Tut er es auch, ja kann er es sinnvoll tun, wenn wir annehmen, daß er um seine Bewegung zur Lichtquelle weiß? Muß er dann nicht sagen, vorausgesetzt, daß er wirklich auch das zweite Mal, wegen „verkürzter Maße“, c — 800000 bestimmt habe: „Meine Messung ist falsch; es muß etwas Störendes geschehen sein, das ich nicht nachweisen kann?“ So würde er also keine Seinsaussage fällen, sondern nur eine Bestimmtheitsaussage. Doch hier haben wir die seltsame „Verkürzung“ immer noch fiktiv zugelassen. Jetzt nehmen wir wieder ein A an, das zur Lichtquelle L ruht, und ein B, das sich zu A und zur Quelle bewegt. Beiden geben wir Uhren mit, so vollendet, wie Leibniz sie sich zur Erläuterung seiner prästabilierten Harmonie ersann, und ebensolche ideal vollendeten Meterstäbe. Beide Uhren, welche identischen Gang hatten, als B noch relativ zu A und zur Lichtquelle ruhte, können gar nicht „falsch“ gehen. Meint man nun wirklich, daß B, in Bewegung gegen die Lichtquelle versetzt und sich etwa mit 100 000 Kilometer Geschwindigkeit auf sie zu oder von ihr weg bewegend, c immer noch = 800000 finden werde und nicht = 400 000 das eine, = 200000 das andere Mal? Wer hat denn festgestellt, daß das zweite nicht der Fall ist? Doch keiner! Man hat lediglich „postuliert“. Aber es gibt solche Idealuhren nicht und damit kommen wir zu dem wahren Kern von Einstein’s Lehre, welcher aber kein „Naturgesetz“, überhaupt gar nichts für das Wesen der Natur bedeutsames, sondern lediglich eine Beschränktheit menschlicher Forschungsmittel betrifft, welche festgestellt zu haben gleichwohl ein großes Verdienst bleibt. Uhren, weil sie eben praktisch keine Leibniz’schen Idealuhren sind, müssen gelegentlich bezüglich ihres Gleich- 19