Einleitung. Wie soll Philosophie gelehrt werden? Wer vor der Aufgabe steht, Philosophie zu lehren und nicht nur über Philosophie zu denken und zu schreiben, dem wird immer wieder die nicht gerade angenehme Frage vor Augen gestellt, ob er denn wohl seinen Schülern ein für allemal und allgemein die Möglichkeit an die Hand geben könne, mit Aussicht auf Erfolg selbständig philo- sophisch zu forschen, ob er ihnen, mit anderen Worten, eine Methode an die Hand geben könne, durch deren Be- folgung die Schüler, wenn sie begabt sind, mit hoher Sicherheit gute neue philosophische Denkergebnisse zu erzielen erwarten dürfen. Der „Professor“ der Philosophie, wenn er gewissenhaft ist, sagt sich, daß er das eigentlich können solle, daß es seine Pflicht sei, den Schülern einen solchen „Weg“ mit ins wissenschaftliche Leben zu geben; und er sieht auf der anderen Seite immer wieder ein, daß gerade hier sein Unvermögen am größten ist. Was der Professor im günstigsten Falle den Schülern zu geben vermag, und was gerade der europäische Pro- fessor auch mit Recht als seine Hauptaufgabe ansieht, ist die Darbietung eines Vorbildes: „Seht, so mache ich es, nun tut ihr, was euch gemäß ist“. So ein Vorbild zu geben ist gewiß eine schöne Sache, aber es ist doch nicht alles, was geschehen sollte. Ein „Professor“ ist hier auf jedem anderen Gebiete besser daran, ganz gleichgültig, ob er ein Gebiet der Na- Driesch, Philosophische Forschnngswege. 1