5. |ahrgan£ Saarbrücken, Nor./Dezember 1950 Nr. 22/23 Zwischenbilanz im Lohnkonflikt Neue Ergebnisse der Verhandlungen - Starke Initiative für weitere Abkommen vor Weihnachten Die Auseinandersetzungen um die Sicherung der Existenz der Schaffen ­ den haben aut einigen weiteren Gebieten zu Lösungen bzw. Teillösungen geführt. Bei den großen Industriegruppen jedoch, wie Bergbau. Metall und Ei ­ senbahn sowie beim öffentlichen Dienst sind die Endentscheidungen immer noch nicht gefallen. In wichtigein Fällen haben aber die ununterbrochenen Anstrengungen der Gewerkschaftsführer wertvolle neue Ausgangspositio ­ nen schaifen können, die endgültige Regelungen alsbald erwarten lassen. Mit aller Entschiedenheit wird die äußerste Initiative entfaltet, um noch vor Weihnachten aut der Generallinie weitere positive Resultate zu erzielen. Jetzt kommt es daraur an, toi Einigkeit und Geschlossenheit unter Teil ­ nahme aller schaffenden Kräfte mit höchstem Einsatz aut dem plan zu treten. Aus dem Jjihalt .* I. V. Bergbau: Die von sämtuchen Belegschaftsmitglie ­ dern sehnsüchtig erwartete Lohnerhöhung und Lohnangleichung ist noch nicht zum Abschluß gekommen. Die Verhandlungen nind zur Zeit toi vollem Gange. Die Lohn ­ erhöhung wird voraussichtlich im Saar ­ bergbau in gleichem Maße wie in Frank ­ reich eingeführt. Dazu Ist als vorläufiges Ergebnis zu erwähnen, daß bei den Schichtlöhnern eine allgemeine Lohnerhö ­ hung crut den Lohn von 1948 (wie in Loth ­ ringen) um 1 3 5 0/0 erfolgt. Die Gedinge- löhne werden auch analog der in Lothrin ­ gen erfolgten Erhöhung um 8.1 o/o auf den verdienten Gedingelohn erhöht. Die Einheitszulage erhöht sich: unter Tage von 70,11 Frs, auf 79.76 Frs., über Tage von 59,85 Frs. auf 67.92 Frs. Diese Erhöhung wird von den Vertreten! der Gewerkschaften nicht anerkannt — wie in Frankreich — weil sie der erfolg ­ ten Teuerung nicht Rechnung tragt n» erfolgte Lohnerhöhung wird ledig ­ lich zur Kenntnis genommen und die AUS- gongsbasis fitr die Lohnangleichung zu ­ grunde gelegt. Die Lohnangleichung wird im Rahmen der von der Bergbaukommis- taon fest ge stellten Höhe von monatlich ca. 80 Millionen Franken erfolgen. Dazu kann als vorläufiges Ergebnis erwähnt werden, daß der Gedingelohn mit 8,1 o/o (siehe oben) -j- 5,4 o/o erhöht werden wird. Bezüglich der Erhöhung der Schichf- löhne unter und über Tage sind die Ge ­ werkschaften bemüht getreu den Forde ­ rungen der Funktionäre, die unteren Kate ­ gorien den oberen Kategorien etwas nä ­ her zu bringen, das heißt, die durch die normale oder schematische prozentuale Erhöhung immer größer gewordene Span ­ ne in der Lohnsumme, soll durch eine prozentuale höhere Betreuung der unteren Kategorien etwas näher an die Löhne der oberen Kategorien gebracht werden. Die durch die gering« Vorschußzahlung und die Streichung der Regelmäßigkeits- prämie und der Ausgleichsentschädig ung un Anschluß an die Streikschicht mit Recht unter der Beleaschaft emporgeruferne Em ­ pörung, wird durch das Enderge! nis, wenn dieses dem Vorschlag der Gewerkschaf ­ ten nur in etwa entspricht wiederum ab- klingen. Es ist deswegen allen Beleg ­ schaftsmitgliedern anzuraten, nicht miß ­ mutig und unzufrieden gegenüber ihrer Gewerkschaft zu werden, sondern m Ruhe das Ergebnis der Verhandlungen abzu ­ warten Wir sind bestrebt die Verhand ­ lungen zu einem raschen Ende zu führen, damit m der Dezember-Hauptlohnung die. Erhöhung der Löhne aus der allgemeinen Lohnerhöhung und aus der Lohnanglei ­ chung ausgezahlt werden kann. In der am 29. 11. stattgefundenen Ver ­ handlung wurde auch gemäß dem Antrag deT Kokereiarbeiter, die Einstufung an der Saar vorzunehmen, wie sie in Lothringen laut dem derzeitigen Tarif besteht von der Regie des Mines zugesagt. Darüber hinaus kann heute schon mlt- gefeilt werden, daß die Barbara-Schicht, die in Lothringen im Zeichen des dort be ­ sonders gefeierten Barbara-Tages bezahlt wird, auch an der Saar für den Fall, daß das Belegschaftsmitglied am 4. Dezember, worauf die Barbara-Schicht fällt eine Schicht verfährt dieselbe mit 100 o/ 0 ver ­ gütet wird. Die Auszahlung dieser Schicht soll ebenfalls vor Weihnachten erfolgen. Weiterhin Ist mit der Auszahlung der halb ­ jährigen Ergebnisprämle auch noch vor Weihnachten zu rechnen. L V. Metall: Die Lohnverhamdlungen in der Metallin ­ dustrie, die vorübergehend durch das hart ­ näckige Verhalten des Arbeitgeberver ­ bandes zum Stillstand gekommen waren, werden nun fortgesetzt Ebenso wie hier um der Saar Ist auch im Iothrtngiseben Industriegebiet efn Abschluß, soweit die Verhandlungen «ich auf die eisenerzeu- gezahlt wird. ide Industrie beziehen, noch nicht ge- roffen. Der Arbeitgeberverband für di« Metall ­ industrie des Saarlandes hat uns mit Da ­ tum vom 18. 11. 1950 erneut «inen Vor ­ schlag unterbreitet der sich anlehnt an das Angebot der französischen Arbeit ­ geber im Wirtschaftsgebiet Mosel. Da ­ nach sollen d'e Mindestlöhne der einzelnen Kategorien wie folgt festgelegt werden. Zur besseren Uebersicht führen wir die Kategorie löhne an, wie dieselben bestan- den: am 31. 8. 50 ab 1.9.5Q jetziger Vorschlag ab 1.11.50 A 1 58.30 65.— 68.— A 2 59.90 68.50 73.— 5> 1 65.10 74.45 81.— S 2 67.50 77.50 86.60 F 1 72.65 84.50 92.80 F 2 78.65 93.— 102.10 F 5 84.65 101.— 111.40 Weiter wurde der Vorschlag gemacht, die ab 1. September 1950 eingeführte Zu ­ lage von 4 Frs. auf den Effektivlohn eben ­ falls ab 1. November 1950 auf 6 Frs. zu er ­ höhen. Es ist selbstverständlich, daß die Löhne für die beiden ersten Stufen m jedem Falle an 7410 Frs. heremgeführt werden. Ferner soll die Nachtzulage von 64.15 Frs. aut 102 Frs. erhöht werden; das ent ­ spricht dem anderthalbfachen d«s Mtn- destlohnes der Kategorie 1. Ohne sich festzulegen, hat die' Ge- schäftsleitung des Verbandes diesen Vor ­ schlag zur Kenntnis genommen, und mit dem Erscheinen der vorliegendenZeitungs- nummer werden sich die Betriebsräte der eisenerzeugenden Industrie mit dem Vor ­ schlag beschäftigen und ihre Stellungnah ­ me dazu begründet haben. Es steht zu erwarten, daß toi spätestens acht Taaen etii Abschluß ln der eiserner- zeuaenden Industrie erreicht werden kann. 'Unmittelbar nach dem Ausgang dieser gruad 1 egen den Verhandlung werden so ­ fort die Gehälter für die Angestellten in der eisenschaffenden Industrie ihre Rege ­ lung finden, ebenso auch die Lohn- und Gehaitefesteetzwng für die eisenverarbei ­ tende Industrie. (Die Ergebnisse über die Verhandlungen bei den Betrieben der Energieversorgung u. in der Montageindustrie siehe Seite» 2.) Die europäische Gewerkschaftsbewegung und der Schumanplan Demokratisches Beamtentum Die Weihnachtsgratifikation Walzendreher verlangen ge echten Lohn 10 ty* Erhöhung ln der Montageindustrie Vorläufiges Ergebnis bet Energie Angestellte geißeln Arbeitgeberpolitik Behördembautem — ja oder nein? V. Delegierten tagung L V. Eisenbahn Betriebsversammlung bei V. & B. I* V. Verkehr und Transport Jahreshauptversammlung des L Nahrung und Genuß Verkaufsfreie Sonntage zu Weihnachten Sprechstunden in Homburg Briefkasten Gewerkschaft und Schumanplan Beschluß des erweiterten Geweikschaftsausscnusses Schumanpiau-Laud weiden Saarland muß siebtes |n einer erweiterten Gewerkschaftsaus ­ schußsitzung der Einheitsgewerkschaft wurde eingehend zum Schumanplan Stel ­ lung genommen. Nachdem bereits in einer Sitzung des Gewerkschaftsausschusses vom 16. 10. 1950 eine positive einstimmige Entscheidung für den Schumanplan im In ­ teresse der Arbeitnehmerschaft getroffen Worden war, kam es jetzt toi der erwei ­ terten Sitzung ebenfalls zur Annahme und zur Bestätigung dieses Standpunktes, und zwar mit der Betonung, daß die Einheits ­ gewerkschaft sich voll und ganz ln den Schumanplan einschaltet und erforder ­ liche Maßnahmen unterstützt. Somit können und werden die Bestre ­ bungen der Gewerkschaft die bisher schon u. a. in Aussprachen und Einga ­ ben an das Hochkommissariat und an die Regierung des Saar lande s nachhaltigen Ausdruck fanden, gefestigt weiter geben, um den dringend notwendigen Beitritt des Saarkmdes zum Schumanplan - Komitee ohne Zögern zu erreichen. In Ausführungen des Präsidenten Wacker wurde die Vorgeschichte des Schumanplanes. der Aufbau, die vielfäl ­ tigen bisherigen Bemühungen und aber auch die Bedenken und Reform Vorschläge der im Internationalen Bund freier Ge ­ werkschaften organisierten Arbeitnehmer ­ schaft geschildert. Durch Annahme der Reformvorschläge ist jetzt die entspre ­ chende Vertretung und der Einfluß der Ge ­ werkschaften garantiert. Es geht hierbei utp das Schicksal der gesamten saarländischen Bevölkerung vor allem der Schaffenden in Kohle und Eisen. Auf alle Schumanplan-Länder aus ­ gedehnt geht es um das Schicksal von 20 Millionen Arbeitnehmern. Das Land, das bei der Neuorientierung mit der Moderni ­ sierung der Werke im Rückstand bleibt — und das wäre bei einem Abseitsstehen der Fall — wäre unweigerlich dem Ban ­ kerott verfallen. Von besonderer Wichtigkeit waren die Feststellungen über die Auswirkungen des Schumanplans. mit dessen Unterzeich ­ nung um die Jahreswende trotz noch vor- Vorläufiges Abkommen beim Offentl. Dienst Die wochenlangen Auseinandersetzun ­ gen um die Teuerungszulage im Oeffent- lichen Dienst haben jetzt zu einem vor ­ läufigen Ergebnis geführt. Um den An ­ spruch der von den Gewerkschaften mit allem Nachdruck verfochten wurde, noch besonders zu unterstützen, hat der Ge- werkschaftsausschuß .am 21. 11. 50 «m- stimmig folgenden Beschluß gefaßt: Der Gewerkschaftsausschuß hat toi B«iner Sitzung vom 21. 11. 1950 durch Vertreter der Industrieverbäinde, Oef- fentliche Betriebe und Verwaltungen^ Post und Fernmelde wesen sowie Ver ­ kehr und Transport Kenntnis erhalten von den Verhandlungen bezüglich Gewährung einer Teuerungszulage an Beamte und Angestellte des Oe ff ent ­ liehen Dienstes und von dem auch seiner Meinung nach ungenügenden Ergebnis dieser Verhandlungen. Er stellt sich geschlossen hinter die Forderungen, wie sie in dem der Regierung unt» breiteten Komproiriß- vorschlag niedergielegt sind, undwifel sie mit allen ihnen zur Verfügung ste ­ henden Mitteln unterstützen." Das vorläufige Abkommen, das nun •rzielt wurde, sieht folgendermaßen aus: Die Teuerungszulage für Beamte und Angestellte wird entgegen der Forderung des Verbandes vorläufig nur in folgender Höhe ausgezahlt: Grundgehalt bis 25 000.— ffrs. Ledige 4 000 — v«rh. o. Kinder 6 000 — verh. m. 1 — 2 Ki, 8 000 — verh. m. 3 u, mehr Ki. 10 000 —ffrs. Für di« 2. Gruppe von 25 000.— bis SO 000— Grundgehalt bezw. Grundvefr- gütung werden prozentuale Abzüge vor- Ledige 2000 — genommen, sodaß bed 30 000— ffrs. Grundgehalt bezw. Grund Vergütung noch •in Beitrag für verh. o. verh. m. verh. m.3u, Kinder 1 — 2 Ki. mehr Ki. 4 000.— 6 000 — 8 000 — ffrs. (Fortsetzung auf Seit» 2) handener Unebenheiten zu rechnen ist, auf die Saar. Ausgehend von Kohle und Eisen werden auch andere Industriezweigs zu einer Ko ­ ordinierung durch den Schumanplan kom ­ men. Daß unter solchen Gesichtspunkten das Saarland als siebtes Land (die sechs andern sind: Frankreich, Deutschland, Ita ­ lien und die drei Beneluxländer) eine ei ­ gene Vertretung im Schumanplankomitee haben muß. um die Interessen selbst wahrzunehmen, steht außer Frage. Die Saar braucht auch eine eigene In ­ teressenvertretung, weil dazu die volle Kenntnis und das Vertrautsein mit den •aarländischen Belangen gehört. Dann aber kann es auch nicht zugemutet wer ­ den. daß eine französische Vertretung siah Unserer Belang« an nehmen soll; denn dann würden die Interessen in den Hän ­ den von ausgesprochenen Konkurrenten der saarländischen Kohlenwirtschaft und Schwerindustrie liegen. Es gilt, sowohl in der Zeit der Hochkon ­ junktur, in der weitreichende internatio ­ nale Wirtschaftsabkommen getroffen wert ­ eten, wie bei einer Wirtschaftskrise mit ihren unausweichlichen Verlagerungen und sozialen Auswirkungen großen Aus ­ maßes das Inte ress« der Saar zu sichern. Aus solcher Betrachtung der Situation haben die verantwortlichen Gewerk ­ schaftsfunktionäre die logischen Schluß ­ folgerungen gezogen und der Beteiligung am Schumanplan zugestimmt. (In der nächsten Ausgabe folgt ein aus- ftlhrhcher Bericht über die gesamte Ma ­ terie betreffend Schumanplan und di» Saar.) gaarknappschaft Nachzahlung ittckständiger Renten aus dar Zelt vom 1. 9. 45 bis 31.12. 45 An sämtliche Rentenberechtigte, die ge ­ genüber der Saarknappschaft einen An ­ spruch auf Knaposcbaftsrente, Knapp« schafisv oilrente, Witwenrente, Witwen* vollrente aus der kraappschcrftllchen Ren ­ tenversicherung haben, werden im De ­ zember dieses Jahres die noch rückstän ­ digen Renten für dl« Monate September, Oktober, November und Dezember 1945 ausgezahlt. Nach einer Durchsage von Radio Saar ­ brücken sollen 3 Monate nachbezahlt! werden. Entgegen dieser Meldung weisen wir besonders darauf hin, daß für 4 Mo ­ nate nachgezahlt wird. Grundsätzlich kommt die Nachzahlung an die Berechtigten, die zur Zeit ein« laufende Rente beziehen, ohne Antrag ab 18. Dezember 1950 zur Auszahlung, D:« Berechtigten, die für die Nachzahlung der Monate Juni, Juli und August aus 1945 bereits einen Antrag gestellt, haben, brauchen jetzt keinen Antrag mehr zu stellen. Sind aber dieselben nach dem 21. 10. 1949 gestorben, dann muß jeweils von den anspruchsberechtigten Hinter ­ bliebenen ein Antrag gestellt werden. Bezugsberechtigt sind nach dem Geseta § 1291 RVO nacheinander der Ehegatte, di« Kinder, der Vater, die Mutter, di» Geschwister, wenn sie mit den Berechtig ­ ten zur Zeit seines Todes in häusliche! Gemeinschaft gelebt haben. Daß häus ­ liche Gemeinschaft bestand, muß durch •ine behördliche Bescheinigung nachge ­ wiesen werden. Ebenso müssen die Berechtigten, denen hach dem 21. 10. 49 die Rsrnie entzogen wurde, einen Antrag auf Auszahlung •teilen. Die Anträge werden beim zuständigen Knapp schaf tsäitesten entgegen genom ­ men.