К SAAR-BERGBAU К Die übertage- Belegschaf) Es hat schon seine Richtigkeit, daß Jeder, der im Bergbau beschäftigt ist, sich Bergmann nennt. Mag er nun auf der Bergehalde oder in der Schlosserei arbeiten, Fördermaschi- nist oder Bürogehilfe sein, am Lese- band stehen oder als Wächter die Grube „hüten“, immer ist er Berg- mann. Freit der Jungkamerad ein Mädchen, dann sagt er seiner Hol- den, daß er Bergmann ist, auch wenn er in der Lampenkaue sich um die Füllung der Lampen bemüht oder auf dem Holzplatz arbeitet. Wenn ein Außenseiter sich aber als Fachsimpel anders benennt, dann muß er kübelweise den Spoit über sich ergehen lassen. Diese Einheit- lichkeit in der Berufsbezeichnung ist der Ausdruck der Verbundenheit aller im Bergbau Beschäftigten. Das war im Bergbau noch immer so ge- wesen. Diese Tradition findet ihre Erklä- rung zunächst in der Laufbahn des Bergmannes. Als Jungknappe durch- läuft er alle Arbeitssparten von Uebertage .bis zu seiner Grubenein- fahrt. Nach Unfällen oder Berufs- krankheiten in der Grube kehrt er zeitweise oder dauernd wieder nach Uebertage zurück. Zum andern ist die Berufsbezeichnung in der Be- triebstechnik der bergmännischen Uebertage-Tatigkeit verankert. Zwar zeigt sich der Bergbau am augen- scheinlichsten beim Kohlenhauer unter Tage. Er arbeitet am „Stoß“ und gehört zum „Stoßtrupp“ der Kohlenschlacht. Der Uebertage- arbeiter ist der letzte, der seinen Vorrang nicht anerkennt, stand er doch mèislens selber im Stoßtrupp und arbeitet jetzt als Invalide am Leseband, wo er seine bergmännische Tätigkeit begonnen hat. Die Kohlen- gewinnung ist aber entscheidend /on betriebstechnischen Vorgängen ab- hängig, die sich „Uebertage" voll- ziehen. Dieses Ineinandergreifen einer Vielzahl vor) Arbeitsleistungen ist an sich nichts Ungewöhnliches. Die moderne Industrie hat diese Arbeits- teilung entwickelt. Sie ist auch dem Bergbau eigentümlich und doch unterscheidet er sich darin wesent- lich von anderen Produktionszweigen. Der Mann am Fließband in einer Fabrik leistet tagein, tagaus die gleiche Arbeit, und der Erfolg läßt sich im voraus schon errechnen. Anders ist es im Bergbau. Die organisierten Bergarbeiter unter und über Tage sind genügend geschult, um zu wissen, daß nur die Steigerung der Kohlenförderung eine Normalisierung des Wirtschafts- lebens gewährleisten kann. Die Kohle ist die entscheidende Voraus- setzung des Wiederaufbaues. Als Gewerkschaft aber sind wir ver- pflichtet, auf Mängel und Schwächen aufmerksam zu machen, die geeignet sind, die Kohlengewinnung zu ge- fährden. Diese Gefahr besteht in der allzugroßen unterschiedlichen Bewertung von Unter- und Ueber- tage-Leuten durch die. Verwaltung der Saargruben. Die Arbeit des Uebertage-Berg- mannes auf den Saargruben ist schon von den Nazis unterbewertet worden. Am härtesten wurden da- von die Handwerker und Maschi- nisten betroffen. Die Folge war ein Abgang bester Handwerker und auch anderer Facharbeiter. So ist auch heute noch beispielsweise die Ueber- tage-Belegscbaft von der Zurücker- stattung eines Teiles des Fahrgeldes ausgeschlossen. Wenn auch ein Ab- ßang von Arbeitskräften gegenwärtig Aicht in Frage kommt, so bleiben doch Arbeitsunlust und Interessen- losigkeit nicht aus. Erhält die Unter- tage-Belegschaft eine größere Menge Wein, und Uebertage wird in diese Zuteilung nicht einbezogen, dann darf man gewiß keine gesteigerte Arbeitsfreude erwarten. Das gleiche gilt von der Familienzusatzverpfle- gung, die dem Uebertage-Arbeiter versagt bleibt. Am allerwenigsten aber hat für diese unterschiedliche Behandlung die Bergmannsfrau Ver- ständnis. Die Beurteilung dieser Fragen muß den Bergbau als ein Ganzes be- trachten und berücksichtigen, daß die im Bergbau beschäftigten Ar- beiter betriebstechnisch aufeinander angewiesen und eingespielt sind. Die Leistung des einen ist die Leistung des anderen wert und sollte darum nicht Gegenstand einer unterschied- lichen Behandlung sein. Diese aber ist für das Zusammenleben in den Bergmannsdörfern nicht förderlich und beeinträchtigt wesentlich die bergmännische Arbeitsleistung in ihrer Gesamtheit. Alois Schmitt. Die Neu-Bergteute int Saarbergbau Die hohe wirtschaftliche Bedeu- tung der Kohle für den Wiederauf- bau und die Wiedergutmachung brachte es mit sich, daß Tausende aus anderen Berufen freigewordene Arbeitskräfte dem Saarbergbau so- wie anderen Bergbaubezirken zuge- führt werden mußten. Die Kräfte- anforderungen für den Bergbau halten weiter an, damit der Vor- kriegsstand der Belegschaftszifler erreicht bzw. noch erhöht wird. Die überalterte Belegschaft der ge- lernten Bergleute mußte durch junge, kräftige Leute erneuert werden. Aus fast sämtlichen Berufen rekrutieren sich heute die Neuberg männer. Sie bringen oft auch handwerkliche Fähigkeiten für den Grubenbetrieb mit, so z. B. als Schreiner, Schmiede, Dreher, Schlosser usw. Unter den berufsfremden Berg- leuten sind ehrlich denkende Kame- raden, die gewillt sind, sich für die Zukunft einen wirklichen Beruf zu sichern, wobei ihnen gleichzeitig die derzeitigen Vergünstigungen des Bergmannes sehr 2ustatlen kommen. Andererseits befinden sich aber auch unter ihnen viele, die nur konjunk- turmäßig Bergmann geworden sind, um die gegenwärtigen Vorteile wahr- zunehmen. aber jegliche Arbeits- freude vermissen lassen. Der Pro- zentsatz der Fehlschichten entfällt größtenteils auf die Berufsfremden und bedeutet daher einen Ausfall der Produktion. Diesen möchte ich nur den guten Rat geben, entweder die nötige Arbeitsfreude und Ar- beitseifer zu zeigen oder aber dem Bergmannsberuf fernzubleiben. Der Kameradschaftsgeist ist eine wichtige Voraussetzung für alle im Bergbau schaffenden Menschen und bedingt in erster Linie Arbeitsfreude sowie einen starken Willen zur Lei- stung. Interesselosigkeit mindert die Leistung, bedingt Gefahren und erhöht die Zahl der Unfälle. Ein Faktor von ganz besonderer Bedeutung ist die Arbeitsdisziplin, auf die der Bergbau nun einmal nicht verzichten kann. Die Neu bergmänner müssen sich erst einmal daran gewöhnen, um so allmählich in den Arbeits- rhythmus hineinzuwachsen. Erinnert sei auch gleichzeitig an die Betriebs- ordnung, die pünktliche Einhaltung der Arbeitszeit vorschreibt und ge- naue Beachtung aller sonstigen Be- stimmungen fordert. Der Arbeits- rhythmus im Bergbau, der durch die maschinellen Gewinnungs- und För- dermittel bestimmt wird, verlangt von jedem Bergmann schärfste Kon- zentration seiner Sinne bei der Aus- übung der jeweils übernommenen Arbeiten. Dem eifrigen und arbeitsfreudigen Neubergmann werden die Auf- stiegsmöglichkeiten nicht verschlos- sen bleiben. Je nach Fähigkeiten und Anlage wird er als gleichwer- tiger, selbständiger Arbeitskamerad aufrücken und in den Genuß eines 100 °/#igen Lohnanteils aus dem Ge- dinge (Akkord) treten. Energie und Selbstvertrauen jedoch sind uner- läßliche Voraussetzungen für Lei- stung und Lohn. In diesem Zusam- menhang sei darauf hingewieseri, daß der Besuch der bergmännischen Berufsschulen den Zugang zur Lauf- bahn als Steiger, Fahr- und Ober- steiger im Bergbau öffnet. Der Industrieverband Bergbau der Einheitsgewerkschaft hat als Berufs- vertretung aller im Saarbergbau Schaffenden darüber zu wachen, daß in sozialer Hinsicht alles für die Saarbergleute getan wird, um die KAMERADEN! Der Verband ruft Euch! Werbt für ihn! Wir alle wissen heule, daß der Hitler-Faschismus mit der Walle des Generalstreikes hätte getroffen werden können. Aber diese Waffe war stumpf, denn die Arbeitnehmerschaft hatte ihre Zersplitterung nicht. überwinden können. Die blutigen Ereignisse dieser schmachvollen Vergangenheit haben die Schaffenden einer opfervollen Lehre unterzogen. Ihr Erfolg ist die gewerkschaftliche Einheit. Der Zusammenschluß der früheren Gewcrkschaftsrichtungen allein genügt jedoch nicht. Zur wirkungsvollen Einheit bedarf es der restlosen Erlassung aller in den Betrieben Be- schäftigten. Ais die Obmänner der einzelnen Schachtanlagen vor einem Jahr Listen zur Einzeichnung als Mitglied des Industrieverbandes Bergbau auflegten, da bedurfte es keiner Werbung. Die alten Gewerkschaftler kamen von selbst. Gewerkschaftlich organisiert zu sein war für sie eine Selbstver- ständlichkeit. Der Industrieverband Bergbau wurde gegründet, geneh- migt und kann sich heute auf sehr beachtliche gewerkschaftliche Erlolge berufen. Sie waren Werbung genug, um Tausende im Saar-Bergbau zu bewegen, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Heute gilt es nun auch den letzten Kameraden zu erfassen und ihn von der Notwendigkeit seines Beitrittes zur Gewerkschaft zu überzeugen. Denn ihr sind heute Aufgaben zugewiesen, die ein Höchstmaß an Schlag- kraft und Tatbereitschaft fordern. Die Gewerkschaften haben cs über- nommen, sich führend am Aufbau einer demokratischen Wirtschaft und Gesellschaftsordnung zu beteiligen und ihre bewährten Organisationen dafür einzusetzen. Der Erfolg dieser Arbeit aber hängt ebenso von der Geschlossenheit der Werktätigen ab, wie er entscheidend bestimmt wird von der Masse aller Schaffenden, die in den Verbänden organisiert ist. Kollegen! Dem Bergbau kommt als Schlüsselindustrie im Rahmen des Wiederaufbaues überragende Bedeutung zu. Sie fordert von uns äußerste Pflichterfüllung, von der gewerkschaftlichen Arbeit aber jenes Maß umfassender Betreuung und Interessenvertretung, die uns befähigen sollen, den Anforderungen der Gegenwart gerecht zu werden. Dazu be- darf der Verband des uneingeschränkten Rückhaltes in der Arbeiter- schaft des Bergbaues. In den französischen Gruben haben sich unsere Kameraden Arbeitsbedingungen geschaffen, für die zu kämpfen es sich lohnt. Sie sollen uns Vorbild sein. Die Verbandsleitung des Industrieverbandes Bergbau ruft für die Zeit vom 15. Oktober bis 1. Dezember 1946 zu einer umfassenden und in alle Einzelheiten vorbereiteten Mitglied er Werbung auf. Die Wirkung und der Erfolg dieser Aktion hängt entscheidend von der Planmäßigkeit ab, mit der Sektionen und Ortsgruppen die Arbeit beginnen. Schon in der untersten Stufe der Organisation muß die Werbe- arbeit des Verbandes wirksam werden und ihr Gewicht auf die Einzel- werbung legen. Sie soll über den Betrieb hinausgreifen und jedes Haus erfassen. Hierzu aber bedarf es des Einsatzes aller Verbandsmitglieder. Tretet an die Seite der Funktionäre und helft ihnen diesen ersten großen Werbefeldzug unseres Verbandes zu gewinnen. Er steht unter dem Leitwort: „Auch der letzte Kumpel gehört zu uns!“ Denn er ist es, der unsere Einheit und Geschlossenheit vollendet. Darum Kameraden, seid Euch der hohen Bedeutung dieser Kampagne bewußt. Sie soll zeigen, daß der alte Geist bergmännischer Solidarität noch lebt und auch in den Jungen lebendig geworden ist. Beweist, daß Ihr zu überzeugen versieht. Jeder Einzelerfolg ist ein Baustein mehr im Maehtgebäude unserer Organisation. Befolgt die An- weisungen der Sektions- und Ortsgruppenleitungen! Sammelt die An- schriften der unorganisierten Kameraden! Wählt mit Bedacht und Ueber- legung Eure Werbetage; geht planmäßig vor und verteilt Eure Arbeit auf kleine Agitationsbezirke!. Laßt die Verbandserfolge sprechen, nehmt die Gewerkschaftsleitung zur Hilfe und appelliert an das Klassen- und S.tandesbewußtsein! Ringt um jeden Einzelnen! Die Kleinarbeit der Agitation wird ausschlaggebend sein. Je geschlossener unsere Reihen sind, und je einmütiger der Wille zur gemeinsamen Vertretung unserer Interessen zum Ausdruck kommt, umso stärker werden Kraft und Ansehen unseres Verbandes sein, dessen Wirk- samkeit in sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Fragen unseres Berufslebens ausschlaggebend von der Bereitschaft und Mitarbeit aller Kameraden bestimmt wird. Helft darum alle mit, die Mitgliederwerbung zu einem überzeugenden Beweis des Kameradschafts- und Solidaritätsbewußtsein der saarlän- dischen Bergleute zu gestalten. Die Verbau dsleitung.