegen wer weiß was. Vor allem sorgt dafür, daß junge, fort- sdiriltlidie Kräfte in die Betriebsräte gewählt werden Macht Schluß mit den ewigen, verfilzten Konsortien, die sidi schon als Betriebsange ­ stellte betrachten und auch so handeln. Ein Betriebsratsmitglied untersdieidet sich von den übrigen Kollegen nur durch mehr Pflichten, nidit mehr Rechte. So wollen wir den Kampf aufnehmen um eine wahre Mitbestimmung, persünlidie Frei ­ heit und Anerkennung. Es wird nidit leidit sein, dies den Vertretern des Kapitals abzu ­ ringen. So möchte auch ich euch ein Wort Goethe» zurufen: „Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, wer täglich sie erobern muß.“ G. M. sondern sie dürfte jeden überzeugten und darum auch kämpfenden Gewerkschafter mehr als traurig stimmen, wenn man bedenkt, mit weither Begeisterung sie sich anderen Dingen hingibt. Gerade jetzt, wo sidi unsere Kameraden in der Bundesrepublik in einem aufopferungsvol ­ len Kampf um bessere Lebensbedingungen befinden, ergeht man sidi nach wie vor in nidit endenwollenden nichtigen Redensarten über Sport, Toto und sonstige Vergnügungen. Damit will idi aber keineswegs sagen, daß ich diese, für die Jugend ebenfalls zum Leben gehörenden Betätigungen verneine, beileibe nicht; aber wäre es nicht besser, zunädist mehr Wert darauf zu legen, gesündere Voraus ­ setzungen zu sdiaffen, um sich dann diesen angenehmeren Dingen umso besser widmen zu können. Wie oft müssen wir Eltern unseren Mädels oder Jungens einen Wunsch in dieser Richtung versagen, weil es an dem nötigen Kleingeld fehlt, ganz zu sdiweigen von den eigenen Bedürfnissen kultureller Art, die wir ganz selten einmal befriedigen können. Und so wie sidi hier ein immerwährender Mangel zeigt, ist es auch auf vielen anderen Gebie ­ ten des täglichen Lebens. Erwähnen wir nur die jetzige Krise auf dem Saar-Kohlenmarkt, wo bald eine Million Tonnen auf Halde liegt. Es wäre bestimmt interessant einmal festzu- Mehr Selbstbewusstsein Für Freiheit und Recht