6 Die Möglichkeitserwägung. eigentlich überhaupt wolle, wenn man Philosophie treibt. Diese Besinnung fehlt heute bei sehr vielen. Viele in der Tat fangen heute zu „philosophieren44 an, ohne auch nur im Geringsten zu sagen, was sie eigentlich be- zwecken, d. h. ohne ein Programm und eine Methodik zu haben. Erst recht ist solcher Mangel an Besinnung an- gesichts der „Metaphysik44 vorhanden, ein Wort, mit dem heute viele geradezu spielen ohne auch nur im Geringsten zu sagen, was es bedeuten soll. Davon wird noch zu reden sein. Unsere Überzeugung geht nun dahin, daß alle Philo- sophie, soweit sie solid war, stets in erster Stufe ordnungs - hafte Erfassung des Erlebnisinhaltes gewesen ist, und daß Philosophie in erster Stufe gar nichts anderes sein kann, mag sie später auch andere, nämlich die echt metaphysischen, die „An sich44-Fragen aufrollen, was dann aber scharf und klar gesagt werden muß. Es ist auch falsch, schlechthin falsch, schlichtes Er- leben und Philosophieren in einen Gegensatz zueinander zu bringen; das zweite ist nur ein Weiterarbeiten in bezug auf das erste. Denn schon des schlichtesten Men- schen bewußtes Erleben ist ordnungshaftes Erfassen, nur ist es von sehr roher grober Form und ohne die Be- sinnung darauf, daß es ordnungshaftes Erfassen ist. Der Philosoph sieht eben viel mehr an Ordnung als der Naive, und er weiß, daß er Ordnung schaut. Es ist, um im Bilde zu sprechen, ungefähr so, wie wenn man aus weiter Ferne eine große Kathedrale sieht: da sieht man eben nur, daß es eine Kathedrale ist und weiter noch nichts. Kommt man näher, so erkennt man etwa den gotischen Baustil, und ist man noch näher, so schaut man Portale und Maß- werk in ihren Einzelheiten; der „Mikroskopiker44 könnte endlich wohl noch erfassen, daß die einzelnen Atome hier