Seite 8 „DIE ARBEIT, 1950 Der Versicherungsvertreter in der Saarwirtschait Oie große Protestkundgebung der Bauarbeiter am 11. Mai im Großen Saal des Johannishofs in Saarbrücken. Von dieser Versammlung, die für jeden Gewerkschaftler eine erhebende Kund« gebung darstellte, nahmen die Teilnehmer das feste Vertrauen in die Stärke der gewerk ­ schaftlichen Organisation und damit das Vertrauen auf einen baldigen Erfolg der Lohnver- handlungen mit. T>as JntecftcUiouaCe Ackeit&amt Ein unverkennbarer Faktor in der Saar- wirtschaft ist unbestreitbar die große An ­ zahl der hier tätigen Lebensversiche- rungs- u. Sachversicherungs-Gesellschaf ­ ten. Es ist nicht au überblicken, in welch großer Zohl etwa 50 verschiedene Orga- nisationsformen für ihre Ziele eintreten und versuchen, sie in guten Produktions ­ zahlen zum Ausdruck zu bringen. Der wesentlichste Moment bei der Betrach ­ tung dieses Wirtschaftszweiges ist die Tä ­ tigkeit der Außenorgane, die vom Inspek ­ tor bis zum Werber eine enorme Arbeits ­ leistung erfüllen müssen, um durch ihr überzeugendes Auftreten wirkliche Erfolge zu erzielen. Wir denken zurück an die Zeit der modernen Lebensversicherung, die oftmals nur den besser situierten Volkskreisen Vorbehalten war, während die h'-eite Masse sich weniger mit die ­ sem Gedanken befassen durfte. Ohne die Nachwirkungen der vergan ­ genen Kriege zu beschönigen, muß ge ­ sagt werden, daß gerade die Epoche des Krieges und der in dieser Epoche zu er ­ füllenden Verpflichtungen in weitgreifen ­ dem Umfang den Gedanken des Versi ­ ehe u^gsabseblusses forcierten. War die private Lebens- bzw. Volks ­ versicherung in England zuerst beheima ­ tet, so hat sie sich später stark verla ­ gert, und gerade bei uns im Saarland darf man behaupten, daß das Bedürfnis zum Abschluß von Versicherungen mit ­ unter größer ist, als in rein wirtschaft ­ lich aufgebauten Provinzen anderer Län ­ der. Der gefahrvolle Beruf unserer Berg- arbeker ued Beschäftigten in der Schwer- und Bauindustrie, vor allem aber das Ver ­ sorgungsbedürfnis für die eigne Familie sind die Voraussetzungen. Es ist folgerichtig und nachweisbar, daß die Außenorpanisa ion von Versiche- rungsvertre e :n große Erfolge erzielt ha ­ ben, wenn die Grundlage ihrer Werbung auf der reellen Aufklärung des Kunden vorherrschend war. Man darf den Ver ­ sicherungsvertreter, der in Einzelorgani- sationen auch die Bezeichnung Vertrau ­ ensmann führt, nicht als einen Laien ein- Echälzen, denn an ihm werden im höch ­ sten Maße Anforderungen an kaufmän- rrischem Wissen und geschäftlicher Ue- bersicht gestellt. Man soll seine Tätig ­ keit nicht nur von der Verdienstbasis aus betrachten, sondern Verständnis dafür cuibringen, daß er seine größte Eigen ­ schaft für diesen Beruf unter Beweis stellt, wenn er den Schwerpunkt der Werbung, die reelle Ueberzeugung des Kunden voll- bri icrt. Daß die Tätigkeit des Versicherungs- vertre'e.s mit der Kundenwerbung nicht beendet ist, sondern dort erst den An ­ fang nimmt, wird oftmals nicht erkannt, weil man den Aufbau einer Versiche ­ rungsgesellschaft nicht kennt und vor al ­ le i Dinge i übersieht, daß entsprechend der besiehe, den Vorschriften, die angs- sammeilen Kapitalien, dis Eigentum der Versiehe u rgscehmer sind, mündet icher angelegt we den müssen. Wenn heute die Ka italgestel ung für den gemeinnützigen Wohnungsbau noch nicht in ausreichen ­ dem Maße nachgewiesen wird, so liegt dies ledia i h an einigen technischen Schwielig:«. i en, dis man erfahrungsge ­ mäß überbrücken muß. Daß dennoch eine Vielzahl von Millio ­ nen Franken den Weg in die Bauwirt ­ schaft und sicheren Anlagewert gefun ­ den haben, ergibt die Nachweisung in der saarländischen Presse, die vor einiger Zeit die Namen der Gesellschaften nannte, die weit über 100 000 000.— Fran ­ ken für den Wiederaufbau in den Städten Saarbrücken und Saarlouis bereitgestellt haben. Nachdem die durch die Währungsum ­ stellung verursachten Schwierigkeiten fast bei allen Gesellschaften oder Ge ­ sellschaftsgruppen als überwunden an ­ zusehen sind, wird man in Bälde damit rechnen können, daß die Dispositionen zeitlich voraussehend erfolgen können und es wird der Fall werden, daß vor allen Dingen der Wohnungsbau durch eine erträgliche Zinsbelastung finanziert wird. Von dieser Perspektive aus gesehen ist der Versicherungsvertreter in unserer Saarwirtschaft ein nicht wegdenkbarer Finanzberater für alle Volksteile und zu ­ gleich Sammelbecken der Kapitalien für Notfälle im menschlichen Leben. J. H. {Die Fachgruppe Banken, Sparkassen und Versicherungen der Einheitsgewerkschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht mit vorstehenden wie weiteren grundlegenden Ausführungen ein ­ mal der Berufsgruppe der Versicherungsver ­ treter und ihrer verantwortungsvollen Tätig ­ keit gerecht zu werden, und zum andern soll die breite Schicht des Publikums auf die volkswirtschaftliche und nicht zuletzt auch so ­ ziale Bedeutung des Versicherungszv/eiges ln sachlicher Form aufmerksam gemacht werden.) Herausgeber; Hauptverwaltung der Ein ­ heitsgewerkschaft, Saarbrücken 3, Brauerstr. 6-8. Verantwortlich für den Gesamtinhalt: Heinrich Wacker. Redaktion: Sozial- und Wirtschafts ­ politik C. Schuhler, fndustrieverbände, lugend sowie Feuilleton I. P Wambach. — Druck: Druckerei Saar-Zeitung Dr, Nikolaus Fontaine. Zusätzliche! Verdienst! Für jeden. Leichte Arbeil zuhause. 1 Stunde täglich z. Züchlen von weißen Mäusen und Meerschweinchen für Laboratorien. Sofortige Lieferung. - Absatz der Tiere vertraglich garantiert. Auskünfte gegen Einsendung von 30 - ffrs. Sonderbedingungen. Ang. BROTHIER M. ä Maintenon (E. & L.) Tiere für Laboratorien. Leichte Heimarb. neben Ihrer betufl. Tätigk. 1 5td. tägl.ohneSpeziairäume. Züchten v.weißen Mäusen u. Meerschweinchen f, Laboratorien ? Lieferung sof. Absah d. Tiere durch Vertrag garantiert. Ausk. u. Ratsch!, gegen frankierten Umschlag. V1LLETTE LE COUDRAY PAR VILLIERSLE MORHIER$(E.&L.) Das Internationale Arbeitsamt ist von einer derart hervorragenden Bedeutung für die Arbeitnehmerschaft, daß sich jeder Gewerkschaftler die Mühe machen soll, sich über diese Institution ein klares Bild zu verschaffen. Der nachstehende Artikel behandelt die Entwicklung des Internationalen Arbeitsamts. In einem wei ­ teren Beitrag werden die bisherigen Er ­ folge und die weitere Zielsetzung behan ­ delt werden. 1897 tagte in der Schweiz ein van Schwei ­ zer Arbeitsorganisationen einberufener in ­ ternationaler Arbeiterschutzkongreß. Im gleichen Jahr wurde in Brüssel auf einem internationalen Kongreß die „Internatio ­ nale Vereinigung für gesetzlichen Arbei- ierschutz“ gebildet. 1901 g ündete die Ver ­ einigung als ständiges Büro ln Basel das „Internationale Arbeitsamt“. Diese Ver ­ einigung, die allerdings noch eine rein private Organisation darstellte, trug we ­ sentlich zu den Vorarbeiten für die Schaf ­ fung ener offiziellen internationalen Ar ­ beitsorganisation bei. Auf ihr Betreiben und aui Veranlassung der Schweizer Re ­ gierung traten 1906 und 1913 in Bern Re- gierungskonferenzen zusammen, die zu den ersten internationalen Arbeiterschutz- abkommen — Frauen- und Jungarbeiter ­ schutz, Verbot der Verarbeitung von wei ­ ßem Phosphor — führten. Bereits 1914, nach Ausbruch des Krie ­ ges, forderte die „Federation of Labour“, gleichzeitig mit der Friedenskonferenz ei ­ nen Arbeiterkongreß einzuberufen, der Mindestforderungen für Arbeiterschutz zur Aufnahme in den Friedensvertrag aufstel ­ len sollte. Auf Gewerkschaftskonferen ­ zen in Paris und Leeds wurde 1916 diesem Plan zugestimmt. Gleichzeitig wurde ein Programm aufgestellt, das u. a. die Schaf ­ fung eines internationalen Arbeitsamtes enthielt. Entsprechend diesen Beschlüssen bil ­ dete die in Versailles zusammen getretene Friedenskonferenz am 31. Januar 1919 eine Kommission, die Vorschläge für eine in ­ ternationale Arbeitsorganisation im Rah ­ men des Friedensvertrages’ ausarbeiten sollte. Den Vorsitz hatte der amerikani ­ sche Arbeiterführer Samuel Gompers. Die von diesem Ausschuß entworfene Verfas ­ sung für eine internationale Arbeitsorga ­ nisation wurde am 11. April 1919 von der Friedenskonferenz angenommen und dem Versailler Friedensvertrag eingefügt. Da ­ mit war die Rechtsgrundlage für eine internationale Arbeits- und Sozialpolitik geschaffen. Nach dieser Satzung des Friedensver ­ trags wurde die ILO dem Völkerbund als Organisation mit weitgehenden autono ­ men Rechten angegliedert. Zum ständigen Sitz der ILO-Zentralle bestimmte man Genf. Alle Völkerbundmitgliedstaaten waren automatisch Mitglieder der Inter ­ nationalen Arbeitsorganisation. Mitglieder der ILO brauchten dagegen nicht dem Völkerbund an zu geh Ören. V/ährend die Tätigkeit zwischen den beiden Weltkriegen sich ausschließlich cul reine Arbeitsfragen beschrankte und während des letzten Krieges in starkem Maße gelähmt wurde, erfolgte 1945, nach Kriegeende, ein ve-stärkter Einbau der Or ­ gan iadon in da: i ternalionalie Leben un ­ ter Anpassung an die veränderte weltpo ­ litische Lage. Die 26. Internationale Xr- „E K“ EINHEITSPREIS-KAUFHAUS f. d. Werktätigen. Gift und billig: Textilwaren, Schuhe usw. Stets Sonderangebote, 49 St. Joh. Markt 49. beitskonferenz, die 1944 in Philadelphia zusammengetreten war, hatte bereits ein erweitertes Programm für die Organisa ­ tion aufgestellt und am 20. 4. 1944 in der sog. „Declaration of Philadelphia“ be ­ kanntgegeben. Diese Erklärung wurde von allen Mitgliedstaaten einstimmig an ­ genommen. Im Rahmen dieses neuen Programms und der neuen Aufgaben, die der ILO nach Kriegsende zufielen, schloß diese als erste internationale Organisation ein Ab ­ kommen mit den Vereinten Nationen ab, das ihr den Status einer besonderen Kör ­ perschaft der Vereinten Nationen verlieh« Bereits 1945, nach Unterzeichnung der Charta der Vereinten Nationen, die den Anschluß besonderer Körperschaften vor ­ sah, hatte die 27. Internationale Arbeits ­ konferenz — die erste Konferenz der ILO, die seit 1939 wieder in Europa stattfand — in einer Entschließung die Charta be ­ grüßt und gleichzeitig den Anschluß an die Vereinten Nationen befürwortet. Der Völkerbund bestätigte in seiner Schlußsit ­ zung im April 1946 die Aufhebung der bis dahin vorhandenen Bindungen der ILO an seine Organisation. Gleichzeitig wur ­ den die Besprechungen über den Anschluß der ILO an die Organisation der Verein ­ ten Nationen aufgenommen. Am 30. Mai 1946 wurde von dem Wirtschafts- und So ­ zialrat der Vereinten Nationen und dal ILO in New York ein Vertragsentwurf un ­ terzeichnet, der die Koordinierung der Ar ­ beitsweise und Geschäftsführung beider Organisationen festlegte. Dieses Abkom ­ men wurde am 2. Oktober 1946 auf der 19. ILO-Konferenz in Montreal ratifiziert. Nachdem am 14. Dezember 1946 auch die Generalversammlung der Vereinten Na ­ tionen ihre Zustimmung gegeben hatte, fand am 19. Dezember 1946 die offizielle Unterzeichnung des Vertrages durch den Generalsekretär der Vereinten Nationen, Trygve Lie, und den damaligen General ­ direktor der ILO, Edward Phelan, statt. Das Abkommen sieht die gegenseitige Entsendung von Vertretern zu den Konfe ­ renzen, den Austausch von Informationen, Statistiken und sonstigen Ermittlungser ­ gebnissen sowie die Mitarbeit der ILO beim Sicherheitsrat und Treuzänderrat vor. Heute gehören dem Internationalen Amt über sechzig Mitgliedsstaaten an. (In ei 5 * nem weiteren Artikel werden wir auf die bisherigen Erfolge und die weiteren Pla ­ nungen des Internationalen Arbeitsamtes eingehen.) Goneraldi r e 7 :'* fi'T •“-"IV 1 Arbeitsamt«*, .