geschichtlichen Lebens offenbart und betätigt. Aus diesem Grunde besteht ihre „Wahrheit“ auch nicht in einem ideellen Einheitsschema oder in einer ideel- len sittlichen Forderung, sondern nur in diesen diffe- renzierten Realitätsballungen und ihren unendlich verschiedenartigen, ganz uneinheitlichen Auswirkun- gen. Den Kern aber dieser zahllosen Ballungen bil- det nicht ein ideelles Streben zu einer verbindenden Einheit, sondern der rücksichtslose Wille, die in der einzelnen Gruppe oder Lage vorhandenen Möglichkei- ten und Kräfte, unbekümmert um den Stand und Zu- stand in den übrigen Macht- und Interessengruppen, zur Entladung und Durchsetzung zu bringen. Dieser ungeheure Wandel in unseren Vorstellungen vom \^esen und Werden des geschichtlichen Lebens ist na- türlich nicht dazu angetan den — optimistischen. noch von Hegel so stark genährten — Glauben an ei- nen einheitlichen, weil in einem einheitlichen Sinn sich vollziehenden, von der Vernunft getragenen Auf- bau der Geschichte zu stützen. Im Gegenteil: Dieser Glauben wird als das Zeugnis einer traumseligen und der herben Wirklichkeit der Geschichte widerspre- chenden Lebensfremdheit des Idealismus verurteilt. h) Antiidealistische Tendenzen in der modernen Psychologie. Verfolgen wir nun des Genaueren, wie sich der Kampf gegen den Idealismus von der Seite der Ein- zelwissenschaften aus gestaltet. Aber auch bei dieser Schilderung nehmen wir jetzt nur die Haltung des Berichterstatters, nicht die des Richters ein. %