A^^e^teiJlJteviuiBexmdm, Aeri a g und Redaktion: Saarbrücken, Brauer* etraßa 6—8, Fernruf Nr. 2 62 29. — Bankkontos Kvelsepavkaeee Saarbrücken Konto-Nummer 6709. Erscheint zunächst einmal monatlich. lTür Gewerkschaftler frei. .Verkaufspreis für Nicht-Gewerkschaftler 0,25 Mark. *■* —• Postabonnement 0,75 Mark, vierteljährlich. — — 2. Jahrgang August 1947 Nummer 8 .. wenn Dein starker Arm es will" KAMPF DEN SPALTER Uber 3000 Delegierte aller Industrieverbände bekennen sich in einer gewaltigen Protestkundgebung gegen die Spaltung des schaffenden Volkes für die Gewerkschaftseinheit - Ein historischer Tag in der Wartburg - Das Betriebsrätegesetz erlassen Noch stehen wir unter dem ge- waltigen Eindruck der Delegierten- Ktmferenz in der Wartburg, die schon rein äußerlich durch die hoho Teilnehmerzahl, mehr aber noch durch die Disziplin und Geschlossen- heit der Aussprache sich zu einer un- vergeßlichen Kundgebung gestaltet hat. Wie war es nach den bitteren Erfahrungen der vergangenen 15 Jah- ren möglich, daß eine Gruppe von Menschen, die mit den Begriffen von Demokratie und Toleranz ihren An- trag auf Zulassung einer christlichen Gewerkschaft ohne jede durch beson- dere Nähe zum schaffenden Volk an der Saar gerechtfertigte Degimitation zu begründen versucht, so wirklich- keitsfremd und ahnungslos dem Irr- glauben verfallen konnte, die Ar- beitnehmerschaft habe aus der Ge- schichte nichts gelernt und wünsche nichts sehnlicher als die konfessio- nelle und politische Aufspaltung ihrer gewerkschaftlichen Interessen- vertretung? Wir haben nicht erwartet, daß wir nach einem gemeinsamen harten Kampf gegen den Erzfeind des arbei" tenden Menschen, gegen Reaktion und Faschismus, nach der endlich gewonnenen Freiheit aller Werktä- tigen in der die Arbeitnehmerschaft umspannenden Enheitsgcwerkschaft zu dieser unerfreulichen, aber für den Angreifer in den Folgen gewiß pein- lichen Auseinandersetzung ge- zwungen sein würden. Die Herren waren schlecht beraten. Das hat ihnen die unmißverständliche Ant- wort der 2000 Delegierten in der Wartburg gezeigt. Wir haben keinen Grund, der Militärregierung oder dem französischen Kabinett daraus einen Vorwurf zu machen. Die Be- satzungsmacht hat demokratisch ge- handelt und nach demokratischen Prinzipien entschieden. Die Schuld trifft ausschließlich die Antrag- steller selbst und zwar mit einer Schwere, von deren Ausmaß sie die nächsten Wochen und kommenden Ereignisse überzeugen dürften. De- mokratie und Toleranz sagen sic, meinen gber „divide et impera“ — und wollen in wörtlicher Überset- zung „teilen“,- um besser herrschen zu können“. Wir werden es zu ver- hindern wissen. Bereits heute können wir mit Ge- wißheit sagen, daß der .Angriff auf die Einheitsgewerkschaft an der Solidarität des schaffenden Volkes gescheitert ist. Mögen sich auch in einzelnen Bezirken kleinere Gruppen zur „christlichen“ Koalition beken- nen. Ihre Zahl fällt nicht ins Ge- wicht und entbehrt jeder Voraus- setzung auf Erfolg. Die Einheitsgewerkschaft im Saar- land ist nicht nur eine Organisations- form der Arbeiter, sie ist bereits ein wii^sthafts- und sozialpolitischer Begriff von einprägsamer Realität und Größe. In dem Spaltungsver- such sah sie ihre erste Bewährungs- probe. Sie hat sie glänzend bestan- den und wird mit der Durchführung der Betriebsrätewahien beweisen, daß sie in zweijähriger Aufbauar- beit unter Wahrung der konfessio- nellen und parteipolitischen Neu- tralität zu einem der entscheiden- sten Faktoren des wirtschaftlichen, In einem den geschichtlichen Werdegang des Einheitsverbandes und die Spaltungsversuche beleuch- tenden Referat umriß der Präsident der Einheitsgewerkschaft Hein- rich Wacker die Situation. Der Redner geht von dem Tag der Grundsteinlegung für den Neuauf- bau der Gewerkschafter! aus, der Gründungsversammlung des Indu- strieverbandes Bergbau in Reden am 18. November 1945. Ein langer- sehntes Ziel war endlich erreicht: Der Zusammenschluß aller Werktä- tigen (ob Arbeiter. Angestellter, Be- amter, ob ehemals Hirseh-Dunker- scher, christlicher, sozialistischer oder kommunistischer Gewerk- schaftler) in einer Gewerkschaft. In jener Stunde gelobte man: „Nie und nimmer darf diese Einnelt verloren gehen.“ Heinrich Wacker erinnerte da- ran, daß das Unternehmertum im- mer der gespaltenen Arbeiterschaft in einer einheitlichen und geschlos- senen Kampffront gegenüberstand und führte aus: „Wohl waren war in jener Grün- dungsversammlung uns bewußt, daß die Zeit nicht allzu fern, wo die Reaktion Schrecksekunden über- wunden und dieselben Men- schen, die damals mit ihrem schuldbeladenen Gewissen noch nicht den Mut hatten an die Offent- sozialen und kulturellen Lebens im Saarland geworden ist. Es ist die Absicht unseres Konfe- renzberichtes, alle Möglichkeiten der Dokumentation auszuschöpfen, um unseren Lesern ein wahrheitsge- treues Bild vom Verlauf der Tagung zu geben. Wir bringen aus diesem Grunde einem dem Raum ange- paßte nahezu wörtliche Wiedergabe der Referate und Diskussionen. Als der 1. Vorsitzende des Indu- strie-Verbandes Metall, Kollege Fliegler, kurz nach neun Uhr die Tagung eröffnete, war die Wart- burg bis auf den letzten Platz be- setzt. Weit über tausend Funktio- näre standen in den Seitengängen und Vorräumen. Kollege Flicgier, der selbst aus der ehemaligen christlichen Gewerkschaftsbewegung stammt und der sein Bedauern aus- lichkeit zu treten, sobald sie wieder Morgenluft wittern, den Kampf gegen diese Einheit aufnehmen würden. Wir haben uns nicht getäuscht. Eine Welle der Entrüstung, der Empörung ging durch die organi- sierte Arbeitnehmerschaft an der Saar, nachdem auf der Tagung der Christlichen Volkspartei bekannt- gemacht wurde, daß eine Christliche Gewerkschaft bei den Saarberglculen gegründet werden soll. Wir müssen uns heute daran erinnern, daß cs der deutsche Großgrundbesitz, das Großkapital, die deutsche Schwer- und Rüstungsindustrie war, die,' während die furchtbarste Weltwirt- schaftskrise als Folge der kapitali- stischen Wirtschaftsordnung ein Millionenheer von „ Arbeitslosen schuf, diese Menschen seelisch und körperlich dem Elend Preisgaben. Zur selben Zeit haben sie aber Mil- lionenbeträge Hitler und seinen Kumpanen zur Verfügung gestellt, damit sie ihre Machtposition weiter ausbauen und die Entrechtung und Versklavung der Arbeitnehmerschaft vornehmen und den Zweiten Welt- krieg vorbereiten konnten. Machtlos stand die in weltan- schaulich und beruflich auseinander gerissene, in gegenseitigem Bruder- drückte, daß diese Neugründung ge- nehmigt worden sei, stellte fest, daß die Einheitsgewerkschaft die Ge- werkschaften im Interesse aller Ar- beitenden aufgebaul habe, frei vv\ allen parteipolitischen und religiö- sen Tendenzen. Daher könne die Spaltung nicht ruhig hingenommen werden,» und bis in die Weltöffent- lichkeit müßten die Proteststimmen erschallen und gehört werden. Spannungsvolle Erwartung lag über der Versammlung, die sich immer wieder in stürmische» die Referate unterbrechendem Beifall entlud. Der Eindruck der Einmütig- keit und Entschlossenheit war über- wältigend urtd zwang alle, die das Glück hatten, an dieser einzigarti- gen Kundgebung teilzunehmen in seinen Bann. Lassen wir die Refe- renten sprechen: kampf ihre Stoßkraft verzehrende Gewerkschaftsbewegung dieser Ent- wicklung gegenüber. Der erste und zweite Mai 1933 war nicht bloß der Sieg des National- sozialismus über die Gewerkschaften, sondern auch der Sieg d c r deut- schen Rüstungsindustrie über das Milllonenheer aller Werk- tätigen in Deutschland. Diese Uneinigkeit und Machtlosigkeit führte naturnot- wendig zu der kampflosen Preisgabe von Freiheit und Menschenrecht. An Stelle der Gewerkschaften trat die DAF, die eine Aufgabe hatte und erfüllte, die völlige Ent- rechtung aller Schaffen- d e n. Der nationalsozialistische " Eroberung?- und Raubkrieg nvurde vorbereitet und durchgeführt. Heute müssen wir uns fragen: haben nun diese Menschen, die heute wieder die Einheit in der Ge- werkschaftsbewegung zerschlagen wollen, alles das' und die zwölf Jahre des fluchwürdigen Hitler- systems vergessen? (Anhaltender Beifall). Sind sie sich nicht bewußt, daß wir durch unsere Taten- und Macht- losigkeit mit daran schuld sind an diesem namenlosen Elend unse- rer Heimat und der ganzen Will?“ Der Redner erinnert daran, wie sich inmitten der Trümmer, d«c Heinrich Wacker hat das Wort