3 wird aber nach der starken Hand des Staa ­ tes gerufen, wenn in der „freien Marktwirt ­ schaft“ sich die Arbeitnehmer die Freiheit nehmen, ihre Arbeitskraft einmal nicht zur Verfügung zu stellen. Erfreulicherweise gibt es jedoch noch besonnene Personen und Zeitungen in Westdeutschland. So leitete die „Frankfurter Allgemeine“ am Donners ­ tag einen Artikel mit den bemerkenswerten Worten ein: „Lohnbewegungen sind etwas Natürliches — genau so wie Preisbewegun ­ gen. Unnatürlich erscheinen sie nur dort, wo nicht die Freiheit, sondern die Diktatur herrscht.“ Hier können wir der „Frankfurter Allge ­ meine“ Wirklich einmal zustimmen, um so mehr als wir doch am besten beurteilen kön ­ nen, daß verantwortungsbewußte Gewerk- sdiaften den Streik als letzte Lösung betrach ­ ten, der wegen seiner schweren Folgen für die Arbeitnehmer und die Allgemeinheit nicht leichtfertig vom Zaune gebrochen werden darf, und der ja auch letzten Endes nur ausgerufen werden kann, wenn er vom Willen der Ar ­ beitnehmer in den Betrieben getragen wird. Dieser Wille scheint in der Bundes ­ republik wirklich vorhanden zu sein; denn bei den durchgeführten Urabstimmungen wurde die erforderliche Dreiviertelmehrheit bei wei- s-n- tem überschritten. Es ist von hier aus natürlich schwer, schon heute Prognosen über den Ausgang der Lohn ­ kämpfe in der Bundesrepublik anzustellen, jedenfalls glauben wir bei den bisher erzielten Erfolgen und bei der Kampfentschlossenheit des deutschen Arbeitnehmers die Aussichten günstig beurteilen zu können. Unseren deutschen Kollegen wünschen wir jedenfalls vollen Erfolg, ist dodi der Ausgang der westdeutschen Lohnbewegung für die ge ­ samte europäische Arbeitnehmerschaft, die ebenfalls noch weit davon entfernt ist, in aus- reichendem Maße an dem Sozialprodukt teil ­ zuhaben, von ganz erheblicher Bedeutung. Auch in den USA lebhafte Lohnbewegungen Im ersten (Quartal 1954 ist es bei rund 80 v. H. von insgesamt 222 Arbeitsverträgen, deren jeder die Arbeitsbedingungen für etwa 1000 Arbeiter beinhaltet, zu Lohnerhöhungen gekommen. In der Hälfte der Fälle beliefen sich diese Lohnerhöhunge auf weniger als 7 Gent je Arbeitsstunde. Von den Arbeitern, auf die Abkommen mit Lohnerhöhungen An ­ wendung finden, erhielten ungefähr die Hälfte Erhöhungen ihres Stundenlohnes bis zu 6 Cent. Nur in rund einem Fünftel deT 222 Kollektivverträge wurde keine Änderung der Löhne vorgenommen. In den meisten Abkommen wurden die Stundenlöhne sämtlicher Arbeiter um einen einheitlichen Betrag erhöht, nur in 16 war die Erhöhung für Facharbeiter eine größere, und in 19 wurden sonstige Abstufungen oder Ausgleichsregelungen erzielt. Zu einer pro ­ zentualen Erhöhung der Arbeiterlöhne kam es in sieben Verträgen. Die Bestimmungen über automatische Lohn ­ erhöhungen nach Maßgabe der steigenden Lebenshaltungskosten wurden in 44 Abkom ­ men, die auf 86 000 Arbeiter Anwendung finden, entweder erneuert oder neu einge ­ führt, aus 15 Verträgen aber, die auf 180 000 Arbeiter Bezug haben, herausgenommen. Zur letzteren Gruppe gehören auch drei Abkom ­ men mit Eisenbahngesellschaften, die allein 123 000 Arbeiter betreffen. Von den Abkommen, in denen die Löhne für dieses Jahr erhöht wurden, gaben 14 auch näher bekannt, welche Lohnerhöhungen die 25 000 Arbeiter, auf die sie Bezug haben, im Jahre 1955 und in den darauffolgenden Jah ­ ren zu erwarten haben, und fünf sicherten den 18 000 Arbeitern, für die sie Gültigkeit haben, künftige Kürzungen der wöchentlichen Arbeitszeit bei gleichbleibender Bezahlung zu. Das Gros der Abkommen, die Lohner ­ höhungen vorsehen, nahm auch gewisse Ver ­ änderungen in einer oder mehreren der den Arbeitern zugute kommenden sozialen Ein ­ richtungen vor; so wurde in rund einem Drittel die Gesundheits- und Sozialfürsorge großzügiger gestaltet und in einem Viertel die Anzahl der bezahlten Feiertage und das Urlaubsgeld erhöht. Mitglieder sprechen: Ein Kollege aus einem Betrieb der Metall ­ industrie läßt uns nachstehende Zeilen zu ­ gehen, die wir ohne Kommentar unter unsern Lesern zur Diskussion stellen. Leider sind bis ­ her derartige Diskussionsbeiträge auf eine spärliche Resonanz gestoßen. Wir bedauern dies um so mehr, als wir doch in unserm Organ nicht vorfabrizierte Meinungen bringen, sondern die Stimme unserer Mitglieder hören wollen. Also, lieber Leser, Du hast das Wort zu einer Stellungnahme zu den angeschnittenen Fragen. Auch Du sollst Deine Meinung äußern können, auch dann, wenn sie mit unserer Auffassung nicht übereinstimmt. Werter Arbeitskollege! Hier schreibt kein Gewerkschaftssekretär, sondern ein Arbeitskollege, der wie Du jahr ­ aus jahrein auf Früh-, Mittag- und Nacht- schicht geht, um dafür eine Bezahlung zu empfangen, die für ihn und seine Familie zum Sterben zuviel, zum Leben aber oft au wenig ist. Ich meine damit ein sdilidites und einfaches Leben, wie es sich für Menschen des 20. Jahrhunderts in einem Kulturstaat gehört. Um nicht absichtlich mißverstanden zu werden, — man mißversteht gerne, ivenn es sich um Forderungen der Arbeitnehmer ­ schaft handelt — will ich es etwas genauer definieren. Jeder Arbeitnehmer, gleichgültig, ob er Beamter, Angestellter oder einfacher Arbeiter ist, sollte so bezahlt werden, daß er bei ordentlicher, regelmäßiger und gewissen ­ hafter Arbeit folgende Ziele verwirklichen kann: 1. Der Arbeitnehmer und seine Familie sollen satt zu essen haben! 2. Der Arbeitnehmer und seine Familie sollen anständig und zeitgemäß wohnen können, In neun dieser Abkommen, die zwar den von ihnen betroffenen 78 000 Arbeitern keine Lohnerhöhungen brachten, wurden soziale Einrichtungen entweder neu eingeführt oder verbessert In einem Fall, der auf rund 1000 Arbeiter Bezug hatte, wurde eine Lohnkür ­ zung vorgenommen. In dieser Zusammenstellung sind alle jene Kollektivverträge inbegriffen, die in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres tatsächlich abgeschlossen worden sind, nicht aber jene Fälle von Lohnerhöhungen, die wohl in dieser Zeit in Kraft traten, über die aber schon früher verhandelt worden war, also irgendwelche mit den Lebenshaltungs ­ kosten zusammenhängende Regelungen, jähr ­ liche Aufbesserungen oder bereits früher für diesen Zeitpunkt vereinbarte Lohnerhöhungen. Sie beinhaltet aber auch solche Änderungen in den Kollektivverträgen, die wohl im ersten Quartal 1954 abgemacht worden sind, aber erst im weiteren Verlauf des Jahres in Kraft treten werden, und alle jene Regelungen, die gleichfalls in der Berichtszeit festgelegt wor ­ den sind, aber erst in den kommenden Jahren wirksam werden. „Welt der Arbeit“ Nr. 32 das heißt, nicht in baufälligen Ruinen oder Baracken, sondern in Wohnstätten, die zeitgemäß sind und gesunden Ansprüchen in kultureller, sittlicher und hygienisdier -Beziehung entsprechen. 3. Er soll sich anständig und sauber kleiden können. Es ist nicht unbedingt erforder ­ lich, daß man ihm auch am Sonntag den Kumpel aus der Grube oder vom Hoch ­ ofen auf bereits 200 m ansieht 4. Er soll, ohne es sich am Munde abzu ­ sparen, in der Lage sein, sich eine solide Wohnungseinrichtung zu beschaffen. 5. Der Arbeitnehmer soll soviel verdienen, daß er sich über diese Dinge hinaus auch eine gewisse Erholung und Entspannung leisten kann. Mit seiner Familie mal eine Urlaubsreise machen kann, eine Theater ­ vorstellung oder Kino besuchen und schließlich einige Ersparnisse in Geld oder Sachwerten anlegen kann. Man kann diese 5 Ziele nur als Mindest ­ forderung betrachten und kein vernünftig und billig denkender Mensch kann deren Berech ­ tigung abstreiten. Nun frage ich Dich, lieber Arbeitskollege, zu welchem Prozentsatz und bei wievielen von uns sind diese 5 Voraus ­ setzungen erfüllt? Ist es nicht vielmehr so, daß es bei den allermeisten von uns gerade zum Essen und zum Kleiden reicht? Wohnung ist ein Problem! Und bei jeder dringenden, größeren Anschaffung kommt der Etat bereits ins Schwimmen. Um es nur an einem Beispiel zu verdeutlichen: Bei einem Durchschnitts ­ einkommen von 30 000.—ffrs. kann eine vier ­ köpfige Arbeiterfamilie unmöglich verant ­ worten, für eine moderne 2 bis 3-Zimmer- Arbeitnehmer! Es geht um Deine Zukunft! Das führende Fachgeschäft für Herren- und Knabenbekleidung IEIMRACH & KLEIN SAARBRÜCKEN - R A T H A U S S T R A S S E G. m. b. H. 3-5