schöpferische Voraussetzungen unseres Schicksals er- kennt und anerkennt. Von jeher glüht in der Philo- sophie das Verlangen nach einem umbildenden Ein- fluß auf das Trachten und Tun der Zeiten. Und von jeher beeinflußt sie auch tatsächlich und auf das Nachhaltigste die Gestaltung und den Gehalt der Zeitalter.1) Weder der Begriff noch die geschichtliche Ent- wicklung der Philosophie bieten die Unterlage für die restlose Beschränkung des philosophischen Den- kens auf den Umkreis der reinen Betrachtung oder auch nur für die Forderung nach einer solchen Be- schränkung. Wohl trägt die wahrhaft philosophi- sche Haltung in sich den Willen zu umfassender und besonnener Erkenntnis des Seienden. Aber sie bleibt nie eine reine, absichts- und wirkungslose Lehre vom Wesen der Wirklichkeit, ln unmittelbarem Zusam- menhang mit ihrem Charakter und Wert als allge- meinste und höchste W issenschaft drängt sie zugleich zu einem informatorischen Angriff auf die Realität, ganz gleich von welcher Art und von welchem Anse- hen das Gegebene sein mag. Denn sie hegt Sorge um die Wirklichkeit und fühlt sich aus der Sittlichkeit ihrer Idee und aus der Idee ihrer Sittlichkeit heraus allem Seienden gegenüber verpflichtet zum Rat, zur Warnung, zum Gebot, zur Aufstellung von Richtli- nien und lebenüberlegcnen Werten. So nimmt sie nicht bloß die Stellung der Erkenntnis, sondern sie 1) vgl, Theodor Litt, Philosophie und Zeitgeist. 2. Aufl. 1935. Felix Meiner. Leipzig. 11