Zur Lehre vom Gemüt. 73 verständlich ein Bewußtsein; nur dieses hat eine Stimmung, und in jedem Fall kommt hier das Bewußtsein als zusländ- lich es in Frage, mit anderen Worten, zu dem, was Stimmung heißt, gehört unstreitbar Gefühl d. h. Zu stündliches, also Lust oder Unlust. Doch ist es damit nicht genug, sondern auch Gegenständliches zeigt sich in der Stimmung ein- geschlossen, so daß sie darin dem, was wir „Gefühl“ nennen, gieichkommt, ein Zusammen von Zuständlichem und Gegenständlichem zu sein. Während aber das „Gefühl“ dem Bewußtsein, dessen Bestimmtheitsbesonderheit es ist, unter dem Gegenständlichen des Bewußtseinsaugenblickes ein be- sonderes, das für dasZuständliche im „Gefühl“ maßgebend ist, vorführt, ist dies von der Stimmung nicht zu behaupten. Denn wenn auch in der Stimmung selbstverständlich ihr Zu- ständliches ebenso, wie das Zuständliche im „Gefühl“, von der Gesamtheit des mannigfaltigen Gegenständlichen bedingt ist, so macht sich für das in der betreffenden Stimmung be- findliche Bewußtsein selbst kein besonderes unter dem vielen als das maßgebende geltend, dem es, wie im „Gefühl“, un- mittelbar und unbeirrt das Zuständliche, also die besondere Lust oder Unlust in der Stimmung, „zuschriebe“ d. h. von diesem „gewirkt“ meinte. In der Stimmung — das ist zunächst das Unterscheidende gegenüber dem „Gefühl“ — hebt sich dem Bewußtsein, das sie hat, in diesem Augenblicke keines unter dem mannigfaltigen Gegenständlichen als ein für das Zuständliche irgendwie maßgebendes hervor. Dies ist ja der Grund, der es verständ- lich macht, daß in einer Stimmung Niemand zu sagen vermag, „warum er in dieser Stimmung sich befinde“. Das also ist das Kennzeichnende für die Stimmung gegenüber dem „Gefühl“, daß von allem Gegenständlichen dieses Bewußtseinsaugenblickes keines im Blickpunkt des Bewußtseins d. h. in der Aufmerk- samkeitssteilung sich findet. Wenn nun aber auch dem Bewußtsein, das die betreffende Stimmung hat, alles Gegenständliche gleiche oder, was dasselbe sagt, gar keine besondere Verknüpfung mit dem Zuständlichen desselben Augenblickes zu haben scheint, so läßt sich dennoch ohne Weiteres behaupten, daß keineswegs alles Gegenständ-