Seite 6 Juli 1950 „DIE ARBEIT" m junge iSemechldiofller Junge Gewerkschaftler werden geschult der Zeit vom 24. Juni bis 1. Juli 1950 fand m der Jugendherberge - Hom ­ burg-Sanddorf der erste Schuluugskursus der Einheitsgewerkschaft statt, an dem 20 junge O ewerk schattier teilnahmen. Es darf als ein erfreuliches Zeichen ge ­ wertet werden, daß die Teilnehmer rest ­ los einen G'cßieil ihres Urlaubes geopfert haben, um während dieses Kursus ihr ge ­ werkschaftliches Wiesen zu vertiefen und xu erweitern. Der Lehrplan stellt» manche Anforde ­ rungen an die Kollegen. Von morgens bis abends wechselten mit nur wenigen Pau ­ sen die verschiedensten Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften einander ab. Der Präsident der Einheitsgewerkschaft! Kollege Wacker, eröffnet» den Lehrgang in der stattlichen und herrlich gelegenen Jugendherberge und gab den Teilnehmern in längeren Ausführungen Richtlinien für ihre verantwortungsvolle Aufgab» in der Gewerkschaft mit auf den Weg. Der Jugendsekretär der EG„ Kollege Blaß, behandelte in einem Vortrag das Thema: „Jugend und Gewerkschaft“ aus ­ führlich die Situation der heutigen Jugend des schaffenden Saarvolkes. Eine Diskus ­ sion, wie man sie an ihrem Niveau lei ­ der heute nur sehr selten in Kreisen jun ­ ger Menschen vorfindet, gab die Hoff ­ nung, daß die Kursusteilnehmer an ihren Wirkungsstätten ihren Mann stehen wer ­ den. Die Vorlesungen und Arbeitsgemein ­ schaften, für die die Kollegen Dr. Leiner, La wall, Eisenbeis, Rieth, Schäfer, Bouil ­ lon und Zimmer verantwortlich zeichnetest, machten die aufmerksamen Zuhörer mit den Problemen der Allgemeinen Rechts ­ lehre, Volkswirtschaftslehre, Betriebswirt ­ schaftslehre, Arbeitsnechtsiehre, Sozialpo ­ litik (Invaliden-, Unfall- und Krankenversi ­ cherung) sowie mit der geschichtlichen Entwicklung der Gewerkschaften von der Entstehung bis zur Gegenwart vertraut. Es darf dabei betont werden, daß es natürlich nicht Sinn und Ziel dieses er ­ sten Lehrganges sein konnte, diese gan ­ zen Probleme so erschöpfend *u behau dein, daß nun „fertige Volkswirtschaftlei“ den Heimweg an treten sollten, der Grund ­ stein wurde jedoch gelegt. Es ist beab ­ sichtigt, weitere derartige Kurse durchzu ­ führen, um nachher durch eine entspre ­ chende Auslese die Teilnehmer für einen oder mehrere Aufbaukurse zu ermitteln. Erfreulich war die Kameradschaft von Beginn bis zum Schluß des Lehrganges. An Frohsinn und Sehers fehlte es natur ­ gemäß eben nicht. Es soll sogar welche geben, die inbezug auf „Schabemaks“ be ­ sonders herhalten mußten. Wir wollen aber auch nicht vergessen! den Herbergseltern recht herzlich zu dan ­ ken für die liebevolle Aufnahme und vor allem für die hervorragende Zubereitung der Mahlzeiten. Es war, das darf ruhig behauptet wer ­ den, wie zu Hause bei Muttem. Der Dank der jungen Gewerkschaftler gilt aber auch ganz besonders der Hauptverwaltung der EG. und den Dozenten, die sich all« Mühe gaben, den umfangreichen Stoff so inter ­ essant wie möglich an ihre Zuhörer he- xrn zutragen. In unseren nächsten Ausgaben und Schulungsbriefen werden wir das verwer ­ ten, was uns an Homburg-Sanddorf ge ­ boten wurde. Wieder „geprüfte Bausgehilfinnen" Das Arbeitsministe r iu m hatte am 5. Juli vu einer wichtigen Besprechung eingela ­ den, die di« Wiedereinführung der Haus- wirtschaftlehre zum Gegenstand hatte. An der Besprechung nahmen neben dem Jugendsekretariat der EG. noch folgend« Organisation bezw. Behörden teil: Ar ­ beitsgemeinschaft der kath. Frauenver ­ bände, Evangelischer Frauenbund, Ver ­ band erwerbstätiger Frauien und Mädchen, Direktion der Mädchenberufsschule, Mini ­ sterium für Kultus, Unterricht und Volks ­ bildung, Arbeitsämter, Abteilung weib ­ liche Berufsberatung, Jugendsekretariat der Christlichen Gewerkschaften. Die Referentin, Frl, Pütz, Ministerium für Arbeit und Wohlfahrt, deren Initiative die ­ se Besprechung zu verdanken ist, erläu ­ tert« Sinn und Ziel der Wiedereinführung der hauswirtschaftlichen Lehre. Di* An ­ wesenden sprachen sich alle für diesen Plan aus und brachten die verschieden ­ sten Gesichtspunkte zu Gehör, welche «ine solche Maßnahme nur allzu gerecht ­ fertigt erscheinen lassen. Geht es doch darum, der weiblichen Jugend zu helfen und sie darüber hinaus nicht nur aus ihrer Berufsnot, sondern auch aus der ideellen Not herauszuheben. Im Rahmen dieses Xurzartikels ist es lei ­ der nicht möglich, auf die Einzelheiten •inzugehen. Es darf jedoch abschließend gesag1 werden, daß di« Besprechung in einem •ehr guten Geist» der Zusammenarbeit verlaufen ist und dementsprechend auch ein Ergebnis erzielt wurde, mit dem wir auch als Gewerkschaften durchaus zu ­ frieden sein können, Dringlictikeitsantiag an Regierung und Landtag In einer Eingabe an den Herrn Arbeits- minister befaßt sich das Jugendsekretaiiat mit der auch von anderer Seite aufge ­ worfenen und von uns unterstützten Sen ­ kung der Beitragsleistung zur Kasse für Familienzulagen für Lehrlinge. In der Eingabe heißt es u. a.: Bezugnehmend auf unser Schreiben vom 25. Mai 1950 betr. Senkung des Beitrags ­ satzes zui Kasse für Familienzulagen für Lehrlinge von 14o/o auf 2o/o erlauben wii uns, sehr geehrter Herr Minister, erneut an Sie heranzutreten mit der dringenden Bitte, noch vor Schluß der Sitzungsperi ­ ode des Landtages eine entsprechende vorläufige Regelung erwirken zu wollen. Begründung: Außer den bereits in unserem Schreiben vom 25. Mai 1950 angeführten Begrün ­ dungen hegen wir die Hoffnung, daß die Einstellungsfreudigkeit der Arbeitgeber wesentlich gesteigert werden könnte, wenn eine Herabsetzung des Beitrags ­ satzes bereits jetzt die angestrebte Lö ­ sung durchgeführt werden könnte. Wir denken dabei besonders an die Tatsache, daß sich diese Entlastung bei den Neu ­ einstellungen von Lehrlingen zum 1. 8. 1950 (Schulentlassung) nur günstig aus ­ wirken wird. In der Hoffnung, daß es gelingen möge, die Angelegenheit durch einen Dringlich ­ keitsantrag noch in dieser Sitzungsperi ­ ode zu erledigen, zeichnet mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung gez.: Blaß Jugendsekretär der E. G. Reine Herabsetzung der Eiziehungs- beihilfen Auf Grund verschiedener Pressemel ­ dungen (Saarbrücker Zeitung vom 20. 6. und „Neue Zeit“ vom 24. 6. 50) solltei Arbeitsminister Kirn auf der Großkund ­ gebung der Arbeitsgemeinschaft des taarländischen Handwerkes u. a. folgen ­ des erklärt haben: „In Ihrer Handwerkerzeitung steht ge ­ schrieben, daß der Arbeitsminister schon vor längerer Zeit davon gesprochen habe, die Erziehungsbeihilfen für Lehrlinge he ­ rabzusetzen. Ich habe das nicht nur er ­ klärt, sondern auch in einer Gesetzes ­ formulierung dem Landtag unterbreitet, Dieses Gesetz liegt nicht erst seit der ersten Sitzungsperiode vor, sondern schon seit Schluß der letzten". Auf Grund einer Unterredung des Ju ­ gendsekretariates der E. G. mit dem Herrn Arbeitsminister Kirn teilen wir hier ­ zu folgendes mit: Obiges Zitat aus der Rede des Arbeits ­ ministers entspricht nicht der Formulie ­ rung und dem Sinn der Rede. Es handelt sich nämlich hierbei nicht etwa um die Herabsetzung der Erzie ­ hungsbeihilfe für Lehrlinge, sondern um die auch von uns angestrebte und unter ­ stützte Herabsetzung der Beitragslei ­ stungen des Arbeitgebers an die Kasse für Familienzulagen bezüglich der Lehr ­ linge. (Siehe auch Eingabe an das Mi ­ nisterium!) Die Schlußfolgerungen, die angesichts dieser fehlerhaften Berichterstattung ge ­ macht wurden, entbehren daher jeglicher Grundlagen. In diesem Zusammen lang sei auch darauf hingewiesen, daß überhaupt nicht an eine -*• c’er Erziehungsbeihilfen gedacht ist. Auch im Schmiedehandwerk wurde keinerlei Kon ­ zession von Seiten des Arbeitsministeri ­ ums gemacht. Eine „ein"-stimmige Resolution Die Ausgabe Nr. 67 vom 29. 6. 50 der „Neue Zeit“ brachte unter der Ueber- schrift „Jugend verteidigt P. Obermeisr" eine Resolution, die in dieser Form in der besagten Jugendversammlung in St. Arnual überhaupt nicht zur Abstimmung gelangte. Selbst die dort vorgelegte Re ­ solution wurde ausdrücklich als nicht ver- ölfentllchungsreif betrachtet. Dies bestätigte der Vorsitzende der Ortsjugeadgruppe St. Arnual dem Jugend- sekretär der E. G. bereits vor der Ver ­ öffentlichung in der „Neue Zeit“. Er bestätigte gleichzeitig, daß die ver ­ öffentlichte Resolution, über die nicht ab ­ gestimmt wurde, in seinem Auftrag erst von dem Kollegen Knoth nach der Ver ­ sammlung ausgearbeitet worden sei. Desgleichen erklärte Kollege Hermann, daß die überarbeitete und später ver ­ öffentlichte Resolution nicht dem Inhalt der in der Versammlung vorgelegten Re ­ solution entspreche. Wenn nun der Berichterstatter der „Neue Zeit“ einen derartigen Bericht übergibt, in welchem es heißt, daß die Entschließung einstimmig angenommen wurde, so kann es sich höchstenfalls um die „e i n-stim- mige Annahme durch den Verfasser selbst handeln. Internationale Arbeitstagung der Gewerkschaftsjugend der Eisenbahner Deutschlands In der Zeit vom 23. bis 29. Med I960 fand fai Schluchsee (Soh war*weftd) kn Hau ­ te des Freiburger Burtituts für internatio ­ nale Begegnungen «in« Arbeitstagung der Gewerkschaftsjugend der E&eenbdhner Deutschlands statt. Als Vertreter d*r EmbeiU ge werkechafti, I. V. Eisenbahn, nahmen an dstr interna ­ tionalen Begegnung der Verbands jugend- sekretär Hans Bi«hl (Neunkirahen) und der 1. Beauftragte des Betriebsrates EAW St. Wendel Willi Neu fang (St. Wendel) teil. Nachfolgend seien ta großen Umrissen die Vorträge der einzelnen Referenten ver ­ öffentlicht: Felix Kempf (Jugendsekretär vom DGB.) sprach Über „Die soziale Lage der deutschen Jugend", Verführt und ge- brandmarkt durch ein« satanisch« Pro ­ paganda wurde dt« deutsche Jugend von 1939 bis 1945 auf dem Schlachtfeld an ­ geblich für das Vaterland ln den Tod ge ­ trieben. Das Erbe, dkxs nach dem Zusam ­ menbruch angetreten worden Jst, bestand nicht nur cruf materiellem und sozialem Gebiet, sondern auch auf geistigem Ge ­ biet aus einem Trümmerfeld. Wenn man bedenkt, daß im Bundesgebiet von über 1,9 Millionen Arbeitslosen ein. Drittel Jugendliche im Alter von 18 bis 2$ Jahren sind, »o kann man verstehen, welch umfassende Arbeit die deutsch« Gewerkschaftsbewegung zu leisten hat. Willi B r i t s c h , Gewerkschaftssekretär der GdED Bezirksleitung Karlsruhe be ­ faßte sich mit der sozialen Betreuung der E senbahner Deutschlands. Genau wi« dem schaffenden Menschen anderer Be ­ rufszweige erging es auch dem Eisenbah ­ ner bei der Erkämpfung eines menschen ­ würdigen Daseins. Für den Kampf gegen die Bourgeosie und zur Erreichung von sozialen Verbesserungen müssen glühen ­ de Herzen und kühles Denken vorhanden sem. D e Kollegen der französischen Ge ­ werkschaft sind uns m vielen Dingen ein gutes Stück voran. Wir denken hier be ­ sonders cm die Fortzahlung des Gehaltes bei Erkrankungen des Arbeiters. Das vor ­ teilhafte Preischeinwesen und di« günsti ­ ge prozentual« Verrechnung bei Ruheset- tung eines Eisenbahn.be diene te ten sowie der erhöht« Urlaub von 24 Tagen gegen ­ über dem Urlaub bei uns in Deutschland. Kollege Karl Weiß, der Vorsitzende des Bezirksbetriebsrates Karlsruhe, ging auf die praktische Anwendung des Mit ­ bestimmungsrechtes bei der SWDH im Rahmen unserer Betriebsvereinbarung ein. Die Arbeitnehmer Westdeutschlands er ­ warten vom Bundesparlament in Bonn, betonte er, ein Gesetz, m dem das Mitbe ­ stimmungsrecht der Betriebsräte bei der Leitung, Verwaltung und Gestaltung ihrer Betriebe eindeutig und klar niedergelegt wird. Für uns bedeutet das Mitbestim ­ mungsrech*, politisch gesehen, nichts an ­ deres als di« Erlangung der Ebenbürtig ­ keit zwischen dem Wirtschaftsfaktor „Ar ­ beit", mit dem Wirtschaftsfaktor „Kapi ­ tal". Franz Wetz, ROI, Mitglied des Ju ­ gendparlaments Karlsruhe, referierte über „Schiene und Straße:. Das große Problem der Konkurrenz „Schiene und Straße“ ge ­ winnt immer mehr an Bedeutung und ist somit zu einer internationalen Angelegen ­ heit geworden. Alle Kräfte müssen zu ­ sammengefaßt werden, um gegen den li- beralistischen Kapitalismus amzukämpfen, Alois Meyer, Oberrat und Personal ­ dezernent der ED Karlsruhe, stellte zu dem Thema: „Die Dienst- und Rechtsver ­ hältnisse des deutschen Eisenbahners" fest: Durch die zur Zeit in Frankreich be ­ stehende Besoldungs- und Personalord- nung wurde für das gesamte französisch« Eisenbahnerpersonal ein® wesentliche Stu ­ fe der Aufwärtsentwicklung erreicht. Nach Behebung einiger Mißstände' könnte diese Besoldungs- und Personalordnung als Grundlage für ein zentrales europäi ­ sches Eisenbahnnetz dienen, Das einzig« Hindernis für die Gutachtung dieses fran ­ zösischen Systems liegt bei uns auf sei ­ ten der nicht fortschrittlich und sozial denkenden Eisenbahner im Beamtenver ­ hältnis. Dann ergriff Fernand Laurent, Sekre ­ tär der Eisenbahnergewerkschaft „Force- Ouvrier« Paris“, das Wort. Im großen Rahmen schilderte Fernand Laurent die Entwicklung der französischen Gewerk ­ schaften, Wir sind aus dem Weltgewerkschaftsbund •ind aus dem Weltgewerkschaftsbund ausgetreten, weil er aufgehört hat, eine freie Gewerkschaftsinternationele zu sein, weil er nur noch ein Propagandawerkzeug Und Hilfsmittel des sowjetischen Imperia ­ lismus ist, weil er wohl die Freiheitsbe ­ schränkungen in den Kolonien, die Ueber- bleibsel des Nationalsozialismus in Deutschland, der totalitären Regime in Griechenland und Spanien anprangert, zur Unterdrückung des wahren Gewerk- schaftswesens jenseits des eisernen Vor ­ hangs, zu den Zwangsarbeitslagern mden UdSSR und den demokratischen Volksre ­ publiken, zu den Verhaftungen odier Mor ­ den mutiger Gewerkschaftler, zur uner ­ träglichen Polizeidiktatur, die in einem Teil Europas herrscht und mit den ab ­ scheulichsten Lügen die Völkieir unter ­ drückt, jedoch schweigt. Hoffen wir, daß sich an diese eindrucks ­ volle und fruchtbringende Arbeitstagung noch oft solche internationale Treffen an ­ schließen mögen, um hüben und drüben die Menschen einander näher zu bringen. B-i. Dozenten, Teilnehmer und Gäste heim Letirgtmg für junge Gewerkschaft« Homburg-SanddorB