Seite 2 September 1950 „DIE ARBEIT* 1 eine kommend« Krise mit unumgänglichen Produktionseinschränkungen hinzuweisen. Um so durch psychologische Faktoren den Arbeitnehmern bei den kommenden Tarif ­ vertrags Verhandlungen, die nach Erlaß &es Taxifvertragsgesetzes aut die Dauer nicht mehr zu umgehen waren, und die natürlich in Anbetracht des niedrigen Lohnniveaus zwangsläufig Lohn- und Ge- haltsforderungen bringen mußten, einen schlechten Start zu verschaffen. Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt daß die gegenüber dem letzten Quartal 1949 zum Teil stockende bezw. auch rück ­ läufige Bewegung der Umsätze und Auf« träge in der Saarwirtschaft zu Beginn die ­ ses Jahren in keiner Wei.se den ernsthaf- sen Sektoren unserer Wirtschaft Engpässe aufgetreten sind, die jedoch zum größten ten Charakter trug, den man ihr beizumes- sen beliebte. Wir streiten es nicht ab, daß auf gewis- Teil behoben werden konnten, wir hegen auch keinen Zweifel, daß derartige Eng ­ pässe auch weiterhin auftreten werden, solange nicht die oft anarchischen Zu ­ stände in der internationalen Wirtschaft von einer sinnvollen Planung und Len ­ kung abgelöst werden, doch müssen wir uns dagegen verwahren, daß dieselben Arbeitgeber, die bei jeder Gelegenheit auf das von ihnen angeblich allein zu tra ­ gende Betriebsrisiko hin weisen, immer wieder versuchen, die aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten resultierenden Belastun ­ gen ausschließlich auf den Arbeitnehmer abzuwälzen. Kurzsichtige Arbeitgeber In diesem Zusammenhang kann an eini ­ gen Feststellungen grundsätzlicher Natur nicht vorbeigegangen werden: das Unter ­ nehmertum appelliert nur zu gerne an die Bereitwilligkeit der Arbeitnehmer, wenn es g ilt, Schäden der Vergangenheit zu behe- en oder künftigen Entwicklungen Rech ­ nung zu tragen, wobei man den guten Glauben in die von ihm vorgetragenen Ar ­ gumente ohne weiteres voraussetzt. Gerade bei den Polemiken um das neu ­ zuschaffende Betriebsrätegesetz hat es »ich nur zu deutlich gezeigt, daß man nicht gewillt ist, der Arbeitnehmerschaft das Vertrauen entgegenzubringen, das man von ihr gegenüber dem Sozialpart ­ ner erwartet. Auf der einen Seite spricht man ihr die Fähigkeit zur objektiven Mit ­ arbeit in der Wirtschaft ab und bestreitet aus sehr durchsichtigen Motiven heraus ihr Kontroll- und Mitbestimmungsrecht, auf der anderen Seite soll die gleiche Ar ­ beitnehmerschaft alle Behauptungen des Sozialpartners als bare Münze in Kauf nehmen und natürlich auch williges Trag ­ tier für alle ihr aufgebürdeten Lasten sein. Der unbefangene Beobachter dieser Tat ­ sache wird seine Verwunderung kaum verbergen können, daß trotzdem die Ar ­ beitnehmerschaft immer wieder versucht, sich in die Lage der Gegenseite hinein ­ zudenken, also den Beweis eines Verant ­ wortungsgefühles erbringt, den das Unter ­ nehmertum in Gestaltung des gesell ­ schaftlichen Zusammenlebens nur zu häu ­ fig schuldig bleibt. Mitbestimmung aut betrieblicher und überbetrieblicher Ebene und die Forderung nach Abschluß von Ta ­ rifverträgen mit angemessenen Lohntan- fen sind nicht voneinander zu trennen, wenn man eine weitere Verschlechterung der Lage des schaffenden Menschen ver ­ meiden will, die zwangsläufig ein Absin ­ ken der Arbeitsmoral und eine Radikali ­ sierung der Massen zur Folge haben wird. Man muß sich in der Tat wundern, daß em Großteil der Arbeitgeber den Emst der Lage nicht erkennt oder erkennen will und sich immer noch einer gesunden sozialen Entwicklung aus sehr kurzsich ­ tigen Erwägungen entgegenzustellen ver ­ sucht Um die Kaufkraft Das Feilschen um die Festsetzung des Existenzminimums in Frankreich mußte, so glauben wir, doch den Menschen ge ­ radezu erschüttern, der es ernst meint mit der Konsolidierung der wirtschaftlichen Und sozialen Verhältnisse. Zwar stellen die inzwischen erzielten Ergebnisse, die sich im Saarland in einem garantierten Mindeststundenlohn in Lohnzone I mit 74,10 Frs. äußern, für die schlechtest be ­ zahlten Schichten der Arbeitnehmerschaft zweifellos eine nicht unbeachtliche Lohn ­ aufbesserung dar, doch muß festgestellt werden, daß diese in keiner Weise eine allgemeine Normalisierung der Kaufkraft bedeutet Wenn die Einheitsgewerkschaft seit Be ­ ginn dieses Jahres die Festlegung des Existenzminimums auf 18 500 Frs. fordert, so befindet sie sich einmal im Einklang mit den Gewerkschaften Frankreichs, dann aber kann unschwer festgestellt wer ­ den, daß diese Zahl auf ernsthaften Erwä ­ gungen basiert und keineswegs aus der Luft gegriffen ist. Nach den Angaben des Statistischen Amtes des Saarlandes lagen die Lebens ­ haltungskosten der fünfköpfigen Arbeiter ­ familie (Ehepaar mit drei Kindern) 1938 bei 185 RM. Um sich die gleiche Waren ­ menge kaufen zu können, müßte die glei ­ che Familie 195Q ein Nettoeinkommen von Sund 24 700 Frs. beziehen, ©in Betrag, der bei Festlegung des Existenzminimums auf 18 500 Frs. unter Berücksichtigung der Fa- milienunfcerstützung Ln Höhe von 6200 Frs. gerade im Bruttoeinkommen erreicht wer ­ den würde, das heißt aber mit anderen Worten, daß das von den Gewerkschaf ­ ten gefordert« Existenzminimum noch ca. 1600 Frs. unter dem den Verhältnissen Leistungssteigerung, Preise und Löhne Giunds&tzliche Stellungnahme aut der Großkundgebung in Homburg In einer Großkundgebung der Einheits ­ gewerkschaft am Freitag, dem 15. 9., im Saalbau in Homburg wurde die breit« Oeffentlichkeit über den Standpunkt deT Gewerkschaft und die notwendigen Maß ­ nahmen in der augenblicklichen ernsten Situation unterrichtet. Noch nie hörte man so oft wie heute aus den Kreisen der Schaffenden und der inaktiv gewordenen Arbeitnehmer, der Rentner, so heftige Vor ­ würfe gegen die zuständigen Stellen, be ­ sonders gegen die Arbeitgeber, wie m der letzten Zeit. Man fragt sich, wie di© besitzende Schicht es fertig bringt, sich so gleichgültig gegenüber den Lohnforderun ­ gen zu verhalten und wie die Unternehmer dazu kommen, aus dem Mehrwert den Schaffenden die gerechten Löhne und Ge ­ hälter vorzuenthalten. In eindringlicher Weise führte Kollege Wacker den Anwesenden das Gesamt ­ bild vor Augen. Die vielsagenden Darle ­ gungen gipfelten in der Feststellung, daß die Regierung und alle Knete© zwar di© großen Wiederaufbauleistungwn und di© rettende Tat der Arbeitnehmerschaft an „Die am 15. September 1950 im Saalbau zu Homburg versammelten Mitglieder der Einheitsgewerkschaft des Kreises Hom ­ burg stellen fest, daß durch, die völlig ungerechtfertigten Preissteigerungen der Güter des notwendigsten Lebensbedarfes die Lage der Arbeitnehmerschaft sich in den letzten Wochen in nicht mehr erträg ­ lichem Ausmaße verschlechtert hat Die Versammelten erklären mit aller Ent ­ schiedenheit, daß sie nicht länger gewillt sind, einer Entwicklung tatenlos zuzuse ­ hen, die letzten Endes zu einer Verelen ­ dung der breiten Massen führen muß. Die ­ se Entwicklung kann um so weniger hin- genommen werden, als die Saarwirtschaft seit dem wirtschaftlichen Anschluß dank der unentwegten Bemühungen des schaf ­ fenden Menschen an der Saar, der untetr schwierigsten Lebensbedingungen nach der Katastrophe des 2. Weltkrieges den Wiederaufbau seiner Arbeitsstätte in An ­ griff nahm, einen vorher nie geahnten Auf ­ schwung nahm, der eine entschiedene Besserung der sozialen Lage gestalt»! hätte. Demgegenüber stellen die Teilnehmer an der Kundgebung fest, daß trotz der aner ­ kennenswerten Bemühungen der Einheits ­ gewerkschaft und ihrer Industrie verband« die Löhne und Gehälter kaufkraftmäßig noch um 25 bis 3ö o/ 0 hinter dem Stande der Vorkriegszeit zurückgeblieben sind und entnehmen daraus den Willen de« lin ­ der Saar anerkennen, daß aber weder aus dieser Erkenntnis noch aus der der Preis ­ steigerungen die notwendigsten Konse ­ quenzen bisher gezogen wurden, nämlich Lohnangleichung bezw. Preisstop und Ver ­ ständnis für die gewerkschaftlichen For ­ derungen auf verantwortliche Mitbestim ­ mung. Die Preissteigerungen seien längst ein ­ getreten, bevor von Lohnerhöhungen ge ­ sprochen worden sei. Man könne daher heute nicht einfach von der sogenannten ewigen Lohn- und Preisschraube reden. Viele Geschäftsleute müßten übrigens em Interesse an einer guten Kaufkraft der Schaffenden haben, da sie ja davon pro ­ fitieren wollten. Auch solle man mehr da ­ ran denken, daß von einer anständigen Bezahlung schließlich auch die Schaffens ­ freude abhängig sei. Der Sozialetat sei im Saarland zwar hoch, aber die Regierung müsse infolge der trostlosen Lage vieler Rentenempfänger erneut eingreifen. Die Forderungen, die Kollege Wacker erläuterte, wurden in nachstehender Ent ­ schließung niedergetegt. ternehmertums, die Lasten für die Besei ­ tigung der Kriegsschäden und für di« Weiterentwicklung der Saarwirtschaft al ­ lein auf die Schultern der saarländischen Arbeitnehmerschaft abzuwälzen. Mit Ent ­ rüstung konstatieren die Arbeitnehmer des Kreises Homburg, daß die gleichen Un ­ ternehmer unter der Behauptung, das Be ­ triebsrisiko allein zu. tragen, sich mit alLer Entschiedenheit dem Recht der Arbeitneh ­ mer auf Mitbestimmung in Betrieb und Wirtschaft widersetzen. Die Versammelten begrüßen die Initia ­ tive des Gewerkschaftsausschusses und erklären sich mit seiner Resolution vom 4. September 1950 solidarisch, die fordert: 1. Festsetzung des Existenzminimums ge ­ mäß unserer Forderung vom 28. Fe ­ bruar 195Q auf 18 500.— Frs. 2. Endgültige Beseitigung der bestehen ­ den Lohnzoneneinteilung gemäß un ­ serer wiederholt an die Regierung des Saarlandes und das Hohe Kommissa ­ riat gerichteten Eingaben. 3. Die von den einzelnen Industriever ­ bänden der Einheitsgewerkschaft ab ­ geschlossenen Lohnvereinbarungen zu kündigen und umgehend neue Ver ­ handlungen zum Zweck der Erhöhung der Löhne und Gehälter aufzunehmen. 4. Der Landesvorstand wird beauftragt, mit der Regierung des Saarlandes un ­ verzüglich Verhandlungen cruf Zunah ­ men betr. Anpassung der laufenden Versorgungsbezüge der Pensions- und Renetnempfänger, der Witwen und Waisen entsprechend der eingetrete ­ nen Verteuerung. 5. Bis zur Veröffentlichung einer diesbe ­ züglichen Verordnung über die Erhö ­ hung der Versorgungsbezüge eine Er ­ höhung der Renten ab 1. August 195Q kung für alle Versorgungsberechtigten vorzunehmen. Die Versammlung verlangt vom Ge ­ werkschaftsausschuß und Landesvorstand und von allen Industrieverbänden, in ih ­ rem Kampfe um die Besserung der sozia ­ len Lage an der Saar nicht zu erlahmen und erklärt ihre vorbehaltlose Bereitschaft sich geschlossen in verantwortungsbe ­ wußtem Kampfgeiste hinter die Einheits ­ gewerkschaft zu stellen zum Wöhle der gesamten Arbeitnehmerschaft und damit der gesamten Bevölkerung an der Saar." Kollege Rauch brachte an Hand von Zahlenangaben den Beweis, daß in vielen Fällen Lohnerhöhungen durchaus nicht Preissteigerungen im Gefolge haben müs ­ sen. Er verwies besonders auf die enor ­ men Leistungssteigerungen bei gleichge ­ bliebener Belegschaft und auf die Gewinn ­ spannen, die durchaus eine Verminderung erfahren können, auch ohne daß Inve ­ stierungen usw. darunter leiden. Die Kundgebung hatte den aufmerksa ­ men Zuhörern einen klaien Ueberblick über die gegenwärtige Lage verschafft, sie ferner auf die Fordterungen der Ge ­ werkschaft aufmerksam gemacht, ihnen die Begründungen dar gelegt und war so zu einer überaus nutzbringenden Aufklä ­ rung geworden, die nur von jedermann zu begrüßen war, angesichts des Auftakts zur grundsätzlichen Lohnregelung für das ganze Saarland. Die Funktionäre der Ge ­ werkschaft, die vom Vertrauen dter Mit ­ gliedschaft getragen sind und die schon manche Lohnbewegung aktiv und führend mitgemacht haben, wissen sehr wohl, was zu tun und zu lassen ist, um im Interesse der Arbeitnehmerschaft wirklich etwas Positives zu erreichen und diese tatkräf ­ tig zu vertreten. Es gab aber auch noch einige andere Leute im Saale, die keine Verantwortung zu tragen haben und de ­ nen es auf eine Störung und Hemmung mehr oder weniger nicht anzukommen scheint. Die kommunistischen Störungs ­ versuche, die mehrmals einsetzten, ob ­ wohl die Kundgebung offiziell geschlos ­ sen war, dürften ihre Urheber zwar nicht befriedigt haben, aber viele Kundgebungs- teilnehmer haben sich gefragt, wie lange die Disziplin und Besonnenheit der über ­ großen Mehrheit noch ausgenutzt, ja miß ­ braucht vie'rd ensorT Resolution von 1938 an ge paßten Lebensbedarf liegt. Die Festlegung d©3 Existenzminimums auf monatlich rund 16 000 Frs. ln Lohnzone I bei 48stündiger Arbeitswoche unterschrei ­ tet demgegenüber die Vergleichszahl von 1938 um 16 o/o. Ganz abgesehen voin der unzulänglichen Hohe des neu festgelegten Existenzmini ­ mums muß jedoch die Tatsache beson ­ ders bedenklich stimmen, daß die Erhö ­ hung ohne direkte Auswirkung auf die un ­ bedingt erforderliche Hierarchie der Löhne und Gehälter bleibt und somit eins gefährliche Egalisierung dar Lohneinkom- man ohne Rücksicht auf die Qualifika ­ tion des einzelnen bedeutet, was natur ­ gemäß jedem Leistungswillen des Arbeit ­ nehmers äußerst abträglich ist. Was ist also naheliegender, als daß die Einheitsgewerkschaft mit allem Nachdruck die sofortige Aufnahme von Tarifvertrags- Verhandlungen fordert, in denen endlich mit der altbekannten Verschleppungstak ­ tik Schluß gemacht wird. Wenn wir di© Forderung nach einer Individuellen Lohn- gestaltung über Tarifverträge erheben, so verstehen wir darunter auf der einen Seite Lohntarife, die den Verhältnissen in den verschiedenen Sektoren der Wirtschaft an ­ gepaßt sind und auf der anderen Seite der Leistungsfähigkeit des einzelnen weit ­ gehend Rechnung tragen. Wir haben bereits die isolierte Festle ­ gung des Existenzminimumsh einer ein ­ gehenden Kritik unterzogen, möchten aber in diesem Zusammenhang ausdrücklich betonen, daß das Existenzminimum mir als Mindestbasis, auf der die übrigen Lohnkategorien aufbauen, eine wirklich sinnvolle Festlegung bedeuten kann. An ­ ders ausgedrückt, wenn kein Hilfsarbeiter in der Lohnzcne 1 unter 74,IQ Frs. entlohnt werden darf, dann dürfte die untere Gren ­ ze des Facharbeiterlohnes der ersten Stufe mit dem Koeffizienten 140 nicht unter 103,74 Frs. liegen. Wie bei der Kritik zum Existenzminimum muß jedoch auch hier ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß auch eine Lohnskala, die auf dem heute festgelegten garantierten Mindest ­ lohn aufbaut, immer noch keine Normali ­ sierung der Kaufkraft bedeutet, demnach höchstens als erste Etappe in den kom ­ menden Lohn Verhandlungen betrachtet werden kann, über die in den einzelnen Berufszweigen durch individuelle Gestal ­ tung auf schnellstem Wege hinauszustre ­ ben ist. Zur Wiederherstellung dar Kauf ­ kraftparität mit 1938 müßte das durch ­ schnittliche Monatseinkommen des saar ­ ländischen Arbeiters bei 24 600 Frs. lie ­ gen, das heißt also, daß der Facharbeiter erster Stufe, der aufbauend auf den ga ­ rantierten Mindestlohn entlohnt würde, noCh rund 2200 Frs. unter dem Lohnniveau von 1938 liegen würde — und das in der höchstbezahlten Lohnzone I —, da ein Stundenlohn von 103,74 Frs. bei 48stün- diger Arbeitswoche einen Monatslohn von nur 22 400 Frs. ergibt. Zur Entwicklung der Preise und Löhne Die auf Drängen der Gewerkschaften mittlerweile in einigen Wirtschaftszweigen erreichten Lohnaufbesserungen bewegen sich zwischen 5 und 20 o/o auf den Grund ­ lohn, dürften also bei einer Effekdv- Lohnerhöfrung liegen, die im Durchschnitt 7 bis 8 o/o nicht überschreitet, so daß das Gesamtlohniiivecru Immer noch um 25 bis 30 o/o kaufkraftmäßig hinter der Friedens ­ höhe zurückgeblieben ist. Ganz abgese ­ hen von der Tatsache, daß eine ganze Reihe von Wirtschaftszweigen von diesen Lohnerhöhungen nicht berührt werden, kann man trotz der anzu erkennenden Be ­ mühungen unserer Industrieverbände von einer zufriedenstellenden Entwicklung der sozialen Verhältnisse auch nicht annä ­ hernd sprechen, zumal die Entwicklung der Preise ganz besonders In den letzten Wochen eine stark ansteigende Tendenz zeigt Darüber können auch die Ermittlun ­ gen des Statistischen Amtes des Saar« landes, die für den Monat August ein« Steigerung der Lebenshaltungskosten von nur 1,3 o/o gegenüber dem Vormonat fest- ßteilen, nicht hinwegtäuschen. Ohne die Richtigkeit der Zahlenangaben im einzelnen anzweijsln zu wollen, müs ­ sen wir jedoch feststellen, daß die Stati ­ stik die tatsächliche Wirkung der inzwi ­ schen auf getretenen Preiserhöhungen ver ­ schleiert. Die saisonbedingte und in diesem Jahr durch dis sehr reiche Ernte besonders in Erscheinung tretende Senkung der Prei ­ se für einen Teil dier agrarischen Produk ­ te, die ohne Zweifel einen nur vorüber ­ gehenden Charakter trägt, eliminiert in der Statistik das ganz erhebliche Anzie ­ hen der Preise für alle übrigen Nahrungs ­ mittel und auch ganz besonders für alle Gegenstände der Bekleidung, das in un- l&ich höherem Maße die Lebenshaltungs ­ osten auf das nachhaltigste ungünstig ‘ beeinflußt. Daß diese Symptome den Gewerkschaf ­ ten hinreichend Anlaß geben, eine ener ­ gische Lohnbewegung in Gang zu setzen, dürfte nur zu verständlich »ein. Man wird auch den Gewerkschaften di« Behauptung kaum widerlegen können, daß eine Lohn ­ erhöhung bei richtiger Lenkung der Wirt ­ schaft keineswegs zu einem Ingangsetzen der Lohn-Preisspirale führen muß und daß die angestrebte Lohnerhöhung durchaus aus den Gewinnen der Wirtschaft getra ­ gen werden kann, zumal der wirtschaftli ­ che Aufschwung in den Jahren 1948 und 1949 nach menschlichem Ermessen auch künftig noch anhalten wird. Engste Zusammenarbeit Die Industrieverbände setzen deshalb ihre Bestrebungen um eine Verbesserung der Kaufkraft der Arbeitnehmerschaft mit Nachdruck fort, Bestrebungen, die ihr Ziel erst in der Schließung der Lohn-Preis ­ schere sehen können. Sie sind sich aus ­ nahmslos darüber klar, daß hierzu eng ­ ste Zusammenarbeit auf dem breiten Bo ­ den der gesamten Einheitsgewerkschaft erforderlich ist. Der Will« zu dieser en ­ gen Zusammenarbeit wurde von den füh ­ renden Funktionären der Einheitsgewerk ­ schaft eindeutig bekundet. Nicht zuletzt hängt aber die Wirksamkeit dieses Wil ­ lens von der Haltung der gesamten Ar ­ beitnehmerschaft ab, für die es gilt, »ich in der Gewerkschaft zusammenzuschLe- ßan und sie zu dem Machtfaktor zu ma ­ chen, dem auf die Dauer keine unüber ­ windlichen Widerstände entgegengesetzt werden können. Zusammenfassend möchte ich feststel ­ len : Trotz dem wirtschaftlichen Auf ­ schwung im Saarland ist die Lage der Arbeitnehmer und in ganz besonderem Maße der Rentner nach wtle vor äußerst unbefriedigend und hat sich gerade in den letzten Wochen durch die ungerechtfer ­ tigten Preissteigerungen noch erheblich verschlechtert. Wir sind als Einheitsge ­ werkschaft nicht gewillt, dieser Entwick ­ lung länger tatenlos zuzusehen, einer Ent ­ wicklung, durch die das soziale Unrecht immer größere Ausmaße annimmt und in der alle die Grundsätze wieder oberstes Gesetz zu werden droben, welche in der Vergangenheit di« tieferen Ursachen des Zusammenbruches waren. Wir sind uns der vollen Verantwortung der Gemein-, schaft gegenüber bewußt, müssen aber, nachdem alle Bemühungen der Gewerk ­ schaften bis heute auf friedlichem Wege zu einem befriedigenden Ergebnis nicht geführt haben, die Kreise, die es angeht, darauf aufmerksam machen, daß die Bei ­ behaltung des von ihnen bis jetzt einge ­ nommenen Standpunktes Folgen zeitigen muß, die von keiner Seite gewünscht wer ­ den können. Diese Ausführungen wurden am vorvetv gangenen Sonntag im Saarbrücker Rund ­ funk verbreitet,^