74 Beispiele einzelner philosophischer Fehlgriffe und Gefahren. alles andere, das gewiß auch sehr nötig ist, haltlos. „Ver- achtet mir die Meister nicht, und ehrt mir ihre Kunst.“ 3. Das Spiel mit dem Wort „organisch“. Auch mit den Worten „Organismus“ und „organisch“ wird gespielt, zumal im Rahmen der Staats- und Ge- schichtsphilosophie. Man verwendet diese Worte, als ob sich ihre Bedeutung von selbst verstünde; und es herrscht doch auf wenigen Gebieten ein solcher Streit, wie da, wo es um die Be- deutung eben dieser Worte ist. Ob der echte Organismus, die biologische Person, ein mechanisches oder ein vitales, eigengesetzliches System sei, das muß man offenbar zu- nächst wissen, wenn man ihn als Analogie für Anderes heranziehen und verwenden will. Ist nun der Organismus ein mechanisches System, durch Zufall auf Darwinsche Manier entstanden, so ist er offen- bar gar nichts Besonderes gegenüber jedem beliebigen materiellen Gebilde und das Wort „Organismus“, per analogiam verwendet, bedeutet schlechthin nichts. Ist er vitalistisch gefaßt, so ist natürlich eine analogische Ver- wendung möglich. Sie besagt alsdann, daß ebenso, wie der Organismus, obwohl materiell, doch mehr und zwar dynamisch mehr, als die Summe und Wirkungseinheit seiner materiellen Teile als materieller Teile sei, so sei etwa ein Volk oder ein Staat mit seiner Geschichte organisch mehr als Summe und Wirkungseinheit seiner psychophysischen Personen. Also nur, wenn man vorher sagt, was „Organismus“ bedeuten soll, hat „organische Staatslehre“ einen Sinn. Ob einen sachlich zutreffenden, ist natürlich eine ganz andere, die Frage nach einer superpersonalen Enteleehie