meint wird, sei es im Sinne der Zustimmung zu einer solchen Auffassung, sei es im Sinne der Ablehnung, der Kritik an ihr, wie Schopenhauer es tat. Man muß aus jener immer wieder angeführten Grundbestim- mung und Grundentscheidung, die den Leitgedanken für Hegels ganze Philosophie darstellt, daß nämlich das Wirkliche vernünftig und das Vernünftige wirklich ist, den kritischen Unterton heraushören, um jener großen philosophischen Leistung nicht — anerken- nend oder tadelnd — nachzusagen, ihr einziges Be- streben sei einfach auf die objektive und allgemeine, von jeder Wertstellungnahme und Wertung der Reali- tät freie Erkenntnis gerichtet. Jeder große Philosoph ist auch als Erkennender ein Richter über das Sein. Ohne den Mut und ohne die Fähigkeit zu diesem Rich- teramt und ohne die — konstruktive — Aufstellung von Wertmaßstäben und Werttafeln und ihre Anwen- dung auf den gesamten Umkreis des Seins, des klein- sten ebenso wie des größten, gibt es keine Philosophie. 3. Die Bedeutung der philosophi- schen Krise für die Geschichte. Der Sinn der Stellung der Philosophie inmitten des geschichtlichen Lehens ist mit der genannten Ent- scheidung bezeichnet: Die Philosophie ist das in die Sprache der Begriffe und in die Form der „reinen1" Erkenntnis gebrachte, also zu objektiver Gestalt erho- bene Gewissen der Menschheit. Auf diese Gestalt und Leistung begründen sich ihre Weltgeltung und ihre Eigenart und Einzigartigkeit. Ihr Verzicht auf jene 48