76 Zur Lehre vom Gemüt. „Gefühl“ niemals die Körperempfindung das maß- gebende Gegenständliche. Darin aber sind beide gleich, daß Zuständliches, Lust oder Unlust, zu ihnen gehört, und daß die Stimmung ebenso, wie das „Gefühl“, ein Zusammen von Zuständlichem und Gegenständlichem im Bewußtsein bedeutet. Mit dieser Darlegung des Sinnes für das uns Allen so ge- läufige Wort „Stimmung“ meine ich den Tatsachen, die in diesem Wort im Sprachgebrauch zum Ausdruck kommen, gerecht ge- worden zu sein und sie restlos zergliedert zu haben. Zweifel- los will Jeder mit dem Worte „Stimmung“ etwas Besonderes und etwas Anderes zum Ausdruck bringen als mit dem Worte „Gefühl“, aber, sobald man sich nun daran macht, dieses Ge- gebene, das man „Stimmung“ nennt, genauer zu bestimmen und klar zu begreifen, ist es keineswegs so leicht, dieses Zu- sammen von verschiedenen Bestimmtheitsbesonderheiten des Bewußtseins als solches zu erfassen, wie dasjenige, das wir das „Gefühl“ nennen. Im wissenschaftlichen Verkehr finden wir überdies noch von einigen Psychologen nicht nur diese zwei besonderen Zu- sammen, „Gefühl“ und „Stimmung“, sondern noch neben diesen ein drittes, das man „Affekt“ nennt, aufgestellt, indem man diesen seelischen Tatsachen erst durch diese Dreiheit von be- sonderem Zusammen gerecht werden zu können meint. Indes hat es den Anschein, als ob mit dieser Aufstellung eines besonderen Dritten für die Aufklärung des Ganzen nichts gewonnen sei, zumal da man auch in der Feststellung des Sinnes der Worte „Gefühl“, Stimmung und Affekt noch so wenig Übereinstimmung gewonnen und das besondere Gebiet eines jeden genau ab gesteckt hat. So erklärt der Eine, daß auch Stimmung und Affekt ein „Gefühl“ seien, der Andere, daß sie nicht „Gefühl“ seien, sondern diesem gegenüber zu- sammen eine besondere Gruppe bilden, und ein Dritter meint, daß „Gefühl“, Stimmung und Affekt je eine besondere Gruppe ausmachen, die sich freilich untereinander doch nicht genau ab grenzen ließen. Wir lassen aber, was jene Psychologen den „Affekt“ nennen und als ein Besonderes im Seelenleben gegenüber