Zur Lehre vom Gemüt. 71 Das Wort „Gefüllt“ haben wir in Übereinstimmung mit dem Sprachgebrauch zur Bezeichnung der Bestimmtheits- besonderheit verwendet, die sich als ein Zusammen von Zu- ständlichem (Lust oder Unlust) sowie Gegenständlichem und zwar teils „maßgebendem“ (Wahrnehmung oder Vorstellung oder beides zugleich), teils „begleitendem“, mit dem „maß- gebenden“ ursächlich verknüpftem Gegenständlichen (Körper- empfindung) erweist. Dieses Zusammen von Zuständlichem und besonderem Gegenständlichen, das jedem Bewußtsein un- mittelbar als ein Besonderes in dem bestimmten Augenblick, nämlich als sein „Gefühl“ sich bietet, hat indes die Seele nicht in jedem Augenblicke aufzuweisen. So zweifellos es ist, daß die Seele niemals ohne Gefühl d. i. ohne eine zuständliche Bestimmtheitsbesonderheit ist, ebenso zweifellos ist es, daß sie nicht immer ein „Gefühl“ d. i. jenes besondere Zusammen von Zuständlichem und Gegenständlichem als seine Bestimmt- heitsbesonderheit hat. Trotzdem freilich bleibt bestehen, daß das Gegenständliche und Zuständliche der Seele, die ja in jedem ihrer Augenblicke sowohl gegenständliches als auch zu- ständliches Bewußtsein ist, in jenem innigen Zusammenhänge stehen, den wir dadurch zum Ausdruck zu bringen suchten, daß wir sagten, das Gegenständliche eines Augenblickes „be- dinge“ in seiner Gesamtheit das Zuständliche d. i. das eine und einfache Gefühl desselben Bewußtseinsaugenblickes. Wann immer aber wir ein „Gefühl“, dieses besondere Zu- sammen von Zuständlichem und Gegenständlichem, als unsere Bestimmtheitsbesonderheit haben, tritt für uns aus der Ge- samtheit des mannigfaltigen Gegenständlichen ein bestimmtes noch für uns hervor, an das wir dann das besondere Zuständ- liche des „Gefühls“ eigentlich nur geknüpft meinen, so daß wir von ihm zu sagen pflegen, es allein habe diese Lust oder Unlust in uns gewirkt oder hervorgerufen, es sei also in dem be- sonderen Fall die Lust- oder Unlustquelle, ihm allein sei es zuzuschreiben, daß wir jetzt diese besondere Lust oder Unlust als unsere zuständliche Bestimmtheitsbesonderheit haben. Das Wahre an dieser Meinung haben wir schon heraus-